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Redaktion

rendite - Anlagemagazin Ausgabe Februar 2016
ZERTIFIKATE
Der Trend geht zu individualisierten Lösungen. Plattformen erlauben Zertifikatebau nach Maß.
Von Armin Schmitz

Anleger haben in Deutschland die Wahl zwischen mehr als 1,2 Millionen Zertifikaten und Hebelprodukten. Eine ungeheure Menge. Für jeden Anleger das passende Papier, will man meinen. Doch die Tendenz geht zu Wunschprodukten, die zur jeweiligen Anlagestrategie der Investoren passen.

Viele Banken bieten den Anlegern elektronische Emissionsplattformen an, auf denen sie sich ihr Produkt, seine Basiswerte, Laufzeit und die angestrebte Rendite selbst erstellen können. Immer mehr institutionelle Investoren aus den Vermögensverwaltungen und Betreuer von Depot-A-Kunden nutzen immer mehr maßgeschneiderte Produkte. Sie suchen Anlagezertifikate, die genau auf das Risikoprofil ihrer Kunden zugeschnitten sind. Strukturierte Produkte haben als maßgeschneiderte Bausteine für das Anlegerdepot deutlich an Bedeutung gewonnen. Für die Anbieter bedeutet es einen zusätzlichen Absatzkanal gegenüber den öffentlich an den Börsen gelisteten Papieren.

Zwei unterschiedliche Ansätze

Plattformen für maßgeschneiderte strukturierte Produkte wie Deritrade, Dericon, My.onemarkets oder Equity Investor ermöglichen es, maßgeschneiderte Zertifikate, auch Tailormade-Produkte genannt, zu emittieren, wenn der Anleger bei einer Bank nach einem für ihn geeigneten Papier anfragt. Dabei gibt es am Markt zwei unterschiedliche Ansätze, wie sie u.a. Vontobel und Leonteq verfolgen. Mit ihrer Deritrade-Multi-Issuer-Plattform (MIP) will Vontobel Anlegern eine Plattform bieten, auf der verschiedene Anbieter ihre Produkte anbieten. Zu diesen Partnern gehören die Deutsche Bank, J.P. Morgan, Morgan Stanley, Société Générale und die Zürcher Kantonalbank. Vontobel hat aktuell Kooperationsabkommen mit 34 Banken und 300 externen Vermögensverwaltern, über die die strukturierten Produkte vertrieben werden. Die Plattform ist in Zielmärkten Schweiz, Europa und Asien in Betrieb.

Konstruktion per Mausklick

Assetmanager, Depot-A-Verwalter oder Kundenberater haben mit Hilfe von Deritrade die Möglichkeit, über ein internetbasiertes Modul strukturierte Produkte wie beispielsweise Discount-Zertifikate, Aktien- und Indexanleihen in der klassischen und der Protect-Form und Bonus- und Bonus-Cap-Zertifikate nach ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zu bauen. Neben dem Basiswert kann der Berater für seinen Kunden beispielsweise bei Discount-Zertifikaten individuell die Laufzeit, den Sicherheitspuffer und die Zielrendite per Mausklick bestimmen.

Sind die passenden Produktkriterien gefunden, kann das Instrument mit einer entsprechenden Wertpapierkennnummer bzw. ISIN automatisch verbrieft werden. Das von dem System erstellte Termsheet enthält alle Daten entsprechend den Mifid-Vorgaben. Das Zertifikat ist wie die regelmäßig emittierten und an der Börse gelisteten Papiere ein verbrieftes Wertpapier. Es handelt sich nicht um ein OTC-Produkt. Die Produkte sind zwar Privatplatzierungen, sie können auf Wunsch aber an der Börse gelistet werden. Das erlaubt beispielsweise dem Depot-A-Kundentreuer die Bestimmung von Depotbewertungskursen.

Die Vertriebspartner und Anleger schätzen, dass Deritrade laufend weiterentwickelt wird. Zuletzt hat Vontobel ein Entscheidungsinstrument mit dem Namen "Deritrade SmartGuide" entwickelt, das wie ein Robo-Advisor für strukturierte Produkte funktioniert. Es basiert auf den Daten der Handelsplattform Deritrade und liefert den angeschlossenen Kundenberatern und unabhängigen Vermögensverwaltern zusätzliche Informationen aufgrund des Benutzerverhaltens. Es zeigt dem Nutzer unter anderem, was es für vergleichbare Produkte zu demjenigen gibt, das der Kunde ausgewählt hat.

