Lkw-Industrie

Ungleichgewicht

Die Nachfrage nach Lastwagen ist viel höher als das Angebot. Für die Hersteller der Fahrzeuge ist das ein Glücksfall – gerade jetzt angesichts stark steigender Kosten.

Ungleichgewicht

Selten waren Fahrzeuge so begehrt. Sehr stark ist die Nachfrage nicht nur nach Pkw, sondern auch nach Lkw. Und beide so unterschiedliche Kategorien eint der Mangel an Halbleitern: Ohne die ausreichende Menge von Chips verknappt sich das Angebot. Dieses Missverhältnis der beiden Seiten des Marktes kommt den Herstellern zugute: Mit höheren Preisen lassen sich Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen. Das ist ein Grundsatz des Marktmechanismus.

Für die Produzenten von Pkw und Lkw ist diese Entwicklung angesichts der sprunghaften Verteuerung von Rohstoffen, Material, Energie und Transportkosten ein Glücksfall. Denn dank des Ungleichgewichts lassen sich höhere Preise ziemlich leicht durchsetzen. Daimler Truck ist dies in den ersten drei Monaten des Jahres gut gelungen, in Nordamerika begann die Runde schon einige Wochen vorher. Im Juli soll in Europa die Fortsetzung folgen. Insgesamt steigen die Preise für Lkw in den beiden wichtigen Marktregionen innerhalb weniger Monate somit um mehr als 10%.

Für uns Verbraucher ist das eine schlechte Nachricht, denn sie passt zur Inflationstendenz, die vieles von Lebensmitteln bis zu Heizkosten erfasst. Spediteure wollen nicht die Letzten sein, die die Hunde beißen: Auch sie wälzen die höheren Kosten um. Damit landen diese letztlich bei den Konsumenten.

Mit höheren Verkaufspreisen will Daimler Truck die Belastung auf der Kostenseite möglichst komplett wettmachen. Gleichzeitig beteuert der Vorstand, weiter an den Kosten zu arbeiten, die das Unternehmen beeinflussen kann. Mit Disziplin wird mehr Effizienz angestrebt.

In dem Verkäufermarkt ist Daimler Truck in Europa und den USA für dieses Jahr längst ausverkauft. Der schwedische Konkurrent Volvo kann es sich leisten, nur selektiv neue Aufträge anzunehmen. Beide haben im ersten Quartal gut abgeschnitten. Für Traton fiel der Jahresauftakt weniger gut aus, was vor allem daran lag, dass die deutsche Marke MAN, die in ihrer Restrukturierung langsam Land sieht, von Schwierigkeiten in der Lieferkette besonders gebeutelt ist. MAN bezieht Kabelbäume aus der Ukraine, wo die Produktion zeitweise ausgefallen war und nun auf einem niedrigeren Niveau läuft.

Daimler Truck hat das Glück, diese Komponenten aus anderen Ländern zu beziehen. Und der Verlust des Absatzmarktes Russland trifft das Unternehmen kaum. Lkw, die dort nicht mehr verkauft werden können, finden umgehend andere Absatzmärkte. Das ist derzeit ein Kinderspiel.

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