Studie

Chinas Shoppingwahn in Europa ist beendet

Chinesische Investoren halten sich in Europa zunehmend zurück. Auch die Art der Investitionen hat sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich verändert.

Chinas Shoppingwahn in Europa ist beendet

kro Frankfurt

Die Zeiten, in denen sich chinesische Investoren massenhaft auf Einkaufstour in Europa begeben haben, scheinen vorerst vorbei. Waren im Jahr 2016 noch gut 47 Mrd. Euro an chinesischen Direktinvestitionen nach Europa geflossen, belief sich der Wert im vergangenen Jahr nur noch auf 10,6 Mrd. Euro, wie aus einer Studie des US-Forschungsinstituts Rhodium und des China-Instituts Merics hervorgeht. Im Vergleich zu 2020 bedeutet das zwar einen Anstieg von mehr als einem Drittel. Klammert man das erste Coronajahr jedoch aus, ändert sich nichts am nun schon einige Jahre dauernden rückläufigen Trend.

„Verglichen mit den Spitzenzeiten um 2016 haben sich die chinesischen Investitionen auf niedrigem Niveau eingependelt“, beschreibt Merics-Chefvolkswirt Max Zenglein die Entwicklung. Der leichte Anstieg gegenüber 2020 zeige aber zumindest, dass Europa nach wie vor ein interessanter Investitionsstandort für China ist. Denn in der weltweiten Betrachtung haben sich die chinesischen Übernahmeaktivitäten auch im Vergleich zu 2020 verringert.

Auf dem Alten Kontinent war es im vergangenen Jahr vor allem der 3,7 Mrd. Euro schwere Verkauf der Haushaltsgeräte-Sparte von Philips an den Investmentfonds Hillhouse Capital, der die Niederlande zum beliebtesten Ziel chinesischer Investoren gemacht hat. Daneben war die Volksrepublik aber auch wieder in Deutschland, Großbritannien und Frankreich besonders aktiv. Hierzulande verringerte sich das chinesische Investitionsvolumen allerdings von 2 auf 1,5 Mrd. Euro − das war der niedrigste Wert seit 2015.

„Die Art der chinesischen Investitionen in Europa hat sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich verändert“, resümiert Agatha Kratz, Direktorin bei der Rhodium Group. Während Fusionen und Übernahmen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zuletzt an Bedeutung verloren hätten, würden chinesische Firmen stattdessen verstärkt eigene Fabriken auf dem Kontinent errichten, vor allem in Bereichen, in denen sie für sich Wettbewerbsvorteile vermuten. Dazu gehört unter anderem der Markt für Elektroautobatterien. Solche Greenfield-Investitionen summierten sich 2021 in Europa auf einen Rekordwert von 3,3 Mrd. Euro.

Gleichzeitig treten chinesische Investoren zunehmend auch als Kapitalgeber für europäische Start-ups auf. 2021 steckten sie mit 1,2 Mrd. Euro doppelt so viel Risikokapital in Jungunternehmen wie noch im Jahr 2020. Der Fokus lag hier vor allem auf deutschen und britischen Start-ups aus den Bereichen E-Commerce, Fintech, Gaming, künstliche Intelligenz und Robotics. Zwingend beunruhigend sei das zwar nicht, da solche Investitionen belebend auf Europas Wirtschaft wirken können, sagte Kratz. „Aber sie müssen von der europäischen Politik genau beobachtet werden, da sich die Risiken der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China gerade verschieben.“

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