Energiebranche

Acciona testet Appetit der Anleger für Ökostrom

In Madrid feiert man am Donnerstag den größten Börsengang seit 2015. Doch im Vorfeld musste der Mischkonzern Acciona die Bewertung seiner Tochter für Ökostrom kräftig heruntersetzen.

Acciona testet Appetit der Anleger für Ökostrom

ths Madrid

Der Börsengang von Acciona Energía, der Tochter für Ökostrom des spanischen Mischkonzerns Acciona, am heutigen Donnerstag gilt in vieler Hinsicht als richtungsweisend. Mit einer Bewertung von 8,8 Mrd. Euro – wie das Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch bekannt gab – ist es das größte IPO in Madrid seit dem Debüt des halbstaatlichen Flughafenunternehmens Aena und des Mobilfunkturmbetreibers Cellnex 2015. Seit Jahresbeginn haben sich mit dem Direktversicherer Línea Directa und dem Ökostromproduzenten Ecoener nur zwei Firmen aufs Madrider Parkett gewagt.

Während der Kurs von Ecoener seit dem IPO auf Talfahrt ist, verzichteten zwei weitere Unternehmen für erneuerbare Energien auf den geplanten Börsengang. Daher ist das IPO von Acciona Energía ein Gradmesser für den Appetit der Investoren auf grünen Strom. Andere aus der Branche wie Siemens Gamesa oder Solaria haben zuletzt starke Kurseinbrüche erlebt.

Die Konzernmutter Acciona hatte im Vorfeld die Erwartungen heruntergeschraubt. Im Februar waren Analysten noch von einer Bewertung der Umweltstromtochter von 12 Mrd. Euro ausgegangen. Letztlich entschied man sich für einen Ausgabepreis von 26,73 Euro pro Aktie, am unteren Ende der Spanne. Mit 8,8 Mrd. Euro hat das Unternehmen jedoch einen höheren Börsenwert als die Konzernmutter mit knapp 7 Mrd. Euro. Statt wie ursprünglich anvisiert 25% wird sich Acciona von nur 15% der Anteile trennen, zuzüglich des Greenshoe von 2,25%. Damit werden 1,5 Mrd. Euro in die Kasse gespült. Das Angebot war 2,4-fach überzeichnet und ausschließlich an institutionelle Investoren, „die einen langfristigen Geschäftsplan und die Vision teilen“ gerichtet, hieß es. Acciona-Chef José Manuel Entrecanales räumte auf der Hauptversammlung des Ibex-35-Konzerns am Mittwoch ein, dass der Ausgabepreis „nicht optimal“ sei. Er machte dafür die „Übersättigung an IPOs, Inflationstendenzen und – einmal mehr – die regulatorische Unsicherheit auf dem spanischen Markt“ verantwortlich.

Acciona ist ein traditionsreiches Unternehmen für den Bau von Infrastruktur im Verkehrs- und Energiebereich. Der Konzern betreibt unter anderem Mautstraßen und Wasserversorgungswerke. Die Tochter für erneuerbare Energien erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 2 Mrd. Euro, weniger als 2019 aufgrund der Pandemie. Das Betriebsergebnis (Ebitda) lag bei 859 Mill. Euro und der Reingewinn betrug 199 Mill. Euro. Acciona Energía hat Erzeugungskapazitäten von 11 Gigawatt (GW) in 16 Ländern und plant, diese bis 2025 auf 20 GW auszubauen. Dafür sollen die Märkte angezapft werden. Acciona hat die Tochter vor dem IPO entschuldet.

Analysten sehen ein gutes Potenzial für den Kurs, da Acciona Energía im Gegensatz zu den meisten, recht jungen Mitbewerbern auf 30 Jahre Erfahrung und solide Ergebnisse zurückblicken kann. Außerdem befinden sich 90% der Anlagen in Industrieländern, wo die Energiewende gerade stark gefördert wird. Sollte das IPO glücken, steht mit dem spanischen Erdölkonzern Repsol schon der nächste Konzern bereit, der seine Ökostromaktivitäten an die Börse bringen möchte.

Wertberichtigt Seite 6