Geldpolitik

Inflationserwartungen der Verbraucher ziehen weiter an

Die Teuerung im Euroraum geht zurück, die Inflationserwartungen der Verbraucher jedoch nicht. Die Europäische Zentralbank sieht sich dennoch auf einem guten Weg, ihr Inflationsziel bis 2025 zu erreichen.

Inflationserwartungen der Verbraucher ziehen weiter an

Verbraucher pessimistischer bei Inflation

Inflationserwartungen für Euroraum steigen – Debatte um Lebensmittelpreise nimmt Fahrt auf

Die Teuerung im Euroraum geht zurück, die Inflationserwartungen der Verbraucher jedoch nicht. Die Europäische Zentralbank sieht sich dennoch auf einem guten Weg, ihr Inflationsziel bis 2025 zu erreichen. Deutsche Verbraucherschützer fordern derweil mehr Transparenz bei der Preisbildung im Lebensmittelsektor.

mpi Frankfurt

Obwohl die Inflation im Euroraum in diesem Jahr bis auf April in jedem Monat nachgelassen hat, haben die Verbraucher ihre Inflationserwartungen wieder nach oben geschraubt. Sie rechneten im August im Median mit einer Inflationsrate von 3,5% auf Sicht von zwölf Monaten. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor. Bei der Befragung einen Monat zuvor waren es nur 3,4%. Deutlicher ist die Anhebung bei den Durchschnittswerten. Hier klettern die Inflationserwartungen von 4,9% auf 5,3%.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Erwartungen auf Sicht von drei Jahren ab. Die Verbraucher rechnen im Median nun mit einer Teuerung von 2,5% und im Durchschnitt von 4,2% für August 2026. Beide Werte liegen deutlich oberhalb des Inflationsziels der EZB von 2%.

Die Inflationserwartungen der Verbraucher können sich auf die tatsächliche Entwicklung der Teuerung und damit auch auf die Geldpolitik auswirken. Dies liegt daran, dass die vermutete Preisentwicklung einen Effekt auf die Investitionsentscheidungen von Privatpersonen und Unternehmen haben kann.

„Steiniger Weg vor uns“

Die Inflationserwartungen spielen auch für die Glaubwürdigkeit einer Notenbank, ihr Inflationsziel zu erreichen, eine wichtige Rolle. Insofern ist es für die EZB keine gute Nachricht, dass die Preisprognosen der Verbraucher steigen – wenn auch nur leicht.

EZB-Ratsmitglied Klaas Knot sieht für die Notenbank dennoch eine „glaubwürdige Perspektive“ das Inflationsziel von 2% bis 2025 zu erreichen. Gleichzeitig warnte er am Mittwoch auf einer Konferenz jedoch, dass der Kampf gegen die zu hohe Inflation im Euroraum noch längst nicht gewonnen sei. „Wir haben noch einen langen und steinigen Weg vor uns.“ Sollte sich die Inflation als noch hartnäckiger als gedacht erweisen, müsse die EZB die Zinsen weiter anheben. Er gilt als Verfechter einer eher restriktiven Geldpolitik („Falke“).

Debatte um Zinserhöhung

Nach zehn Zinserhöhungen in Folge um insgesamt 450 Basispunkte – der straffste Zinserhöhungszyklus in der Geschichte der EZB – werden innerhalb und außerhalb der Notenbank die Stimmen lauter, keine weiteren Erhöhungen zu beschließen. Ökonomen und Analysten rechnen mehrheitlich damit, dass das Zinsplateau erreicht sein dürfte. Die Falken im EZB-Rat wie Knot oder Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonen jedoch die Hartnäckigkeit der Inflation. So könnten etwa neue Preisschocks oder stark steigende Löhne dazu führen, dass eine weitere Zinserhöhung auf einer der kommenden Sitzungen nötig wird.

Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau, der als Vertreter einer eher lockeren Geldpolitik gilt („Taube“), sieht derzeit keine Notwendigkeit für eine erneute Zinserhöhung. Er beobachte weiter einen klaren Abwärtstrend bei der Inflation. Daran ändere auch der Hamas-Angriff auf Israel nichts. „Wir prognostizieren, dass sich die Inflation bis 2025 auf 2% belaufen wird – heute sehen wir keinen Grund, diese Entwicklung zu ändern“, sagte Villeroy bereits am Dienstag gegenüber France Info Radio. „Der Punkt, bei dem man am wachsamsten sein muss, ist eine Ausweitung des Konflikts.“

Deutsche Inflation geht zurück

Im September hat die deutsche Inflation derweil stark nachgelassen. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Mittwoch seine erste Schätzung, wonach sich die Teuerung nach europäischer Berechnungsmethode HVPI von 6,4% im August auf 4,3% abgeschwächt hat. „Die Inflationsrate ist auf den niedrigsten Wert seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine gefallen. Sie bleibt aber dennoch hoch“, sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts, und ergänzte: „Die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel sind für die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin besonders deutlich spürbar.“

Diese haben nun Verbraucherschützer verstärkt ins Visier genommen. Sie erachten die Preisbildung bei Lebensmitteln als zu intransparent. Die Bundesregierung müsse handeln und einen „Preisgipfel“ mit allen wichtigen Akteuren einberufen, forderte Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Ähnliche staatliche Eingriffe in den Markt hat es in anderen Ländern wie Frankreich bereits gegeben.

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