KommentarGeldpolitik

Riskantes Manöver der BoE

Die Bank of England fährt einen ähnlichen geldpolitischen Kurs wie die Fed. Das ist riskant, denn die Umstände unterscheiden sich deutlich.

Riskantes Manöver der BoE

Bank of England

Riskantes
Manöver

Von Martin Pirkl

Im Gleichschritt haben Fed und Bank of England ihre jeweiligen Zinspausen verlängert. Gleichzeitig betonen sie, dass offen sei, ob eine Zinserhöhung Mitte Dezember nötig sein wird. Vieles spricht jedoch dafür, dass die beiden Notenbanken derzeit nicht planen, die Zinsen noch mal zu erhöhen. Dabei ist soviel Gleichschritt gar nicht geboten, denn die Lage in den USA ist eine andere als in Großbritannien.

Fed-Chef Jerome Powell betonte auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid, dass es voraussichtlich ein schwächeres Wirtschaftswachstum in den USA brauche, um mittelfristig das Inflationsziel von 2% zu erreichen. Die jüngsten Konjunkturdaten jenseits des Atlantiks signalisieren, dass sich Letzteres auch ohne weitere Zinserhöhung kurz vor Weihnachten anbahnt.

US-Industrie pessimistischer 

Der Einkaufsmanagerindex ISM fiel diese Woche äußerst schlecht aus. Die Stimmung der US-Industrie hat sich überraschend deutlich eingetrübt. Auch andere Konjunkturindikatoren lassen ein langsameres Wirtschaftswachstum in den USA vermuten.

Der zweite für die Fed wesentliche Faktor bei der Steuerung der Geldpolitik läuft ebenfalls in die von den Notenbankern gewünschte Richtung. Die Lohnzuwächse nehmen ab. Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale in den USA ist eher gering, auch wenn einige Tarifabschlüsse wie beim Autobauer Ford zuletzt hoch ausfielen.

Preisstabilität weit entfernt

In Großbritannien sieht es auch danach aus, dass die Notenbank derzeit mit keiner weiteren Zinserhöhung im laufenden Zyklus rechnet. Dies umzusetzen, wäre riskant, denn die Lage in Großbritannien ist mit den USA nicht vergleichbar.

Während die Teuerung in den USA gemessen am bevorzugten Inflationsmaß der Fed im September bei 3,4% lag, ist die BoE noch viel weiter von der Preisstabilität entfernt. So vermeldeten die Statistiker für Großbritannien eine Teuerung von 6,7%.

Realzins in Großbritannien negativ

Selbst bei einem von der BoE prognostizierten Rückgang der Inflation auf rund 4,75% bis zum Dezember läge die Preisstabilität in Großbritannien zum Jahreswechsel wohl in größerer Entfernung als in den USA oder dem Euroraum. Die BoE scheint die Teuerung wie die Fed mit einem lange konstanten Zinsniveau senken zu wollen. Ob das auf diesem Weg gelingen kann, ist jedoch fraglich. Denn der Realzins in Großbritannien ist weiter negativ.

Die Inflation in Großbritannien könnte daher langsamer sinken als erwartet, auch wenn die britische Wirtschaft derzeit
deutlich schwächelt. Eine Zinserhöhung der BoE im Dezember ist deshalb alles andere als vom Tisch.

Die Bank of England fährt einen ähnlichen Kurs wie die Fed. Das ist riskant, denn die Umstände unterscheiden sich deutlich.

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