Autofinanzierung

VWFS erwartet Ergebnisrückgang

Nach einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr steuert VWFS die Ergebniserwartung an die kommenden Jahre herunter. Die Volkswagen-Finanztochter will Abonnement-Modelle forcieren und die Gebrauchtwagenplattform Heycar ausbauen.

VWFS erwartet Ergebnisrückgang

bn Frankfurt

Nach einem operativen Rekordergebnis von 5,67 Mrd. Euro 2021 peilt Volkswagen Financial Services (VWFS) fürs Erste deutlich niedrigere Niveaus an. „In Abhängigkeit von Sondereffekten“ habe sich VWFS das Ziel gesetzt, „in den kommenden Jahren ein operatives Ergebnis von circa 4 Mrd. Euro zu erreichen“, erklärte Finanzvorstand Frank Fiedler. Dies wären rund 30% weniger als im vergangenen Jahr. Mit Blick auf 2021 sprach der Manager von einem „außergewöhnlichen Jahr mit einem historischen Ergebnis“.

Ausbleibende Risikovorsorge, eine angesichts des Speicherchip-Mangels in die Höhe schnellende Nachfrage nach gebrauchten Fahrzeugen, höhere Neubewertungen im Bestand sowie anziehende Restwerte haben 2021 dafür gesorgt, dass die Volkswagen-Finanztochter ihr operatives Ergebnis glatt verdoppelt hat (siehe Tabelle). Je nach Region und Fahrzeug habe die Spreizung der Verkaufspreise 1000 bis 4000 Euro oberhalb der Restwerte gelegen, erläuterte Fiedler.

Zugleich verhalf das 2018 eingeleitete Effizienzprogramm Operational Excellence (Opex) der Gesellschaft den Angaben zufolge zu Einsparungen von 600 Mill. Euro. Folge: Das für 2025 ausgegebene Ziel einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 20% hat die Gesellschaft, eine „normierte“ Eigenkapitalquote von 8% unterstellt, mit einem Wert von 30% bereits 2021 weit überboten. Die tatsächliche Eigenkapitalquote von 14,2% resultierte in einer Verzinsung von 17,9%. Die Aufwandsquote sank auf 35,8% und lag ebenfalls unter dem für 2025 ausgegebenen Zielwert.

Der Umsatz hat sich 2021 um knapp 8% auf 41,7 Mrd. Euro erhöht. Der weltweite Vertragsbestand legte derweil um gerade einmal 0,6% auf gut 22 Millionen zu. Während VWFS dabei für Finanzierungen einen Rückgang um gut 7% ausweist, stehen im Leasing, bei Dienstleistungen sowie bei Versicherungen Zuwächse um rund 1,7%, 5,2% sowie 4,8% zu Buche. „Wir merken mehr und mehr, dass Kunden Mobilität eher unter dem Motto nutzen statt besitzen subsumieren“, erklärte Vertriebsvorstand Anthony Brandmann.

„Gemeinsam mit den Marken des Volkswagen-Konzerns werden wir unsere Rolle als ,Schlüssel zur Mobilität‘ weiter ausbauen“, kündigte Vorstandschef Christian Dahlheim an. Um die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen und die Anforderungen der Kunden besser zu erfüllen, strukturiere sich die Gesellschaft in Europa neu. Die historisch gewachsene länderbezogene Aufstellung weiche dabei „einer auf den Vertriebskanälen Handel, digitales Direktgeschäft und Flottenkunden basierenden Organisation“.

Unter anderem will VWFS die Gebrauchtwagenplattform Heycar, an der sich im vergangenen Jahr die Allianz sowie Renault beteiligten, weiter ausbauen. Neben dem Flottengeschäft sollen auch Abonnement-Modelle forciert werden. Im September hatte zudem J.P. Morgan 75% am Zahlungsdienstleister Volkswagen Payments erworben. Dabei behalte VWFS den Zugriff auf die Daten, wenn über die Plattform digital bezahlt werde, hieß es.

Zu etwaigen Plänen für den französischen Autovermieter Europcar, dessen Übernahme ein Konsortium um Volkswagen angeht, äußerte sich Dahlheim mit Hinweis auf das noch laufende Fusionskontrollverfahren nicht. In Russland hat VWFS ein Kredit-Exposure von rund 500 Mill. Euro sowie 300 Mill. Euro Eigenkapital allokiert, das teils durch eine Versicherung abgedeckt ist. Das Neugeschäft ist eingestellt. Belastungen aus dem Kreditportfolio erwartet man im Management nicht. Tatsächlich stiegen in Russland derzeit die Restwerte, hieß es. In Russland beschäftigt VWFS 251 Menschen.

Wertberichtigt Seite 6

Volkswagen Financial Services
Kennzahlen nach IFRS
in Mill. Euro20212020
Umsatzerlöse41 66238 637
Operatives Ergebnis 5 6722 803
Ergebnis vor Steuern5 6282 577
Bilanzsumme235 620225 608
Eigenkapital33 38129 406
Eigenkapitalquote (%)14,213,0
Zahl der Beschäftigten zum Jahresende 14 68114 560
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