Preisentwicklung

Hohe Unsicherheit bei Inflationsentwicklung

Während die Unternehmen in Deutschland optimistischer auf die Inflationsentwicklung blicken, haben die Verbraucher der Eurozone ihre Erwartungen nach oben korrigiert. EZB-Chefvolkwirt Philip Lane hat eine Botschaft an sie.

Hohe Unsicherheit bei Inflationsentwicklung

Hohe Unsicherheit bei Inflationsentwicklung

Deutsche Unternehmen optimistischer – Euro-Verbraucher pessimistischer – Erzeugerpreise im Währungsraum sinken

mpi Frankfurt

Von den am Dienstag veröffentlichten Daten zur mittelfristigen Entwicklung der Inflation geht kein einheitliches Signal an den EZB-Rat aus. Während die Verbraucher in der Eurozone wieder von höheren Inflationsraten ausgehen, sind die Preiserwartungen der deutschen Unternehmen gesunken. Die Euro-Erzeugerpreise deuten ebenfalls einen abnehmenden Inflationsdruck an.

Die Hersteller verlangten im Juli gegenüber dem Vormonat 0,5% weniger für ihre Produkte. Dies gab Eurostat am Dienstag bekannt. Gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt der Rückgang sogar 7,6%. Die Erzeugerpreise gelten als Indikator für die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise, da Unternehmen veränderte Produktionskosten häufig an ihre Kunden weitergeben.

„Zäher Rückgang der Inflation“

Wie aus einer Befragung des Ifo-Instituts unter Unternehmen in Deutschland hervorgeht, sind die Inflationserwartungen der Firmen für die kommenden Monate etwas gesunken. „Der Rückgang der Inflation wird sich aber zäh hinziehen“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Handel mit Lebensmitteln sind die Preiserwartungen nur leicht gesunken. In der Industrie hingegen deutlich. Allerdings gibt es hier starke Unterschiede zwischen den Branchen. In der Automobilindustrie planen noch deutlich mehr Unternehmen Preiserhöhungen als Preissenkungen. Die Differenz beträgt 21,6 Punkte. Dagegen dürften die Preise der Papierhersteller fallen. Das Barometer beträgt hier −48,1 Punkte. In der Industrie insgesamt sank der Saldo saisonbereinigt von 4,0 auf 3,7 Punkte. „Der Preisanstieg in der Industrie ist wohl fast gestoppt“, sagte Wollmershäuser.

Die Verbraucher in der Eurozone gehen mittelfristig dennoch wieder von etwas höheren Preisen aus als zuvor. Bei einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) gaben sie im Median an, dass die Inflation in drei Jahren bei 2,4% liegen wird. Im Juni hatten sie noch mit 2,3% gerechnet. Sollte dies so eintreten, würde die EZB ihr Inflationsziel von 2% auch in drei Jahren noch verfehlen. Die Inflationserwartungen der Verbraucher auf Sicht von zwölf Monaten haben sich nicht verändert und bleiben bei 3,4%.

Kernrate dürfte sinken

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane äußerte sich derweil optimistisch, dass der Preisdruck in der Eurozone sinken werde. „Wir erwarten, dass die Kerninflation im Laufe des Herbstes zurückgeht“, sagte er dem irischen Magazin „The Currency“. Die Kerninflation, bei der die Energie- und Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt sind, gilt als guter Gradmesser für die mittelfristige Preisentwicklung. „Es ist wichtig, dass jeder versteht, dass die aktuelle Inflationsepisode zeitlich begrenzt und vorübergehend ist und die Verbraucher daher ihr längerfristiges Verhalten nicht ändern sollten“, führte Lane aus.

Die EZB entscheidet am Donnerstag kommender Woche darüber, ob sie die Leitzinsen im Kampf gegen die hohe Inflation, die zuletzt bei 5,3% lag, ein weiteres Mal erhöht oder eine Zinspause einlegt. Der Ausgang gilt als völlig offen, auch wenn die Finanzmarktteilnehmer mehrheitlich keine Zinserhöhung erwarten.

Wertberichtigt Seite 2