Verbraucherpreise

Deflation schwebt als Damoklesschwert über China

Die Angst vor einer Deflation in China bekommt neue Nahrung. Für die schwächelnde chinesische Konjunktur sind das keine guten Nachrichten. Das Wachstumsziel der Regierung in Peking gerät in Gefahr.

Deflation schwebt als Damoklesschwert über China

Damoklesschwert Deflation

Verbraucherpreise in China stagnieren – Außenhandel zeichnet gemischtes Bild – Sorgen um Konjunktur sind groß

mpi Frankfurt

Die Angst vor einer Deflation in China bekommt neue Nahrung. Die Verbraucherpreise stagnieren im September und die Erzeugerpreise sinken weiterhin. Für die schwächelnde chinesische Konjunktur sind das keine guten Nachrichten. Das Wachstumsziel der Regierung in Peking gerät in Gefahr.

Kaum ist sie aufgetaucht, ist sie auch schon wieder verschwunden: die Inflation in China. Nachdem die Verbraucherpreise im August zumindest hauchzart gestiegen sind, stagnierten die Preise im September wieder. Dies teilte das nationale Statistikamt in Peking am Freitag mit. Ökonomen hatten mit einer leichten Inflation gerechnet. Die Angst vor einer Deflation bekommt damit neue Nahrung.

„Der Deflationsdruck in China stellt immer noch ein echtes Risiko für die Wirtschaft dar“, sagte Zhiwei Zhang, Präsident und Chefökonom bei Pinpoint Asset Management. „Die Erholung der Inlandsnachfrage ist ohne einen deutlichen Schub durch fiskalische Unterstützung nicht stark.“

Die Nachfrage der Verbraucher – etwa bei Reisen – fiel auch während der Nationalfeiertagswoche Anfang Oktober schwächer aus als von der Regierung erhofft. Dies deutet darauf hin, dass die Inflations- und Konjunkturdaten auch in diesem Monat enttäuschend ausfallen könnten.

Erzeugerpreise verstärken Deflationsdruck

Die Entwicklung der Erzeugerpreise weist ebenfalls auf einen starken, wenn auch etwas abnehmenden Deflationsdruck hin. Die Produzentenpreise gaben im September im Jahresvergleich um 2,5% nach. Damit hat die Dynamik etwas an Tempo verloren, da der Rückgang im August sogar 3,0% betrug. Die Erzeugerpreise sind ein Indikator für die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise, da Unternehmen geänderte Produktionskosten tendenziell an ihre Kunden weitergeben.

Für die chinesische Wirtschaft ist eine mögliche Deflation ein Damoklesschwert. Die Erwartung sinkender Preise kann dazu führen, dass Unternehmen und Privatpersonen Investitionen in die Zukunft verschieben, da diese dann möglicherweise billiger sind. Dies wiederum verstärkt den Deflationsdruck und würgt die Konjunktur ab. In der Folge kann es dann wegen sinkender Gewinne der Unternehmen zu Lohnkürzungen und Entlassungen kommen, was wiederum den Konjunkturabschwung und damit den Deflationsdruck verstärkt – ein Teufelskreis. Unter anderem aus diesem Grund halten Ökonomen eine Deflation für noch problematischer als eine deutlich zu hohe Inflation.

Immobilienbranche in der Krise

Die chinesische Wirtschaft befindet sich ohnehin schon in einer Schwächephase, da der große Aufschwung nach dem Ende der restriktiven Coronapolitik bislang ausgeblieben ist. Vor allem der kriselnde Immobiliensektor bereitet Sorgen. Die Regierung in Peking hat für dieses Jahr ein Wachstumsziel von 5% beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgegeben – was für chinesische Verhältnisse recht bescheiden ist. Selbst dieses Ziel sehen Ökonomen inzwischen als gefährdet an. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat diese Woche seine Konjunkturprognose für China gesenkt. Statt von 5,2% gehen die Ökonomen nur noch von 5,0% aus. Für 2024 rechnen sie mit 4,2%. Bislang lag die Prognose bei 4,5%.

Regierung erwägt Konjunkturpaket

Nach Informationen von Bloomberg erwägt die chinesische Regierung, ihr Haushaltsdefizit für 2023 zu erhöhen, um mehr für die Infrastruktur auszugeben. Dies soll den Bausektor stabilisieren, die Konjunktur ankurbeln und die Börsen stützen. Viele chinesische Immobilienentwickler sind hoch verschuldet. Diese Woche teilte Country Garden, einer der größten Bauträger des Landes, mit, ausstehende Zahlungen nicht geleistet zu haben.

Leicht positive Signale gingen am Freitag von den Außenhandelsdaten aus. Zwar sanken die Importe und Exporte im September jeweils um 6,2% im Jahresvergleich. Im Vergleich zum Vormonat legte der Außenhandel jedoch um 3,8% zu. Den zweiten Monat in Folge nimmt damit das Tempo des Schrumpfkurses ab. Ökonomen werten dies als Zeichen einer allmählichen Stabilisierung. „Von einer Trendumkehr zu sprechen, wäre aber verfrüht, dafür müsste die chinesische Wirtschaft erst wieder anziehen“, urteilt die Deutsche Handelskammer (AHK) in Peking.

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