Gemeinschaftswährung

Euro auch im vierten Quartal das Sorgenkind

Der Euro ist auch im vierten Quartal das Sorgenkind. Eine nachhaltige Bodenbildung ist derzeit noch nicht in Sicht.

Euro auch im vierten Quartal das Sorgenkind

Martin Utschneider *)

Der deutsche Leitindex konnte sich zuletzt an die obere Trendlinie des mittelfristigen Abwärtstrends heranarbeiten. Nun steht der Test der 13300er Marke an. Die jüngste Entwicklung konnte allerdings die nach wie vor latente Nervosität und Unsicherheit der Marktteilnehmer nicht beenden. Im Verlauf dieser Woche wird sich der Dax 40 wohl weiter in einer engen Spanne wiederfinden. Der mittelfristige Abwärtsdruck bleibt so lange intakt, bis die 13300 Punkte nachhaltig überhandelt werden. Das Ganze ähnelt sprichwörtlich einem Nadelöhr. Das Obere Bollinger-Band öffnet sich weiter nach oben und der Ichimoku-Kinko-Hyo-Indikator wurde jüngst nach oben durchstoßen. Das Untere Bollinger-Band bestätigt allerdings auch den vorherrschenden übergeordneten Abwärtsmodus und notiert aktuell bei 11977 Punkten. Der Trendfolge-Indikator MACD zeigt sich aufsteigend und im über­kauften Terrain. Seitens des RSI sowie der Slow-Stochastik offenbart sich ebenso eine überkaufte Gesamtlage.

Abwärtstrend dominierend

Der chart- und markttechnische Abwärtstrend bleibt daher zunächst weiter vorherrschend. Nach heutigem Stand müsste der Dax 40 schon deutlich die 13300 überhandeln, um den übergeordneten – mittelfristigen – Abwärtsmodus auch nachhaltig zu verlassen. Das Momentum im Dax 40 ist deutlich positiv. Den Marktteilnehmern scheint nach wie vor noch die endgültige „Entschlossenheit“ für eine spürbare Gegenbewegung nach oben zu fehlen. Das könnte der Bruch der 13300 recht schnell ändern. Sollte er in Kürze dennoch die 13300 Punkte deutlich überschreiten, dann würden sich daraus Mittelfristszenarien bis zur 200-Tage-Linie bei knapp 13700 Zählern ergeben. Dort wird die Luft aber auch schon wieder sehr dünn.

Die beiden wichtigsten Ölsorten befinden sich beide unisono in intakten Abwärtsmodi. Während WTI-Öl aktuell mit der Support-Linie bei 85,38 Dollar kämpft, hält sich Brent-Öl aktuell noch knapp oberhalb der 38-Tage-Linie. Diese verläuft zur Stunde bei rund 92 Dollar. Im Einzelnen: WTI-Öl testet mal wieder sehr stark die horizontale Unterstützung bei 85,38 Dollar. Der Trendfolgeindikator MACD steht kurz vor einem Drehmoment nach unten und dem Bruch der jüngsten Stabilisierung. Brent-Öl tendiert minimal über der 38-Tage-Linie. Diese verläuft bei 92,23 Dollar. Auch bei Brent-Öl scheint der MACD demnächst nach unten zu drehen. Die Slow-Stochastik generierte Ende Oktober ein klassisches Verkaufssignal. Zuletzt zeigten sich die beiden Ölsorten nur noch leicht divergent. Aktuell zeigen sie ein sehr ähnliches charttechnisches Gesamtbild.

Der Bitcoin hat zuletzt ebenfalls wieder auffällige charttechnische Muster und Kursziele abgearbeitet. Diese verliefen zuletzt bei rund 17 500 und 18500 Dollar. Letztere Marke (18500) zeigt sich nach wie vor als stabile Unterstützung. Hier scheint der Boden gefunden worden zu sein. Der Bitcoin ist nichtsdestotrotz bis dato weiterhin im übergeordneten Abwärtsmodus. Einiges deutet hier sogar auf einen abermaligen Test der 18500 Dollar hin. Reißt auch diese Marke, dann liegt das nächste charttechnische Ziel bei 17500 bis hin zu 12500 Dollar. Seit Beginn des Jahres hat Bitcoin sämtliche chart- und markttechnischen Ziele erreicht. Die aktuelle Konsolidierung konnte den vorherrschenden und übergeordneten 2022er-Downside-Modus nicht brechen.

Bodenbildung nicht in Sicht

Das aktuelle Sorgenkind ist und bleibt allerdings der Euro. Sämtliche chart- und markttechnischen Warnsignale haben sich auch hier übers Jahr hinweg bewahrheitet. Die Parität zum US-Dollar ist zwischenzeitlich nicht nur bittere Realität geworden. Die Gemeinschaftswährung liegt bereits darunter (!). Aus dem jüngsten charttechnischen Muster kann sich nun eine „Mean Reversion“ zur 38-Tage-Linie ergeben. Diese verläuft bei 0,982 Dollar. Der Euro notiert zudem hauchdünn oberhalb der Supportlinie von 0,986 Dollar. Eine nachhaltige Bodenbildung ist derzeit noch nicht in Sicht.

Fazit: Der Dax 40 kämpft mit dem mittelfristigen Abwärtstrend, bleibt aber im längerfristigen noch gefangen. Vorschnelle Käufe und Investitionen können dann schnell wieder ins Gegenteil umschlagen. Der Widerstand bei 13300 Zählern sollte daher abgewartet werden, der Blick nach unten in Richtung 13095 nicht vergessen werden. Die wichtigsten Ölsorten WTI und Brent tendieren beide abwärtsgerichtet, relativ knapp oberhalb wichtiger Supports. Der Bitcoin zeigt sich im kurz- bis mittelfristigen Seitwärtstrend. Sollte er die 17500 Dollar unterhandeln, ergeben sich weitere Rückschlagszenarien. Diese könnten dann kurzfristig bis hin zu 12500 Dollar führen. Euphorie und Hysterie wechseln sich fast schon täglich ab. Dies ist an den Tageskerzen („Candles“) ersichtlich.

Stop-Loss-Strategien

Der Euro ist unterhalb der Parität angekommen. Dies könnte aber nur eine Etappe auf dem Weg zu noch tieferen Preisnotierungen sein. Daher bleiben die besagten markt- charttechnischen Marken weiterhin im Fokus. Auch im vierten Quartal sollten daher die Stop-Loss-Strategien beibehalten werden. Gewinne laufen lassen – Verluste nach unten vermeiden.

*) Martin Utschneider ist Abteilungsdirektor und Leiter Technische Analyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.