Immobilienfinanzierer

Berlin Hyp zeigt sich in schwierigem Umfeld stabil

Die neue LBBW-Tochter Berlin Hyp hat ihren Vorsteuergewinn im vergangenen Jahr trotz eines schwierigen Umfelds verdoppelt. Der Immobilienfinanzierer rechnet für 2023 allerdings mit weniger Neugeschäft.

Berlin Hyp zeigt sich in schwierigem Umfeld stabil

ahe Berlin

Die Berlin Hyp hat trotz eines schwierigen Umfeldes 2022 einen deutlichen Zinsüberschuss erwirtschaftet und ihr Betriebsergebnis vor Risikovorsorge um 9% auf 261 Mill. Euro erhöht. Der Vorsteuergewinn der seit dem vergangenen Juli 100-prozentigen LBBW-Tochter verdoppelte sich sogar nahezu auf knapp 100 Mill. Euro.

Der CEO des Immobilienfinanzierers, Sascha Klaus, verwies bei der Vorlage der Geschäftsergebnisse darauf, dass es keine Kreditausfälle gab und auch keine Einzelwertberichtigungen vorgenommen werden mussten. Die Risikovorsorge wurde zwar kräftig von 5 auf 86 Mill. Euro erhöht, was aber vor allem an den Bewertungen der Wertpapiere der Liquiditätsreserve lag. Klaus erwartet schon in diesem Jahr wieder deutlich positive gegenläufige Effekte.

Das Neugeschäftsvolumen (inklusive langfristiger Prolongationen) blieb mit 6,9 Mrd. Euro nur leicht unter dem Vorjahresniveau von 7,1 Mrd. Euro. Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung sprach Klaus auch mit Blick auf das zweite Halbjahr von einem „sehr guten Ergebnis“. „Unsere auf Stabilität und nachhaltige Tragfähigkeit ausgerichtete Ge­schäftspolitik erweist sich auch und gerade im turbulenten Umfeld als wesentlicher Erfolgsfaktor“, ist sich der CEO sicher. Daher sieht er auch die aktuellen Turbulenzen in den internationalen Bankenmärkten recht gelassen: „Die Berlin Hyp hat ein gesundes Geschäftsmodell, ein gesundes Portfolio und eine gute Reputation. Wir sind außerdem gut refinanziert.“

Schwieriger Immobiliensektor

Für das laufende Jahr stellte die Berlin Hyp trotzdem nur ein Neugeschäft in Aussicht, das „deutlich“ unter dem Vorjahresniveau liegt. Zur Begründung verwies das Institut auf ein „herausforderndes und nicht belastbar planbares Umfeld“, wozu unter anderem die Unsicherheiten bezüglich des künftigen Zinsniveaus gehören sowie die regulatorischen Anforderungen. Der Vorsteuergewinn soll 2023 den Prognosen zufolge dennoch weiter zulegen.

Die auf großvolumige Finanzierungen spezialisierte Berlin Hyp machte auch im zweiten Halbjahr 2022 – das wegen der Integration in die LBBW erneut als ein Rumpfgeschäftsjahr ausgewiesen wurde – rund drei Viertel ihres Neugeschäfts mit professionellen Investoren. Weitere gut 20% entfielen auf Entwickler und Bauträger und nur ein kleiner Rest auf Wohnungsbauunternehmen. Nach Angaben von Klaus wird die Bank ihr Geschäft auch in Zu­kunft weiter eigenständig führen. Daran habe auch das Andocken an die neue Eigentümerin nichts geändert. Im Gespräch verwies Klaus noch einmal auf die „erheblichen Potenziale“, die diese Verbindung auch für sein Haus bietet. „Die LBBW ist stark im Kapitalmarkt, so dass wir unseren Kunden beispielsweise jetzt auch Unternehmensschuldscheine als Refinanzierungsinstrument an­bieten können.“

Die Zusammenarbeit mit der Sparkassen-Finanzgruppe hat sich unterdessen schon weiter intensiviert. Als Verbundpartner arbeitet die Berlin Hyp bereits mit 170 Sparkassen zusammen, unter anderem über die Plattform Immodigital, die seit Ende 2020 online ist. Das Verbundgeschäft der Berlin Hyp hat sich in den vergangenen fünf Jahren in etwa verdoppelt. Das zurzeit an Sparkassen ausplatzierte Gesamtvolumen beträgt etwa 4,3 Mrd. Euro.

Im Immobilienmarkt erwartet der Finanzierer kurzfristig allerdings in nahezu allen Segmenten eine eher negative Entwicklung. Bei den Büro-Immobilien, die etwa die Hälfte des Geschäfts ausmachen, werde der Leerstand weiter steigen, hieß es.