Marktausblick

Neues Zeitalter für Kapitalmärkte

Für Weltwirtschaft und Kapitalmärkte ist nach Meinung von Frank Engels, Vorstand bei Union Investment, ein neues Zeitalter angebrochen. Diese neue Ära der „Great Transformation“ werde die Märkte maßgeblich prägen und Anlageentscheidungen beeinflussen.

Neues Zeitalter für Kapitalmärkte

Für Weltwirtschaft und Kapitalmärkte ist nach Meinung von Frank Engels ein neues Zeitalter angebrochen. „Mit dem Krieg in der Ukraine wurde der während der Corona-Pandemie begonnene Epochenwechsel vollendet. Wir befinden uns nun in einem Wachstumsregime, das von strukturellen Umbrüchen gekennzeichnet ist“, sagt Engels, der im Vorstand von Union Investment für das Portfoliomanagement zu­ständig ist. Diese neue Ära der „Great Transformation“ werde in den kommenden Jahren die Kapitalmärkte maßgeblich prägen und Anlageentscheidungen beeinflussen.

Engels sieht dabei erhebliche Unterschiede zu vergangenen Dekaden und macht fünf wesentliche Trends aus. „Auf die Globalisierung folgt der Großmachtwettbewerb um die weltweite Vormachtstellung zwischen den USA und China“, analysiert Engels den ersten Trend. Der Globalisierungsschub der vergangenen 40 Jahre dürfte damit auslaufen. „Wir werden weiter grenzüberschreitenden Handel und globale Produktionsketten haben“, ist der Kapitalmarktstratege überzeugt. „Aber Politiker und Unternehmenslenker werden künftig die Möglichkeit internationaler Krisen und weiterer Pandemien verstärkt ins Kalkül ziehen.“

„Mehr Wachstum, die chronische Nachfrageschwäche ist vorbei“, so lautet der zweite Trend. Insbesondere in den USA lege diese Entwicklung den Grundstein für einen physischen Investitionsboom. In der Folge rechnet Engels mit einem Anstieg des langfristigen Wachstumspotenzials in den USA und auf dem europäischen Kontinent. „Mehr Inflation: Resilienz schlägt Effizienz“, lautet der dritte Trend. Ein nachhaltiger Rückgang der Inflation auf Niveaus von vor Ausbruch der Pandemie sei bei der Kerninflation nicht zu erwarten. Denn in der „Great Transformation“ wirkten mehrere Trends strukturell inflationstreibend.

Der Investitionsboom werde sich nicht nur auf Wachstumspotenzial und Inflation auswirken, sondern auch den Gleichgewichtszins erhöhen. „Kapital wird knapper, und das reale Zinsniveau steigt“, erklärte Engels den vierten Trend. Fünftens werde nicht zuletzt aufgrund der geostrategischen Unsicherheit die Volatilität der Finanzmärkte höher.

Als Konsequenz aus dem Epochenwechsel sieht Engels Trendbrüche bei wesentlichen Merkmalen der vergangenen Jahre. Anleihen seien zurück im Spiel. Die Entwicklung an den Aktienmärkten dürfte künftig weniger stark von Wachstumstiteln abhängen. Von dem neuen Investmentzeitalter würden Industriemetalle, Infrastrukturaktien sowie inflationsgeschützte Anleihen langfristig profitieren.

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