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Wie Suse den Abwärtstrend stoppen will

Nach Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal fiel der Suse-Kurs am Donnerstag zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem IPO. Um den Abwärtstrend zu stoppen, will das Unternehmen unter anderem den Vertrieb stärken.

Wie Suse den Abwärtstrend stoppen will

sar Frankfurt

Zum Ausgabepreis von 30 Euro gab Suse im Mai 2021 sein Börsendebüt, seitdem hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert. Am Donnerstag rutschte er nach Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2022, das bei den Nürnbergern am 31. Juli endet, zeitweise unter 13 Euro. Erst am späten Nachmittag setzte eine leichte Erholung ein.

Der Grund für die heftige Reaktion: Der Open-Source-Spezialist hat den Ausblick für die Auftragsentwicklung gesenkt. Im Core-Segment erwartet Suse nur noch ein währungsbereinigtes Wachstum des jährlichen Vertragswerts (ACV) um 10%. Zuvor war ein Plus im mittleren Zehnerprozentbereich angepeilt worden. Im Bereich der aufstrebenden (Emerging) Softwareprodukte, zu dem auch der Zukauf Rancher zählt, rechnet Suse noch mit einem Plus von 20% (ursprünglich 50%). Den Ausblick für den Umsatz und die operative Marge hat Suse bestätigt.

Den Rückschlag schreibt der Linux-Spezialist – wie einige weitere Softwareunternehmen zuletzt – dem makroökonomischen Umfeld zu. Kunden würden Kaufentscheidungen und Projekte verzögern. Der Effekt ist Suse zufolge im Core-Geschäft mit hoher Bestandskundenzahl weniger stark ausgeprägt als im Emerging-Segment. Dort sorgen dagegen mehrere Themen für Gegenwind: Neue Rancher-Kunden würden stärker auf die weniger umfassende Gratisversion setzen, um Kosten zu sparen, beobachtet Suse. Hinzu kamen personelle Umbrüche: Nach der Übernahme gingen viele Mitarbeiter von Bord, insbesondere im Vertrieb.

Um den Abwärtstrend zu stoppen, will Suse in den kommenden beiden Quartalen zusätzliche Funktionalitäten für zahlende Rancher-Kunden einführen und ein spezielles Vertriebsteam mit Fokus auf Rancher aufbauen sowie die Bereiche Produktentwicklung und Technik-Support stärken. Die Ausgaben für Vertrieb, Marketing und Operations stiegen im dritten Quartal bereits um 15% auf 45 Mill. Dollar.

Insgesamt lag der ACV im dritten Quartal bei 114 Mill. Dollar, ein Rückgang von 4 % (währungsbereinigt 1 %) gegenüber dem Vorjahr. Der ACV im Core-Bereich trug dazu nach einem Rückgang von 8 % den Großteil von 93 Mill. bei, der Emerging ACV stieg von niedriger Basis aus um 21 % auf 21 Mill. Dollar.

Die Nettoverschuldung hat Suse gegenüber dem Vorquartal um 50 Mill. auf noch 604 Mill. Dollar gesenkt, der Leverage liegt im Verhältnis zum bereinigten Ebitda der letzten zwölf Monate bei 2,3x.

Suse war vom Finanzinvestor EQT an die Börse gebracht worden, der nach wie vor die Mehrheit hält. EQT hatte Ende Juli sogar angekündigt, wegen des Kursverfalls weitere Anteile kaufen zu wollen – für die Private-Equity-Branche, die mit dem IPO üblicherweise einen Exit einleitet, ein ungewöhnlicher Schritt.

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