Tailormade-Plattformen wie Deritrade sind keine Erfindung im Zuge des aktuellen Fintech-Booms. Sie gibt es vielmehr bereits seit 2003. Damals etablierte die UBS mit dem Equity Investor die erste internetbasierte Plattform.

Dericon hat 2014 die erste Metaplattform in Deutschland gestartet. Im Unterschied zu vielen anderen Multi-Issuer-Plattformen hat siezwei entscheidende Vorteile: Es besteht bei dem Derifin-Emissionstool auch bei erfolgreicher Emission für Berater und Kunden keinerlei Abnahmeverpflichtung und kein Mindestvolumen. "Das reduziert die Hemmschwelle zur Nutzung und macht das Tool für einen breiten Anwenderkreis praktikabel", sagt Dericon-Geschäftsführer Andreas Krause.

Noch Angebotslücken

Partner für die Emissionen sind die DZ Bank, HSBC Trinkaus und die HypoVereinsbank. Obwohl der Anleger am deutschen Derivatemarkt die Wahl zwischen fast 600 000 Anlagezertifikaten hat, sieht Dericon noch Platz für weitere Angebote. "Für die Investmentpraxis sind aber längst nicht alle Produkte geeignet. Bei Nebenwerten, nach turbulenten Marktbewegungen oder wenn spezielle Laufzeiten gefragt sind, gibt es immer wieder Angebotslücken", erklärt Krause. Es stehen fünf unterschiedliche Produktgattungen wie beispielsweise Discountzertifikate, Aktienanleihen, Bonus- und Expressstrukturen sowie über 104 Basiswerte zur Verfügung. Der Handel der Produkte erfolgt nicht direkt per Knopfdruck, sondern nachgelagert über den Börsenplatz Stuttgart.

Neben der Möglichkeit, Produkte entsprechend den Wünschen der Anleger zu erzeugen und damit einen individuellen Service für die Kunden anzubieten, haben die Berater wie bei den Konkurrenzplattformen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Provisionen sie für die Beratung des Kunden erhalten wollen. Während die Konkurrenten zurückhaltend sind mit Angaben zu den über die Plattformen gehandelten Volumina, gibt Dericon für das Jahr 2014 ein Anlagevolumen von rund 750 Mill. Euro an.

Individuelle Strukturierung

Einen anderen Weg geht Leonteq.

Der Schweizer Anbieter, damals noch unter dem Namen EFG Financial Products, ist seit Jahr 2007 mit einer eigenen Plattform am Start. Leontec hat vor zwei Jahren entschieden, die weitgehend automatisierte Emissionsplattform für Dritte zu öffnen, und bietet Dienstleistungen über die gesamte Wertschöpfungskette bei Derivaten an. Leonteq bietet über diese Plattform Arbeiten wie die Strukturierung der Produkte, Preisbildung, Risikomanagement bis hin zum Market-Making an. Ein Element dieser Plattform ist beispielsweise das Strukturierungs-Tool "Constructor". Es ermöglicht den Kunden eine fast unbegrenzte und völlig individuelle Strukturierung von sehr vielen Produkten.

Die Schweizer sehen sich selbst als Outsourcing-Dienstleister. Zu den Partnern der Plattform gehören Institutionen wie Notenstein/Raiffeisen, EFG International, die asiatische DBS, die Cornèr Bank und die Versicherung Helvetia. Dieser Rundumservice wird bereits von Häusern wie beispielsweise der Deutschen Bank, J.P. Morgan, Bank of Montreal, DBS Development Bank of Singapore und Swiss Life sowie von einigen kleineren Private-Banking-Instituten genutzt.

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2003

etablierte die UBS die erste internetbasierte Plattform für Tailormade-Produkte in der Schweiz. Seitdem haben sich in Europa eine Reihe von Emissionstools für Anlagezertifikate etabliert.

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1,2 Millionen

Zertifikate und Hebelprodukte sind an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gelistet. Der Anleger hat die Wahl zwischen 709 620 Hebelprodukten und 582 648 Anlagezertifikaten, in denen Anlegergelder in Höhe von

rund 70 Mrd. Euro verwaltet werden.

Börsen-Zeitung, 02.02.2016, Autor Armin Schmitz, Nummer 47, Seite B 22, 924 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016021829&titel=Derivate-nach-Wunsch
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