Luft- und Raumfahrtindustrie

Airbus setzt zum Jahresendspurt an

Warum der neue Airbus-Finanzchef Thomas Toepfer den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern trotz der angespannten Zuliefererkette auf gutem Wege sieht, die selbstgestecken Ziele in diesem Jahr zu erreichen.

Airbus setzt zum Jahresendspurt an

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Airbus setzt zum Jahresendspurt an

wü Paris
Gesche Wüpper, Paris

Der neue Finanzchef von Airbus sieht den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern auf gutem Wege, seine Jahresziele trotz der angespannten Zuliefererkette einhalten zu können. "Operativ sind wir trotz aller Herausforderungen mit der Zuliefererkette und den Triebwerksherstellern auf gutem Wege, das zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben", sagte Thomas Toepfer der Börsen-Zeitung. "Deshalb haben wir auch unsere Prognose unverändert gelassen."

So peilt Airbus für das Gesamtjahr nach wie vor ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) von 6 Mrd. Euro, einen operativen Mittelzufluss von 3 Mrd. Euro sowie die Auslieferung von 720 Passagierflugzeugen an. Allerdings lag der operative Mittelzufluss in den ersten neun Monaten des Jahres mit 1,04 Mrd. Euro wegen des Aufbaus von Lagerbeständen im Sommer noch deutlich unter dem Vorjahreszeitraum, als er 2,9 Mrd. Euro betrug. Das bereinigte operative Ergebnis legte 4% auf 3,63 Mrd. Euro zu. Gleichzeitig lieferte die Flugzeugbausparte 488 Jets an Kunden, 51 mehr als ein Jahr zuvor.

"Im Oktober haben wir mit 71 Auslieferungen im Vergleich zum September noch mal eine Steigerung vorgenommen", erklärt Toepfer, der seinen offiziellen Sitz in Hamburg und nicht in Toulouse hat. Die Situation an den Endfertigungslinien und alle anderen operativen Indikatoren stimmen ihn optimistisch, dass der Jahresendspurt mit 161 Auslieferungen im November und Dezember zu schaffen ist. Letztes Jahr hatte Airbus das Auslieferungsziel verfehlt, obwohl es zwei mal gesenkt worden war.

Enge Abstimmung mit Triebwerksherstellern

Triebwerkshersteller Safran, der mit General Electric (GE) zusammen das Gemeinschaftsunternehmen CFM International betreibt, hat kürzlich die Auslieferungsziele für die Leap-Triebwerke gesenkt, mit denen mehr als die Hälfte der A320-Mittelstreckenjets ausgestattet werden. "Die Situation der Triebwerkshersteller ist berücksichtigt", sagt Toepfer. "Für 2023 sehe ich da kein Risiko." Es sei jedoch klar, dass Airbus die Auslieferungen im kommenden Jahr weiter steigern wolle. "Deshalb müssen wir da eng mit den Triebwerksherstellern zusammenarbeiten." Die Prognose für 2024 wird Airbus Anfang kommenden Jahres bekanntgeben.

In den ersten neun Monaten hat Airbus 1.241 Netto-Bestellungen einfliegen können, fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Während das Geschäft mit Passagierflugzeugen davon profitiert, dass viele Airlines nach der Covid-Pandemie mit Hilfe sparsamerer Jets ihre Flotten erneuern, rutschte die Rüstungs- und Raumfahrtsparte jedoch im dritten Quartal in die roten Zahlen. Schuld sind gestiegene Kosten für die Entwicklung von bestimmten Satellitenprogrammen, die das Ergebnis mit rund 300 Mill. Euro belasteten.

"Diese Programme laufen über mehrere Jahre", erklärt der Airbus-Finanzchef. "Wir haben eine aktualisierte Einschätzung der Zukunft der Programme erstellt, was Kostenentwicklung und Zeitleisten angeht. Damit haben wir zum ersten Halbjahr begonnen. Die Programme sind mit gewissen Risiken verbunden."

Restrukturierung der Rüstungs- und Raumfahrtssparte

Wegen den gestiegenen Kosten für einige der Satellitenprogramme wies die Rüstungs- und Raumfahrsparte im dritten Quartal einen operativen Verlust (Ebit) von 90 Mill. Euro aus, so dass sich das operative Ergebnis des Gesamtkonzerns von 973 Mill. Euro auf 825 Mill. Euro verringerte. Unter dem Strich verdiente er mit 806 Millionen Euro jedoch 21% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Unzufrieden mit der Situation der Rüstungs- und Raumfahrtsparte Airbus Defence and Space will Konzernchef Guillaume Faury sie nun restrukturieren. Ziel sei, Anfang 2024 eine vereinfachte Organisationsstruktur mit drei voll ermächtigten und rechenschaftspflichtigen Geschäftsbereichen einzuführen, erklärte Faury gegenüber Analysten. Dafür sollen die Bereiche Military Air Systems und die FCAS-Aktivitäten im Bereich Air Power kombiniert werden. Die zwei anderen Bereiche sind Space Systems und Connected Intelligence.

"Diese Transformation wird nicht von heute auf morgen durchgeführt", sagt Airbus-Finanzchef Toepfer. "Wir hoffen, dass wir bei den Gesprächen mit den Sozialpartnern schnell vorankommen werden, um 2024 damit beginnen zu können, die neuen Strukturen einzuführen."

Die Flugzeugbausparte wiederum will wegen der steigenden Nachfrage nach Langstreckenflugzeugen ab 2026 zehn A350-Jets pro Monat produzieren und damit zum Vorkrise-Niveau zurückkehren. Bisher hatte sie geplant, die A350-Produktion bis Ende 2025 auf neun Exemplare pro Monat zu steigern. Die Produktion des erfolgreichen Mittelstreckenjets soll bis 2026 auf 75 Exemplare pro Monat steigen.

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