US-Geldpolitik

Fed vor deutlicher Kursverschärfung

Die US-Notenbank hat die Zinswende eingeleitet: Mindestens vier Zinserhöhungen in diesem Jahr und ein energisches Vorgehen beim Abbau ihrer Bilanz zeichnen sich ab.

Fed vor deutlicher Kursverschärfung

det Washington

Angesichts der kräftigen Erholung am Arbeitsmarkt und der weiter hohen Inflation hat US-Notenbankchef Jerome Powell Bereitschaft signalisiert, im weiteren Jahresverlauf den geldpolitischen Kurs deutlich zu verschärfen. Nach der ersten diesjährigen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) be­kräftigte Powell, dass das erst vor wenigen Monaten begonnene Ab­schmelzen der Anleihekäufe (Tapering) Anfang März abgeschlossen sein wird. Auch stellte Powell für das laufende Jahr mehrere Zinserhöhungen in Aussicht. Zudem kündigte der Fed-Chef an, dass der avisierte Abbau der auf fast 9 Bill. Dollar angewachsenen Bilanz „signifikant“ sein werde und schneller erfolgen könne als im Oktober 2017.

Der Zinsentscheid am Mittwoch galt als richtungsweisend. Trotz der Signale einer Kursverschärfung wollte Powell wegen der hohen Unsicherheit, mit der die konjunkturelle Entwicklung behaftet ist, keine konkreten Angaben zu einem Zeitplan für Zinserhöhungen oder den Umfang des Bilanzabbaus machen. Analysten deuteten seine Aussagen als Zeichen dafür, dass die Fed im März an der Zinsschraube drehen wird und danach bei jeder zweiten Sitzung den Tagesgeldsatz anheben wird.

In diesem Fall wird die Fed insgesamt viermal, nämlich im März, Juni, September und Dezember, den Leitzins anheben. Noch im Dezember hatte die Dot-Plot-Grafik des FOMC darauf hingedeutet, dass dieses Jahr drei Zinserhöhungen anstehen. Zwischenzeitlich haben die beschleunigte Konjunkturerholung und die auf mehr als 7% gestiegene Inflation offenkundig die Bereitschaft erhöht, die Zügel noch stärker zu straffen.

Wer bietet mehr?

Diese zunehmend falkenhafte Haltung fand auch in der Pressekonferenz nach der FOMC-Sitzung ihren Niederschlag. So hob der oberste Währungshüter wiederholt den starken Zustand des Arbeitsmarkts hervor. Folglich gebe es im Kampf gegen die hohe Inflation „ziemlich viel Raum, um die Zinsen zu erhöhen, ohne dass dies negative Folgen für den Arbeitsmarkt hätte“, sagte Powell. Einige Analysten meinen daher, dass die Fed den Leitzins mindestens fünfmal hochschrauben könnte.

Darauf angesprochen, ob sämtliche der verbleibenden FOMC-Sitzungen zu einer Zinserhöhung führen könnten, sagte Powell, dass dafür potenziell jede Sitzung infrage komme. Das liefe sogar auf sieben Zinserhöhungen hinaus. Folglich wollen einige Ökonomen diese Möglichkeit nicht ausschließen. Wie Diane Swonk, Chefökonomin bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Grant Thornton, sagte, „ist in Bezug auf die Inflation der Schwenk von einer geduldigen zu einer regelrecht panischen Haltung nun vollzogen“. Noch deutlicher wurde der ehemalige Fed-Gouverneur Robert Heller. Er sagte, dass angesichts der hohen Inflation die Federal Funds Rate „heute schon bei mindestens 2% liegen müsste. Notwendig sind weniger Worte und mehr Taten“.

Weniger transparent als zur Zinspolitik waren Powells Aussagen zum Abbau der Notenbankbilanz, die seit dem Ausbruch der Pandemie auf fast 8,9 Bill. Dollar gestiegen ist. Der Fed-Chef stellte lediglich fest, dass diese nicht zeitgleich mit der ersten Zinserhöhung, sondern erst danach beginnen und „signifikant“ sein werde. Auch veröffentlichte er einen Prinzipienkatalog, der als Leitfaden für die Bilanzreduktion dienen werde. Darin wird betont, dass Anpassungen des Zielkorridors für den Leitzins das primäre geldpolitische Instrument der Fed bleiben. Auch werde der Bilanzabbau im Dienste der Vollbeschäftigung und Preisstabilität stehen. Er könne jederzeit an Änderungen in der Wirtschaftslage angepasst werden. Zudem will die Fed laut Powell längerfristig ihre hypothekenbesicherten Wertpapiere abstoßen, um nur noch Staatsanleihen im Portfolio zu haben.