Nvidia, LVMH & Co.

Qualitätsaktien gegen Inflationsängste

Qualitätsaktien eignen sich als Schutz gegen Inflation und Krisen. Um hochklassige Titel zu finden, müssen Anleger insbesondere auf die Effektivität des Kapitaleinsatzes der Unternehmen achten.

Qualitätsaktien gegen Inflationsängste

Es sind raue Zeiten für Anleger. Vor allem der rasante Anstieg der Inflation bereitet Investoren zunehmend Sorgen, zumal eine rasche Entspannung an der Preisfront nicht in Sicht sein dürfte. Dem Ersparten drohen also massive Kaufkraftverluste. Was dagegen tun? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Es sind insbesondere Qualitätsaktien, mit denen sich das Depot gegen Inflation und Krisen wappnen lässt. In Qualität zu investieren klingt naheliegend. Doch haben viele Anleger nur eine vage Vorstellung davon, was Qualität im Zusammenhang mit Aktien bedeutet. Oftmals wird schlichten Bewertungskennziffern wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis eine übergeordnete Bedeutung beigemessen. Eine solche Sichtweise könnte sich in einem von Inflation, Krisen und Unsicherheiten geprägten Umfeld jedoch als ungünstig erweisen.

Hohe Kapitalrenditen

Was also sind Qualitätsaktien? Eines vorweg: Qualität hat in der Regel ihren Preis. Will heißen: Wer hochklassige Aktien will, sollte keine Schnäppchen erwarten. Der Vorzug dieser Titel liegt anderswo: Qualitätsunternehmen sind in der Lage, über den gesamten Geschäfts- und Wirtschaftszyklus hinweg überdurchschnittliche Kapitalrenditen zu erzielen.

Eine zentrale Maßgröße stellt dabei der Roce (Return on Capital Employed) dar. Er setzt den Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Betriebskapital (Bilanzsumme abzüglich des kurzfristigen Fremdkapitals). Mit Hilfe des Roce kann ein Anleger abwägen, wie gut ein Unternehmen sein Kapital einsetzt, um Gewinne zu erzielen. Übertragen auf die Geldanlage würde ein Roce von beispielsweise 20% besagen, dass ein Sparer auf 100 Euro eingesetztes Kapital einen jährlichen Ertrag von 20 Euro erzielt.  

Um den Roce richtig einschätzen zu können, muss allerdings noch ein anderer Faktor berücksichtigt werden: die Fremdkapitalkosten. Denn eine scheinbar noch so erstklassige Rendite des Betriebskapitals ist nur dann wirklich erstklassig, wenn sie die Verzinsung des benötigten Kapitals deutlich übersteigt. Auch hier ein Vergleich mit der Geldanlage: Es macht keinen Sinn, Geld für 10% Zinsen aufzunehmen und dieses dann für 5% anzulegen. In diesem Fall würde logischerweise kein Mehrwert geschaffen. Nichts anderes gilt für Unternehmen.

Neben diesen wichtigen Aspekten gibt es noch weitere Faktoren, durch die sich Qualitätsunternehmen identifizieren lassen. Dazu zählt unter anderem die operative Marge, die als gutes Maß für Kostenkontrolle innerhalb eines Unternehmens gilt. Insbesondere im aktuell vorherrschenden inflationären Umfeld spielt zudem die Preissetzungsmacht von Unternehmen eine wichtige Rolle. Diese beschreibt die Fähigkeit von Unternehmen, Preissteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben und so ihre Margen zu verteidigen. Ebenfalls elementar ist der Verschuldungsgrad, durch den sich die finanzielle Stabilität eines Unternehmens einschätzen lässt. Dieser Kennziffer kommt gerade vor dem Hintergrund der zu erwartenden Zinswende eine hohe Bedeutung zu.

Wenige Titel mit Prädikat

Ein Marktscreening der DZ Bank auf Basis der genannten und weiterer betriebswirtschaftlicher Kennzahlen hat ergeben, dass es nur wenige Unternehmen gibt, deren Anteile dem Prädikat „Qualitätsaktie“ wirklich gerecht werden können. Beispiele hierfür sind Adobe Systems, Microsoft, Alphabet oder Nvidia – allesamt aus den USA.

Besonders gut läuft das Geschäft derzeit bei Nvidia. Der Hersteller von Hochleistungsprozessoren und Grafikkarten hat im Ende Januar abgeschlossenen Geschäftsjahr erstklassige Umsatz-, Gewinn- und Margenzuwächse erzielt. Die Erlöse legten um 61% auf 26,9 Mrd. Dollar zu. Die Bruttomarge erhöhte sich um 260 Basispunkte auf 64,9%. Und beim operativen Gewinn (Ebit) konnte das Unternehmen sogar über eine Verdoppelung auf rund 10 Mrd. Dollar berichten. Nvidia profitiert mit seinen Prozessoren von der immer größer werdenden Nachfrage nach starker Rechenleistung, wie sie etwa für das autonome Fahren oder bei KI-Anwendungen erforderlich ist.

LVMH überzeugt

Doch nicht nur in den USA, auch in Europa lassen sich Qualitätsaktien finden. So zeigen beispielsweise auch Novo Nordisk (Dänemark), Novartis (Schweiz) oder der französische Luxusgüterkonzern LVMH überzeugende Resultate. Letzterer ist dabei Weltmarktführer in der Luxusgüterbranche und hat bekannte Edelmarken wie Louis Vuitton, Dior, Tiffany, Bulgari, Zenith oder Hennessy im Portfolio – um nur einige zu nennen. Bei LVMH erstaunt vor allem, wie schnell sich das Unternehmen von den Lockdowns infolge der Corona-Pandemie erholt hat. Schon im vergangenen Geschäftsjahr steigerte der Pariser Konzern den Umsatz um 44% auf 64,2 Mrd. Euro, was sogar das Vorkrisenniveau des Rekordjahres 2019 um 20% übertraf. Im ersten Quartal des laufenden Jahres legte LVMH mit einem unerwartet starken Erlöszuwachs von 29% noch einmal kräftig nach.

Eine Erfolgsgarantie gibt es zwar auch für Qualitätsaktien nicht. Aber selbst wenn der Kurs mal in die falsche Richtung läuft, hat man als Anleger wenigsten das beruhigende Gefühl, dass solche Unternehmen dank ihrer hohen Kapitalrenditen stetig Werte schaffen. Gerade dieser Punkt sollte dazu beitragen, dass sie in der Lage sind, auch Phasen mit länger anhaltender Inflation und Krisen gut zu überstehen.

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