Geldpolitik

EZB-Falken im Aufwind

Eine Zinserhöhung der EZB um 50 Basispunkte gilt als gesetzt. Über den weiteren geldpolitischen Kurs wird innerhalb der Notenbank aber intensiv diskutiert.

EZB-Falken im Aufwind

Von Martin Pirkl, Frankfurt

Wenn der EZB-Rat in der neuen Woche zusammentritt, wird dabei weniger die Höhe der Zinsanhebung im Fokus stehen. Eine weitere Erhöhung um 50 Basispunkte ist quasi in Stein gemeißelt, alles andere würde die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß erwischen. Vielmehr warten Beobachter mit Spannung darauf, welche Signale von der EZB für die folgenden Ratssitzungen kommen. Bei ihrem Zinsentscheid im Februar hatten die Notenbanker sich nicht dazu geäußert, wie der geldpolitische Kurs mittelfristig aussehen wird. Man schaue datenbasiert von Sitzung zu Sitzung und entscheide dann. Die jüngsten Inflationsdaten für die Eurozone deuten nicht darauf hin, dass die EZB die Märkte nun darauf einstellen wird, dass sie bereits im Mai die Zinsen nur noch um 25 Basispunkte anhebt. Zu hoch ist im Februar die Kernrate der Inflation – bei der Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden – ausgefallen. Statt zu sinken, kletterte sie von 5,3 auf 5,6%, den höchsten Wert seit der Einführung des Euro. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte Anfang März erneut betont, dass die Entwicklung der Kerninflation „sehr, sehr wichtig“ für die Zentralbank sei, und damit die Märkte darauf eingestimmt, dass die EZB wohl erst mal ihren Kurs beibehalten wird.

Die Finanzmärkte haben inzwischen ein Zinsplateau bei 4% eingepreist. Und möglicherweise ist auch bei dieser Marke noch nicht Schluss. Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann spekulierte bereits, dass der Höhepunkt womöglich erst bei 4,5% erreicht sei, wenn die Kerninflation nicht schon im ersten Halbjahr spürbar sinke. Die Verfechter einer lockeren Geldpolitik, die Tauben, sind zuletzt leiser geworden. Eine Ausnahme bildet Portugals Notenbankchef Mario Centeno. Er mahnte zur Vorsicht. „Wir müssen etwas geduldig sein, damit sich die Anhebungen um 300 Basispunkte auf die Inflation auswirken können, denn das ist unser Hauptziel.“ Die bisherigen Zinserhöhungen seien zu schnell erfolgt. Die langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher liegen inzwischen knapp über dem Inflationsziel der EZB von 2 %.

Ein zweiter Punkt, der nun wichtig wird, ist der Abbau der Bestände aus dem Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP). Seit März reduziert die EZB ihren Bestand bis Juni um monatlich 15 Mrd. Euro im Durchschnitt und drückt damit die Bilanzsumme etwas. Der EZB-Rat wird nun darüber diskutieren, ob ab Juli eventuell ein höheres Tempo beim Abbau ratsam ist. Dafür hatte sich unter anderem Bundesbankpräsident Joachim Nagel jüngst ausgesprochen. Die Finanzmärkte könnten einen stärkeren Abbau verkraften. Ähnlich äußerte sich EZB-Direktorin Isabel Schnabel. „Der derzeitige Umfang unserer Bilanz ist größer, als es für die wirksame Umsetzung unseres geldpolitischen Kurses erforderlich ist“, sagte sie.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.