J.P. Morgan

Die Risiko­vorsorge dezimiert das Ergebnis

Zum Auftakt der Quartalssaison im US-Bankensektor hat J.P. Morgan die Anleger am Mittwoch enttäuscht. CEO Dimon warnt vor bedeutenden Herausforderungen.

Die Risiko­vorsorge dezimiert das Ergebnis

bn Frankfurt

Zu Beginn der Quartalssaison im US-Bankensektor hat J.P.Morgan die Anleger mit ihren Zahlen und ihrem Ausblick ernüchtert. Am Mittwochvormittag lag der Aktienkurs des nach Bilanzsumme größten Kreditinstituts der Vereinigten Staaten im New Yorker Handel mit 127,24 Dollar 3,3% hinten. „Was die Konjunktur angeht, bleiben wir zumindest auf kurze Sicht optimistisch“, hatte James Dimon, der am längsten amtierende Vorstandschef einer US-Großbank, vor Sitzungsbeginn die Anleger wissen lassen und dabei unter anderem auf eine finanziell gesunde Verfassung von Verbrauchern und Unternehmen verwiesen. „Aber wir sehen bedeutende geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen vor uns wegen einer hohen Inflation, Problemen in den Lieferketten und des Krieges in der Ukraine“, hatte er zugleich eingeschränkt. Als Konsequenz des russischen Krieges hat die Bank Finanzkreisen zufolge ihre Geschäfte mit Rohstoffkunden auf den Prüfstand ge­stellt. Aufgrund von Engagements in Russland droht ihr ein Verlust von bis zu 1 Mrd. Dollar. Schwerer wiegen die mittelbaren Folgen des Krieges, zu denen sich der Manager be­reits Tage zuvor in seinem Aktionärsbrief geäußert hatte. Der Krieg, die Teuerung und steigende Zinsen stellten eine noch nie dagewesene Kombination von Risiken dar, hatte er darin erklärt und zugleich vor „sehr volatilen Märkten“ gewarnt, wenn die US-Notenbank ihre Geldpolitik straffe.

Negativer Swing

Diese Gemengelage hat zur Folge, dass die New Yorker Bank im Startquartal für Verluste aus dem Kreditgeschäft knapp 1,5 Mrd. Dollar zurückgestellt hat. Dabei haben Abschreibungen auf Forderungen mit knapp 600 Mill. zu Buche geschlagen. Der Rest ist nach Angaben des Hauses auf Vorsorge angesichts zunehmender Abwärtsrisiken wegen der Teuerung und des Ukra­ine-Kriegs sowie angesichts des Russland-Exposures der Sparten Corporate & Investment Bank und Asset & Wealth Management entfallen. Gegenüber dem Vorjahresquartal, in welchem das Institut Rückstellungen aufgelöst hatte, bedeutet dies einen negativen Swing in der Risikovorsorge von nicht weniger als 5,6 Mrd. Dollar. Dies hat erheblich dazu beigetragen, dass die Bank unterm Strich mit rund 8,3 Mrd. Dollar 42% weniger als vor Jahresfrist erwirtschaftet hat. Je Aktie stellte sich das Ergebnis auf 2,63 Dollar ein, das sind 9 Cent weniger als im Konsens erwartet. Die Erträge sanken um 5% auf 30,7 Mrd. Dollar, die Eigenkapitalrendite reduzierte sich binnen Jahresfrist um 10 Prozentpunkte auf 13%.

In der ertragsstärksten Sparte Corporate & Investment Bank sind die Einnahmen binnen Jahresfrist um 7% auf 13,5 Mrd. zurückgegangen. Der Nettogewinn brach dabei um ein Viertel ein. Neben einer höheren Risikovorsorge spiegeln sich darin vor allem rückläufige Erträge im Investment Banking, das infolge sinkender Einnahmen aus der Begleitung von Aktien- und Anleiheemissionen 28% weniger erlöste, sowie im Geschäftsbereich Markets & Securities Services. Dagegen ließen höhere Provisionssätze, steigende Zinsen und Beteiligungen den Umsatz im Zahlungsgeschäft um ein Drittel in die Höhe klettern. In der Retail-Sparte Consumer & Business Banking, der Nummer 2 im Konzern nach Ertrag, schrumpften die Einnahmen um 2% auf 12,2 Mrd. Dollar, während das Nettoergebnis infolge des Basiseffekts um 57% einbrach – im Startquartal des Vorjahres hatte die Bank auf breiter Front zu Pandemiebeginn gebildete Risikovorsorge aufgelöst. Steigende Einlagen und Wertpapieranlagen ließen dabei die Erträge im Segment Consumer & Business Banking um 8% anschwellen.

In der ungleich kleineren Sparte Asset & Wealth Management legten die Einnahmen auch wegen höherer Management- und Performance-Gebühren um 6% auf 4,3 Mrd. Dollar zu. Da aber zugleich der Aufwand um 11% anzog und anders als vor Jahresfrist Risikovorsorge nötig wurde, fiel der Nettogewinn um ein Fünftel auf 1 Mrd. Dollar. Das verwaltete Vermögen erhöhte sich dabei um 4% auf 3 Bill. Dollar. Die kleinste der vier operativen Sparten, das Commercial Banking, zeigt eine Stagnation des Ertrags bei knapp 2,4 Mrd. Dollar. Der Nettogewinn fiel um 28%, auch weil der Verwaltungsaufwand um 17% zulegte, was die Bank mit Investitionen und einem höheren Vergütungsaufwand begründet.

J.P. Morgan Chase
Kennzahlen nach US-GAAP
  1. Quartal
in Mill. Dollar20222021
Nettoerträge3071732266
Verwaltungsaufwand1919118725
Risikovorsorge* 1463−4156
Vorsteuergewinn1006317697
Steueraufwand17813397
Nettoergebnis828214300
Erg. je Aktie (dil., Dollar)2,634,50
Eigenkapitalrendite (%)1323
Bilanzsumme (Mrd.)39543689
Harte Kernkapital-quote (%)11,913,1
Beschäftigte (Anzahl)273948259350
*) Minus = Auflösung Quelle: J.P. MorganBörsen-Zeitung
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