Internetkonzern

Google macht Games-Streamingdienst Stadia dicht

Der Technik-Konzern Google will südlich des Flughafens BER ein Rechenzentrum für den Großraum Berlin-Brandenburg bauen und sich damit mehr aus der Abhängigkeit vom Werbegeschäft im Internet befreien. Einher geht damit auch die Schließung eines Games-Dienstes.

Google macht Games-Streamingdienst Stadia dicht

dpa-afx Mittenwalde/Mountain View

Der Internetriese Google hat eine Gewerbefläche knapp 20 Kilometer südlich des Flughafens BER ins Visier genommen, um ein Rechenzentrum für den Großraum Berlin-Brandenburg zu bauen. Ein Google-Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Märkischen Allgemeinen“. Danach soll das Rechenzentrum unter Umständen auf einer rund 30 Hektar großen Fläche im Gemeindeteil Schenkendorf von Mittenwalde (Landkreis Dahme-Spreewald) zwischen der L30 und der A13 entstehen.

Firmensprecher Ralf Bremer sagte, Google habe den Kauf eines Grundstücks in Mittenwalde eingeleitet und prüfe weitere Optionen in der Region. „Bis zur endgültigen Übernahme sind weitere Schritte erforderlich. Dennoch freuen wir uns, dass wir mit unseren Plänen in Berlin-Brandenburg vorankommen.“

Zum einen liegt dem Vernehmen nach noch kein Bebauungsplan vor, der die Errichtung eines Rechenzen­trums gestattet. Zum anderen fehlt es an einer festen Zusage der örtlichen Energieversorgungsunternehmen, die geplante Anlage mit ausreichend Strom versorgen zu können. Google hält sich andere Optionen offen und will einen Baubeginn auch von der Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen in der Hauptstadtregion und in Brandenburg abhängig machen.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) erwartet einen positiven wirtschaftlichen Schub für die Region. „Das ist eine gute Nachricht über die Stadtgrenzen hinaus, davon profitieren Brandenburg und Berlin.“

Google arbeitet seit Jahren daran, sich aus der Abhängigkeit vom Werbegeschäft im Internet zu befreien und neue Erlösquellen zu finden. Sundar Pichai, der Chef des Google-Konzerns Alphabet, versucht deshalb auch, die Cloud-Sparte als wichtige Ertragssäule aufzubauen.

Vor diesem Hintergrund wurden vor gut einem Jahr große Investitionen in den Standort Deutschland bewilligt, um den lukrativen deutschen Cloud-Markt nicht den Marktführern Amazon AWS und Microsoft oder deutschen Anbietern wie Ionos aus dem United-Internet-Konzern zu überlassen.

Bis zum Jahr 2030 sollen sich nach den vor gut einem Jahr vorgestellten Plänen die Investitionen in Deutschland auf gut 1 Mrd. Euro summieren. Mit diesem Geld baut Google zum einen ihre Cloud-Region Frankfurt am Main mit einem neuen Rechenzen­trum in Hanau aus. In Mittenwalde soll eine ganz neue Cloud-Region Berlin-Brandenburg eingerichtet werden.

Im November 2019 gestartet

Den Ausflug ins Geschäft mit Videospielen aus dem Netz erklärt Google für gescheitert. Der Internetriese stellt gemäß einer Unternehmensmitteilung seinen Games-Streamingdienst Stadia ein.

Bei Streamingdiensten wie Stadia laufen die Videospiele nicht auf PCs oder Konsolen der Nutzer, sondern auf Servern der Anbieter im Internet und werden mit Hilfe schneller Leitungen gesteuert.

Die Streaming-Lösungen gelten vielen Experten als Zukunft der Spieleindustrie. Google hatte Stadia erst im November 2019 gestartet und war damit ein Pionier bei solchen Diensten, die es unter anderem auch von Microsoft mit der Xbox-Spieleplattform und dem Grafikkarten-Spezialisten Nvidia gibt.

Die ehrgeizigen Pläne des Internetkonzerns zum Marktstart, nämlich die Gaming-Branche umzukrempeln, erfüllten sich allerdings nicht, so dass Stadia nie eine wirkliche Bedrohung für etablierte Gaming-Akteure wie Sony mit ihrer Playstation oder Microsoft mit ihrer Xbox wurde.

Google-Manager Phil Harrison erklärt in einem Blog-Eintrag, der Ansatz von Stadia, Spiele für Verbraucher zu streamen, sei auf einer starken technologischen Grundlage aufgebaut worden. „Er hat bei den Nutzern allerdings nicht den Zuspruch gefunden, den wir erwartet hatten, so dass wir die schwierige Entscheidung getroffen haben, unseren Stadia-Streamingdienst einzustellen.“ Kunden können ihre Spiele noch bis 18. Januar kommenden Jahres nutzen und sollen Ausgaben für Hardware und Software zurückerstattet bekommen. Die gekauften Controller müssen dabei nicht zurückgegeben werden.

Harrison erklärte, die Teammitglieder des Stadia-Projektes würden in anderen Bereichen des Unternehmens arbeiten. Es gebe Möglichkeiten, die Technik von Stadia in anderen Bereichen einzusetzen. Mögliche Einsatzfelder seien Youtube, Google Play und AR-Brillen. Es bestehe auch die Möglichkeit, die Technologie Industriepartnern zur Verfügung zu stellen. „Das entspricht unserer Meinung nach auch der Zukunft des Gamings.“