Aktionärstreffen

Eon experi­mentiert mit virtuellem HV-Format

Ein lockeres Vorstandsgespräch ersetzt bei Eon die Antwortrunde. Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley outet sich als Fan der virtuellen Hauptversammlung.

Eon experi­mentiert mit virtuellem HV-Format

ak Köln

Ein signifikanter Teil der Hauptversammlung von Eon hat sich am Donnerstag um das Format selbst gedreht. Erneut fand das Aktionärstreffen wie bei den meisten Dax-Konzernen virtuell statt – ein Umstand, der auch die Anteilseigner sehr beschäftigte und laut Vorstand zu zahlreichen Fragen geführt hatte.

Eon-Chef Leonhard Birnbaum wollte sich noch nicht festlegen, ob der Konzern seine HV auch in Zukunft rein digital abhalten wolle. Das hänge von der Ausgestaltung der gesetzlichen Regelung ab, beschied er den Aktionären. „Der momentane Gesetzentwurf, der sich in der parlamentarischen Diskussion befindet, ist aus unserer Sicht enttäuschend“, sagte Birnbaum. Er verknüpfe die virtuelle Hauptversammlung komplett mit allem aus der Präsenz-HV. Für den Konzern würde das zu einem enormen Aufwand führen. „Da würden wir die digitalen Chancen wieder in einer analogen Welt verlieren.“

Wenn dieser Gesetzentwurf Realität werde, sei er für die virtuelle HV skeptisch. Bei positiver Resonanz von Aktionärsseite könne sich Eon in einem entsprechenden rechtlichen Rahmen aber sehr gut virtuelle Aktionärstreffen vorstellen.

Sehr deutlich wurde Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley: „Für mich hat das virtuelle Format eine absolute Zukunft“, sagte der Manager, der auch das Kontrollgremium der Deutschen Lufthansa leitet.

Eon zeigte sich auf der Hauptversammlung, die in rund zwei Stunden straff durchgezogen wurde, experimentierfreudig. Die Beantwortung der Aktionärsfragen fand als Dialog zwischen Birnbaum und CFO Marc Spieker statt, denen die Regie die Fragen zu Themenblöcken zusammengefasst hatte. Birnbaum und Spieker waren in lockerem Gespräch auf roten Klubsesseln zu sehen und umgingen damit die oftmals steifen HV-üblichen Antworten in Juristendeutsch. Die gut 200 Originalfragen mit den dazu gehörigen Antworten hatte Eon schriftlich ins Aktionärsportal gestellt – auf das jedoch ausschließlich Aktionäre und keine Gasthörer wie Journalisten Zugriff hatten.

Der Konzern ermöglichte in der Fragerunde Live-Beiträge von Aktionären und gestattete Nachfragen.

Vorstandsgehälter steigen

Die Kritik am Eon-Kurs hielt sich in Grenzen. Bis auf eine Ausnahme wurden alle Tagesordnungspunkte mit rund 99% der Stimmen bei einer Präsenz von etwa 63% angenommen. Lediglich der Vergütungsbericht wurde mit nur 89% gebilligt.

Die Vorstände von Eon werden im laufenden Jahr mehr verdienen. Die Vorstandsvergütung liege deutlich unterhalb des marktüblichen Be­reichs, da sie über zehn Jahre kollektiv nicht angepasst worden sei, erläuterte Aufsichtsratschef Kley. Das Kontrollgremium sei zu dem Schluss gekommen, dass eine Anhebung der Bezüge für alle Vorstandsmitglieder mit besonderem Fokus auf die variable langfristige Vergütung „erforderlich“ sei.

Im vergangenen Jahr hatte Vorstandschef Birnbaum knapp 4,5 Mill. Euro Gesamtvergütung erhalten, CFO Spieker 2,5 Mill. Euro.