Kreditwirtschaft

Sparkasse Bremen profitiert bereits von Zinswende

Die Sparkasse Bremen profitiert schon jetzt von der Zinswende. Wertberichtigungen wegen Kurswertverlusten bei Wertpapieren im Eigenbestand fallen kaum an, der Zinsüberschuss steigt kräftig.

Sparkasse Bremen profitiert bereits von Zinswende

Die im vergangenen Jahr eingeleitete Zinswende führt bei der Sparkasse Bremen zu keinen kurzfristigen Verwerfungen im Ergebnis. Das Institut, das zur kleinen Gruppe der privatrechtlich aufgestellten, freien Sparkassen in Deutschland gehört, rechnet nach einem Anstieg des Jahresüberschusses im vergangenen Geschäftsjahr um 3,3% auf 50 Mill. Euro mit einer Steigerung im laufenden Turnus um 10% auf rund 55 Mill. Euro.

Vorstandschef Tim Nesemann sagte in einem Pressegespräch am Dienstag, dass die Sparkasse durch Wertberichtigungen auf Wertpapiere im Eigenbestand, die auf Kurswertverluste infolge des Zinsanstiegs zurückgingen, „praktisch nicht“ tangiert sei. Das sei bei Häusern mit einem kleineren Kreditbestand anders, die Einlagen stärker am Geld- und Kapitalmarkt anlegten. Die Finanzaufsicht BaFin sieht in den abrupt steigenden Zinsen eines der aktuellen Hauptrisiken für kleinere Kreditinstitute.

„Wir haben in der Eigenanlage überwiegend Liquiditätshaltung, vor allem bei der Bundesbank, da sind überhaupt keine Bewertungsänderungen notwendig“, unterstrich der Chef der Sparkasse Bremen, die mit einer 2022 auf gut 15 Mrd. Euro leicht gesunkenen Bilanzsumme zu den 15 größten Sparkassen in Deutschland gehört. Der kleine Teil der Anlage in der Liquiditätsreserve sei im Regelfall kurzfristig angelegt, so dass das Institut kaum von Kurswertverlusten betroffen sei.

Der „vorübergehende“ Abschreibungsbedarf betrifft den Angaben zufolge 1% der risikobehafteten Anlagen im Eigendepot (Depot A), dessen Anteil an der Bilanzsumme die Sparkasse mit etwa 8% angibt. Firmenkundenvorstand Klaus Windheuser verwies darauf, dass die eigenen Anleihebestände „weitgehend“ abgesichert würden.

Kurswertverluste sind auch bei der Sparkasse Bremen in der Risikovorsorge für das Geschäftsjahr 2022 enthalten – diese erhöhte sich vorläufigen Zahlen zufolge für 2022 aber insgesamt um lediglich 3,5 Mill. auf 24,4 Mill. Euro. Für 2023 geht Sparkassenchef Nesemann von einem Anstieg „in Richtung 30 Mill. Euro“ aus. Das Management sei in Anbetracht des großen Kreditportfolios von annähernd 11 Mrd. Euro und des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds „eher pessimistisch“.

Zugleich rechnet die Sparkasse Bremen 2023 mit einem weiter steigenden Zinsüberschuss. Im vorigen Jahr hatte die wichtigste Ertragsquelle infolge des gestiegenen Zinsniveaus, durch positive Zinsbeiträge aus Guthaben bei der Bundesbank sowie der Teilnahme an Offenmarktgeschäften um 13,2% auf 223 Mill. Euro zugelegt und ursprüngliche Erwartungen in dem Institut deutlich übertroffen, wie Nesemann mitteilte.

Dabei geht die Sparkasse Bremen 2023 nur von einem „moderaten“ Kreditwachstum aus. Im Kerngeschäft der Immobilienfinanzierung, das auf ein Portfolio von 3,7 Mrd. Euro kommt, rechnet Privatkundenvorstand Thomas Fürst angesichts der gestiegenen Kreditzinsen mit einem Rückgang des Neugeschäfts um 50% – nach 50 bis 60 Mill. Euro Neugeschäft pro Monat während der Null- und Negativzinsphase. Einen Großteil der „Delle“ will die Sparkasse im Bereich der Haus- und Wohnungssanierungen auffangen – in Bremen belaufe sich der „Sanierungsstau“ auf 6 bis 8 Mrd. Euro.

Den Aufwand erwartet die Sparkasse 2023 auf Vorjahresniveau. Dies komme, so Vorstandschef Nesemann, de facto einer Steigerung gleich, da eine Einmalbelastung im vorigen Jahr wegfalle. Im Geschäftsjahr 2022 trugen Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen von 17 Mill. Euro zu einem Anstieg des Verwaltungsaufwands um fast 28 Mill. auf 191 Mill. Euro bei. Die Erträge legten insgesamt um 24 Mill. auf 314 Mill. Euro zu, wodurch sich die Aufwandsquote um 3 Punkte auf 64% verschlechterte – ein guter Wert im Vergleich, so Nesemann. Der Jahresüberschuss von 50 Mill. Euro, der in dieser Größenordnung auch in den kommenden Jahren benötigt werde, um zu wachsen, die notwendige Eigenkapitalausstattung zu erreichen und um weiter zu investieren, sei ein „klarer Beleg für den Erfolg unserer strategischen Entscheidungen in der Vergangenheit“.

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