GfK-Konsumklima

Verbraucher fast in Weihnachts­stimmung

Die Verbraucher werden einer aktuellen GfK-Umfrage zufolge wieder zuversichtlicher. Die Erholung des Konsumklimas steht laut den Marktforschern jedoch auf wackligen Füßen.

Verbraucher fast in Weihnachts­stimmung

ba Frankfurt

Die deutschen Verbraucher goutieren die Entspannungssignale zum Jahresende und zeigen sich etwas zuversichtlicher. Sie rechnen zwar weiter mit einer Rezession, folgen aber der Einschätzung der Experten, dass diese milde ausfallen dürfte. Den Geldbeutel halten sie aus Sorge vor höheren Heizkostenrechnungen im Frühjahr aber weiter zu – obschon die Angst vor Arbeitslosigkeit derzeit gering ist und die ersten Tarifabschlüsse für 2023 darauf schließen lassen, dass der Kaufkraftverlust geringer ausfällt als befürchtet.

„Zum Ende des Jahres 2022 verbessert sich die Verbraucherstimmung in Deutschland noch einmal“, berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zu ihrer aktuellen Konsumklimastudie. Für Januar prognostizieren die Marktforscher ein Konsumklima von −37,8 Punkte. Das sind 2,3 Zähler mehr als im Dezember. Die anhaltende vorsichtige Erholung führt die GfK auf moderatere Energiepreise als erwartet sowie die Entlastungspakete der Bundesregierung zur Dämpfung der Energiekosten zurück. Zuvor hatten sich bereits der Einkaufsmanagerindex, die von ZEW und Sentix erhobenen Konjunkturerwartungen und das Ifo-Geschäftsklima verbessert.

„Mit dem dritten Anstieg in Folge arbeitet sich das Konsumklima langsam aus dem Tief“, kommentiert GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh: „Die Erholung des Konsumklimas, wie wir sie derzeit sehen, steht noch auf wackeligen Füßen“, mahnte Bürkl. Sollte sich zum Beispiel die geopolitische Lage wieder verschärfen und zu einer deutlichen Erhöhung der Energiepreise führen, „würde das Licht am Ende des Tunnels sehr schnell wieder dunkler werden oder sogar ganz erlöschen“. Das Konsumklima befinde sich weiterhin an einem Tiefpunkt. Der ausbleibende Konsum dürfte daher auch im Jahr 2023 eine Belastung für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland bleiben.

Ein ähnliches Bild zeichnet das von der EU-Kommission erhobene Verbrauchervertrauen. Der Indikator für den Euroraum legte um 1,7 auf −22,2 Punkte zu. Das Verbrauchervertrauen hat sich laut der Brüsseler Behörde weiter erholt und liege nun leicht über dem Tiefpunkt, der zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 markiert worden war – aber weiter unter seinem langfristigen Durchschnitt.

Sparen für die Heizkosten

Für Dezember melden die Nürnberger Marktforscher das kräftigste Plus bei den Einkommenserwartungen. Der Indikator kletterte zum dritten Mal in Folge, und zwar um 10,9 auf −43,4 Punkte. Die Anschaffungsneigung, die von Herbst 2021 bis Herbst 2022 einen dauerhaft fallenden Trend aufwies, „scheint sich nun zu stabilisieren“, heißt es zum Anstieg des Barometers um 2,3 auf −16,3 Punkte.

Die Kaufzurückhaltung bleibe aber groß, mahnten die Forscher. Die Verunsicherung durch die multiplen Krisen, wie Pandemie, Ukraine-Krieg und Inflation, sei nach wie vor hoch. „Vor allem die Erwartung deutlich höherer Heizkostenabrechnungen im Frühjahr 2023 veranlasst offenbar eine Reihe von Konsumenten dazu, Geld zurückzulegen“, hieß es weiter. Diese Mittel fehlten dem Konsum an anderer Stelle. Die Konjunkturerwartung würde sich „nur langsam aus dem Keller herausarbeiten“ – der Indikator kletterte zum zweiten Mal in Folge, und zwar um 7,6 auf −10,3 Punkte.

Milde Rezession erwartet

Verbraucher und Experten gehen mittlerweile einhellig davon aus, dass die anlaufende Winterrezession milder als zwischenzeitlich befürchtet ausfällt. In ihren jüngst vorgelegten Prognosen haben Wirtschaftsforschungsinstitute ihre zwischenzeitlich kräftig heruntergeschraubten Erwartungen wieder leicht erhöht. Gegenwärtig gehen die Wirtschaftsexperten davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2023 leicht schrumpfen wird (siehe Bericht auf dieser Seite). Am optimistischsten zeigt sich noch das IfW Kiel, das sogar ein Plus von 0,3% avisiert sowie das IW Halle, das von einer Stagnation ausgeht. Am unteren Ende der Voraussagen steht das HWWI, das mit −0,5% rechnet.

Eckwerte der Prognosen für Deutschland in %
IfWIW HalleIfoRWIHWWI
201820192020202120222023202420232024202320242023202420232024
BIP (preis-, nicht kalenderbereinigt)1,50,6-4,62,61,90,31,30,01,9-0,11,6-0,11,9-0,51.9
Arbeitslosenquote5,25,05,95,75,35,55,45,65,55,55,35,55,35,35,0
Inflationsrate1,81,40,53,17,85,42,26,53,56,42,85,82,56,52,7
Finanzierungssaldo des Staates*1,91,5-4,3-3,7-1,8-4,0-2,2-2,8-1,0-2,6-1,2-2,6-1,3-2,4-1,2
Leistungsbilanzsaldo*7,47,16,97,43,62,53,32,53,53,14,03,84,33,93,9
*in % des BIP
Stand: 20.12.2022
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