Rohstoff- und Energiemärkte

Ölpreis legt kräftig zu

Die europäischen Energiepreise sowie die Ölnotierungen haben deutlich zugelegt. Sie spiegeln damit die weltweite Knappheit an Energieträgern und die Auswirkungen der westlichen Sanktionen wider.

Ölpreis legt kräftig zu

ku Frankfurt

Die europäischen Energiepreise sowie die Ölnotierungen haben am Montag deutlich zugelegt. Sie spiegeln damit die weltweite Knappheit an Energieträgern, die Auswirkungen der westlichen Sanktionen gegen Russland sowie die sich verschärfende Energiekrise in Europa wider. Der Preis der wichtigsten Rohölsorte Brent Crude legte um 4% auf 96,69 Dollar zu. Am Freitag haben die G7-Länder beschlossen, eine Preisobergrenze für russische Erdölexporte durchsetzen zu wollen. Russland hat bereits angekündigt, diejenigen Staaten, die diese Preisobergrenze beachten wollen, künftig nicht mehr mit Öl zu beliefern. Am Montag beschloss dann die Opec Plus, ihre Förderung im Oktober um 100000 Barrel pro Tag zu kürzen.

Nach Einschätzung der Rohstoffanalysten von Goldman Sachs besteht das Hauptrisiko einer Preisobergrenze in dem Potenzial russischer Gegenmaßnahmen, die für einen weiteren preistreibenden Schock am Ölmarkt sorgen könnten. Parallel zu den am Markt für Erdgas ergriffenen Gegenmaßnahmen könnte Russland die G7-Kunden von russischem Öl abschneiden und die Produktion zurückfahren, was den weltweiten Ölpreis und auch die Einnahmen Russlands erhöhen werde, auch wenn man höhere Logistikkosten für die Lieferung in Länder annimmt, die sich der Regelung nicht anschließen.

Als Reaktion auf die nun wohl dauerhafte Unterbrechung der russischen Erdgaslieferungen durch Nord Stream 1 legten die Preise am europäischen Markt für Erdgas stark zu. Der Monatskontrakt kletterte bis auf 284,465 Euro je Megawattstunde. Am Abend wurde der Kontrakt zu 246,50 Euro gehandelt, ein Anstieg von immerhin noch 14,8%. Gemäß den Szenarien der Bundesnetzagentur reichen die gegenwärtigen Reserven in den deutschen Gasspeichern nicht aus, um über den Winter zu kommen. Ähnliches gilt für andere europäische Länder.

Der europäische Benchmark-Kontrakt für Kohle stieg auf ein Allzeithoch. Die Tonne kostete 345 Dollar, ein Anstieg von 7,6% gegenüber Vortag. Binnen eines Jahres hat sich der Preis damit verdreifacht. Am Markt wird darauf hingewiesen, dass Deutschland plane, alte Kohlekraftwerke zu reaktivieren, um nach dem Abschalten der Atomkraftwerke und wegen der Flaute bei Strom aus regenerativen Quellen den Strommangel zu lindern.

Wieder deutlich angestiegen sind die Strompreise. Der Übernachtkontrakt für deutschen Grundlaststrom verzeichnete einen Preissprung von 58,6% auf 444 Euro je Megawattstunde. Vor zwei Jahren lag der Kontakt meist bei ungefähr 40 Euro. Händler verwiesen auf einen Mangel an Solarenergie bei einer gleichzeitig zunehmenden Nachfrage. Zudem sei die Wiederinbetriebnahme einiger französischer Kernkraftwerke um einen Tag von Montag auf Dienstag verschoben worden. Gegenwärtig sind nur 43,5% der maroden französischen Kernenergiekapazitäten am Netz.

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