Kryptowährungen

Bitcoin für Institutionelle ungeeignet

Direktinvestitionen in Bitcoin sind für institutionelle Anleger derzeit nicht attraktiv. Die besten Möglichkeiten liegen eher in dem breiteren Krypto-Ökosystem.

Bitcoin für Institutionelle ungeeignet

Bitcoin gibt es noch nicht lange, und es wäre vermessen, angesichts der dynamischen Entwicklung der Kryptowährungen ein endgültiges Urteil zu fällen. Es deutet alles stark darauf hin, dass Direktinvestitionen in Bitcoin und andere Kryptowährungen trotz robuster Marktkapitalisierungen und der glühenden Begeisterung der Krypto-Enthusiasten für institutionelle Anleger derzeit nicht attraktiv sind und mit erheblicher Volatilität und regulatorischen Risiken verbunden sind.

Korrelation gestiegen

Für Investoren, die eine Diversifizierung anstreben, ist die Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien, beziehungsweise Rohstoffen, zu instabil und tendiert in letzter Zeit nach oben. Zwischen den Jahren 2013 und 2019 lag die durchschnittliche Korrelation zwischen Bitcoin und US-Aktien beziehungsweise Rohstoffen bei nahezu null. Ab 2020 stieg die Korrelation mit amerikanischen Aktien und Rohstoffen jedoch sprunghaft an und ist seither durchweg positiv. Selbst der Internationale Währungsfonds hat festgestellt, dass der „zunehmende und beträchtliche Gleichlauf und Spillover-Effekte zwischen Krypto- und Aktienmärkten auf eine wachsende Verbindung hindeuten“, was eine zunehmende Quelle für systemweite Risiken darstellt. Vor diesem Hintergrund deutet alles darauf hin, dass sich Kryptowährungen in der Zukunft nicht als Portfoliodiversifikator eignen werden.

Bitcoin ist knapp. Die Gesamtmenge an Bitcoin ist auf 21 Millionen Coins begrenzt, das ist im Bitcoin-Algorithmus fest einprogrammiert. Diese Beschränkung könnte vermuten lassen, dass sein Wert ähnlich wie der von Gold einer Entwertung von Zentralbankgeld oder einer Preisinflation widerstehen könnte. Es gibt jedoch kaum Belege für diese These. In der einzigen Phase erhöhter Inflation weltweit seit der Einführung von Kryptowährungen bot Bitcoin nur begrenzten Inflationsschutz. Die Preise in den USA wurden während der Pandemie in die Höhe getrieben, und die Inflation begann 2021 und 2022 stetig anzusteigen. Der Preis von Bitcoin entwickelte sich nur für kurze Zeit mit der Inflation, bevor er stark fiel. Gold hingegen hat seit den 1970er Jahren bewiesen, dass es ein wirksamer und zuverlässiger langfristiger Inflationsschutz sein kann.

Häufige Rückschläge

Die Kryptowährung verzeichnete in ihrer kurzen Geschichte weit mehr Rückschläge von 10%, 25% und sogar 50% als Aktien oder Rohstoffen. Zwischen Juni 2010 und März 2022 verzeichnete Bitcoin mehr als 25 Episoden mit Kursverlusten von 25% oder mehr. Im Vergleich dazu gab es bei Aktien und Rohstoffen jeweils nur einen einzigen Rückschlag.

Betrachtet man die risikobereinigten Renditen, so hatte Bitcoin zu Beginn ein außergewöhnlich gutes Risiko-Rendite-Profil. Dabei ist es jedoch nicht geblieben. Seit 2018 sieht der Sharpe-Quotient der Kryptowährung ähnlich wie bei anderen Anlageklassen aus. In Anbetracht der Häufigkeit und Tiefe der Rückschläge und der geringeren risikobereinigten Performance seit 2018 ist nicht klar, welchen Platz eine nicht ausschüttende Anlageklasse mit zweifelhaftem Diversifizierungspotenzial in einer langfristigen strategischen Portfolioallokation haben sollte.

Ebenso wie Gold wird auch Bitcoin nicht von einer Institution, einer Zentralbank oder einer Regierung ausgegeben oder kontrolliert. Gold verfügt als Anlageklasse über Eigenschaften, die es dem Edelmetall ermöglicht haben, in Zeiten erhöhter wirtschaftlicher oder politischer Unsicherheit als sicherer Hafen zu dienen. Bitcoin weist keine derartigen Merkmale auf.

Zunächst einmal ist die theoretische Argumentation für Kryptowährungen als sicherer Hafen wenig überzeugend. Im Gegensatz zu Bit­coin haben Gold und andere Edelmetalle seit mehr als 2000 Jahren den Status als Wertspeicher. Darüber hinaus haben viele Edelmetalle eine Reihe von Verwendungszwecken für Verbraucher und Industrie, was eine Preisuntergrenze von mehr als null garantiert – dies ist bei Kryptowährungen nicht der Fall. Derzeit wird etwa die Hälfte der Goldproduktion für Schmuck, ein Zehntel für die Industrie und ein Viertel für Zentralbankreserven verwendet.

Noch wichtiger ist, dass die empi­rische Beobachtung die Hypothese bislang nicht unterstützt. In seiner kurzen Geschichte war Bitcoin alles andere als stabil. Zum Beispiel war die Volatilität von Bitcoin zwischen 2015 und 2022 durchweg viel höher als die sicherer Anlagen wie Gold, US-Staatsanleihen oder des US­Dollar.

Vergleichbare Renditen

Trotz der zunehmenden Wahrnehmung von Bitcoin als „Anlagewert“ sind Direktinvestitionen in Bitcoin für institutionelle Anleger derzeit nicht attraktiv. Insbesondere hat die Kryptowährung nicht gezeigt, dass sie dauerhaft zuverlässig zur Risikostreuung geeignet ist, noch hat sie sich als sicherer Hafen oder Inflationsschutz bewährt. Auch die risikobereinigten Renditen sind in letzter Zeit mit denen anderer Anlageklassen vergleichbar, jedoch mit deutlich häufigeren Rückschlägen verbunden. Darüber hinaus stellen das unsichere und zunehmend restriktivere regulatorische Umfeld, die unausgereifte operative Infrastruktur und die verschiedenen ESG-Probleme (etwa der immens hohe Energieverbrauch, Gefahr der Geldwäsche sowie mögliche Marktmanipulation) für institutionelle Anleger erhebliche Risiken dar.

Tatsächlich liegen die besten Möglichkeiten für institutionelle Anleger eher in dem breiteren Krypto-Ökosystem als in den Kryptowährungen selbst. Dieses Umfeld – und die enormen Innovationen, die es hervorbringt – beinhaltet viele Unternehmen, Anwendungsfälle und Anwendungen, die unabhängig vom Erfolg der Kryptowährungen Bestand haben können, wie etwa intelligente Verträge oder die Tokenisierung von realen Vermögenswerten.