UN-Weltklimagipfel

Staaten wollen Methan-Ausstoß senken

Die USA und die EU präsentieren eine Initiative zur Reduktion der Methan-Emissionen. Mehr als 80 Staaten machen mit – die größten Sünder sucht man jedoch vergeblich. Und auch sonst macht der Gipfel nur kleine Fortschritte.

Staaten wollen Methan-Ausstoß senken

ast Frankfurt

Auf Initiative der USA und der EU haben sich auf der Weltklimakonferenz in Glasgow mehr als 80 Staaten darauf geeinigt, die Methan-Emissionen zu reduzieren. Bis 2030 wollen sie ihren Methan-Ausstoß um mindestens 30% gegenüber 2020 senken. „Den Ausstoß von Methan zu reduzieren ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag. Sie stellte den Pakt mit US-Präsident Joe Biden vor. Es sei „die am tiefsten hängende Frucht“, so die Kommissionspräsidentin.

Methan (CH4) gilt in der Wissenschaft als etwa 25-mal so schädlich wie CO2. Zwar wird es in der Atmosphäre schneller abgebaut, doch kann es deutlich mehr Wärme speichern als CO2 und trägt daher einen erheblichen Teil zur Erderwärmung bei. Die Moleküle, die zum Abbau von Methan notwendig sind, nämlich Hydroxyl-Radikale (OH), werden inzwischen jedoch messbar weniger. Dadurch wiederum verlängert sich der Abbauprozess des Methans.

Methan entsteht, wenn Pflanzen unter Ausschluss von Sauerstoff abgebaut werden: in Mooren, im Magen eines Wiederkäuers oder im Reisanbau. Für zwei Drittel der Methan-Emissionen ist der Mensch verantwortlich – zum Beispiel in der Lebensmittelproduktion. Auch bei der Verbrennung von Erdgas wird viel Methan freigesetzt. Ist die nun ins Leben gerufene Initiative erfolgreich, könnte die Lufttemperatur bis 2050 um rund 0,2 Grad gesenkt werden. Mit dabei sind neben Deutschland unter anderem auch Frankreich, Kanada, Israel und Japan. China, Russland und Indien, die zu den Top 5 der weltweit größten Emittenten von Methan (siehe Grafik) gehören, stehen jedoch nicht auf der Liste. Dennoch sprach Biden am Dienstag von einem „wegweisenden Engagement“. In den USA will das Innenministerium ein „aggressives Programm“ starten, um verlassene Öl- und Gasbohrlöcher zu versiegeln. Vorschriften für Betreiber von Pipelines würden verschärft, um gegen Methan-Lecks vorzugehen.

Wenig Konkretes

Bislang macht die Konferenz in Glasgow noch wenig Fortschritte – die eigentlichen Verhandlungen stehen aber auch erst ab Mittwoch auf dem Plan. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth drang am Dienstag auf eine Lösung in der Frage der internationalen Kooperation. Diese ist in Artikel 6 des Abkommens angedacht und bislang nicht rechtssicher ausformuliert. Gelänge hier eine Einigung, wäre der Grundstein für einen internationalen CO2-Zertifikate-Handel gelegt.

Zuvor hatte Flasbarth bereits kritisiert, dass sich etwa China nicht auf Reduktionsziele bis 2030 festlegen lasse. Das Land plant die Klimaneutralität bis 2060, lässt sich aber nicht auf Zwischenziele ein. Klimaneutralität bedeutet, dass die Länder nicht mehr CO2 emittieren, als die Umwelt aufnehmen kann. Indien verkündete, das Ziel bis 2070 erreichen zu wollen. Flasbarth geht das nicht schnell genug: „Wir müssen dringend bei den Zielen für 2030 besser werden“, sagte er.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.