Payment-Branche

BCG erwartet ungebrochenes Payment-Wachstum

Die globale Konjunktureintrübung kann der Payment-Branche nach Einschätzung der Boston Consulting Group wenig anhaben. Erst von 2026 an sei mit einer Abschwächung des Wachstums zu rechnen.

BCG erwartet ungebrochenes Payment-Wachstum

bg Frankfurt

– Die Payment-Branche steht nach Ansicht der Boston Consulting Group (BCG) vor anhaltend hohen Wachstumsraten. Laut einer aktuellen Studie, die der Börsen-Zeitung vorliegt, rechnen die Berater damit, dass 2022 trotz Makro-Eintrübungen weltweit ein Plus von 9 % bei den Erträgen zu Buche stehen wird. Zu einer leichte Abkühlung werde es erst in einigen Jahren kommen.

Für dieses Jahr hatten die Berater eigentlich nur ein Plus von rund 7 % erwartet, nachdem 2021 Einnahmen („Revenue Pool“) von kumuliert 1,5 Bill. Dollar zu Buche standen. Für den Zeitraum zwischen 2021 und 2026 dürfte die annualisierte Wachstumsrate der Branche nun bei gesunden 8,3 % liegen, heißt es in dem Report „Global Payments 2022“. Die Berater prognostizieren, dass dieses Wachstum zu zwei Dritteln von kleinen und mittleren Händlern kommen wird. Für den Zeitraum 2026 bis 2031 erwartet BCG eine leicht abgeschwächte Wachstumsrate von 7,6 %, womit das Volumen auf 3,3 Bill. Dollar anschwellen würde – was im Vergleich zu 2021 mehr als einer Verdopplung entsprechen würde.

Bewertungen gesunken

Vor dem Hintergrund überrascht es nicht, dass Banken, Risikokapitalgeber und Private-Equity-Firmen in Payment investieren. Allerdings verzeichnete das Segment im allgemeinen Stimmungswandel BCG zufolge zuletzt Bewertungsabschläge von rund 30 %. Die Berater erwarten, dass dank der sinkenden Bewertungen die M&A-Aktivitäten in dem Segment anziehen, zumal der Trend vom Bargeld hin zum elektronischen Bezahlen ungebrochen ist. Allerdings stehen Payment-Firmen vor verstärkter regulatorischer Überwachung, was mit erhöhten Kosten einhergeht. Für nachhaltiges Wachstum müssten die Unternehmen also ihre Risiko- und Compliance-Funktionen stärken, schreibt BCG.

Dabei unterscheiden sich die Herausforderungen in verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette: Bei den Händler-Acquirern habe sich das Wettbewerbsumfeld vor allem in Richtung der Fintech-Herausforderer verschoben, heißt es. Die Berater sehen große Möglichkeiten in Embedded Finance. Das Segment sollte bis zum Jahr 2026 um durchschnittlich 8,6 % wachsen. Bei den Issuern, also Karten herausgebenden Instituten, sollten die Einnahmen bis 2026 um weitere 6,2 % jährlich wachsen, und für 2031 wird das Reißen der Schwelle von 1 Bill. Dollar bei den Erlösen der Issuer erwartet – 2021 waren es 627 Mrd. Dollar. Treiber seien vor allem die Interchange-Gebühren. Zudem profitierten die Issuer davon, dass sich mit „Buy now, pay later“ die Tür öffnet für weitere Dienstleistungen über die Transaktion hinaus. Außerdem winkten zusätzliche Erlöse aus der Monetarisierung von Payment-Daten. Die Boston Consulting Group erwartet taktische M&A-Maßnahmen, damit die Player ihre Fähigkeiten ausweiten können.

Das Segment „Global Networks“ (Visa, Mastercard, American Express) steht einerseits vor Problemen, da regionale Wettbewerber und neuartige Zahlmethoden Marktanteile ge­winnen sollten. Da außerdem eine erhöhte Kontrolle der Entgeltsysteme erwartet wird, empfehlen die Berater eine Diversifizierung in Richtung Open Banking, Crypto & CBDC sowie eine Führungsrolle bei der Umsetzung der „Nachhaltigkeitsagenda“. Trotzdem wird für die „Global Networks“ immer noch ein Wachstum von 8,9 % bis 2026 erwartet – was aber vom Sektor „Wholesale Transaction Banks“ noch übertroffen wird. Das Interbanken-Volumen soll in dem Zeitraum um 9,1% zulegen und 2031 für Erlöse von mehr als 1 Bill. Dollar stehen – nach 494 Mrd. Dollar in 2021. Dafür müssten die Banken allerdings erheblich in Dinge wie eine modulare IT-Architektur investieren.

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