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Redaktion

KOMMENTAR - EUROPÄISCHE UNION
Standard & Poor's hat die Bonität der Europäischen Union mit negativem Vorzeichen versehen. Anderthalb Jahre nach dem Verlust der Bestnote "AAA" droht eine weitere Herabstufung. Herrje, ziehen die Griechen die ganze Union in die Tiefe? Nein, mit Hellas hat die Sache allenfalls am Rande zu tun.

Der skeptischere Ausblick hat drei andere Gründe. Erstens hat S & P längst die Ratings des zweit- und des drittgrößten EU-Finanziers auf "Ausblick negativ" gestellt - Großbritanniens und Frankreichs. Es ist also weniger die griechische Tragödie als vielmehr die mangelnde Haushaltsdisziplin in London und Paris, die S & P beunruhigt.

Zweitens machen sich die Rating-Profis Sorgen darüber, was dem EU-Haushalt dräut, falls die Briten tatsächlich der Union "good-bye" sagen sollten. Gemeinsam mit Franzosen und Deutschen zahlen sie derzeit genauso viel in die Brüsseler Kasse ein wie alle anderen 25 EU-Länder. Jenseits aller Bedenken, was eine EU ohne UK wert ist, lenkt S & P also die Aufmerksamkeit auf die Frage, wer künftig die Zeche für Bauernsubventionen und Eurokraten zahlt.

Drittens schließlich wird beanstandet, dass die EU zusehends ins Risiko geht, ohne dafür zunächst Cash einzusammeln. In der Tat ist in Brüssel an der Tagesordnung, was Ökonomen spöttisch als "Eh-da-Kalkulation" bezeichnen. EU-Beamte reden gerne Kosten und Risiken klein, etwa wenn sie Garantien für Investitionsvorhaben oder Brückenkredite als quasi kostenlos darstellen, nur weil sie den "Juncker-Plan" oder das nächste Griechenland-Hilfspaket unbedingt durchsetzen wollen. Das Geld - so lautet häufig die lapidare Antwort - sei doch "eh da".

Insofern muss man S & P geradezu dankbar sein. Denn die Agentur führt vor Augen, dass die freizügige Übernahme von Garantien durchaus aufs eigene Risikoprofil durchschlägt. Und dass längst nicht jeder Euro, der unter Bedingungen in Aussicht gestellt worden ist, unbedingt ausgegeben werden muss - am besten noch mehrfach gehebelt. Dieser Hinweis ist allein deshalb wichtig, weil regelmäßig Begehrlichkeiten laut werden, was die bisher ungenutzten Mittel im Euro-Rettungsfonds ESM angeht.

Andererseits muss niemand das negative Vorzeichen für das EU-Rating dramatisieren. Verglichen mit der Lage vor wenigen Jahren, als Italien und Spanien angesichts hoher Anleihezinsen akut gefährdet schienen und ständig neue Staaten zu Programmländern wurden, hat sich die Situation in der EU wieder entspannt. Und verglichen mit anderen Weltregionen sind die Schuldenberge noch überschaubar.


Börsen-Zeitung, 05.08.2015, Autor Detlef Fechtner, Nummer 147, Seite 1, 360 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015147002&titel=Die-Eh-da-Kalkulation
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