Chinas Währung

Volatilität des Yuan steigt

Die Aufwertung der chinesischen Währung ist zuletzt ins Stocken geraten. Politische Entwicklungen werden für den Yuan nun zunehmend zum Unruhefaktor.

Volatilität des Yuan steigt

Von Wolf Brandes, Frankfurt

Bei ihrer Reise nach Tianjin am Wochenende hat US-Vizeaußenministerin Wendy Sherman das Ziel verfolgt, weitere Eskalationen mit China zu vermeiden. Die Rede war von einem „verantwortungsvollen Management“ der Beziehungen. Doch gestritten wird weiter und die Wortwahl der kommunistischen Machthaber in Peking fällt eher schärfer aus. Auf der anderen Seite stößt seit einiger Zeit die Expansionspolitik des Reiches der Mitte auf Widerstand.

Das Wechselspiel von Diplomatie und Gepolter kann die Währungsrelation des Dollar zum Yuan stark bewegen. Die jüngste Begegnung fiel in eine Schwächephase der chinesischen Währung, die zuletzt etwas leichter auf 6,4828 Yuan pro Dollar notierte. Ihr Dreijahreshoch hatte die Währung bei 6,3674 Dollar Ende Mai erreicht. Seitdem ist der Trend ins Stocken geraten und die Volatilität der Währung gestiegen. Dennoch bleibt der Kurs der Devise im Vergleich der vergangenen Jahre auf einem hohen Niveau.

US-Verhältnis als Risiko

Das angespannte Verhältnis zu den USA ist mittelfristig ein Risiko für China und für die Wachstumsaussichten des Landes. Für die Amerikaner sind die Chinesen mittlerweile „strategische Konkurrenten“ und angesichts der Spannungen könnten sich die Abwärtstendenzen des Yuan fortsetzen, schreibt die Commerzbank in einer Analyse.

Die Sicht eines schwächeren Yuan ist umstritten. Elke Speidel-Walz, Volkswirtin der DWS, sagt: „Es gibt mehrere handfeste Faktoren, die für eine weitere Aufwertung des Yuan sprechen. Dazu zählen beispielsweise die hohen Exporteinnahmen insbesondere im Handel mit den USA, die im Prinzip einen permanenten Aufwertungsdruck darstellen.“ Diese Meinung teilen die Devisenexperten von Raiffeisen Capital Management: Ronald Schneider glaubt, dass die chinesische Währung längerfristig strukturell eine Aufwertungstendenz haben dürfte, „doch kurzfristig sehe ich wenig Fantasie für einen deutlich steigenden Yuan“.

Währungsmanipulation tabu

Dass es bei der Abwertung des Yuan Grenzen gibt, scheint klar. Jede politische Beeinflussung in diese Richtung würde heftige Reaktionen von Seiten der USA hervorrufen, so DWS-Schwellenländerexpertin Speidel-Walz, zumal sich China im Abkommen mit den USA verpflichtet habe, von Währungsmanipulationen Abstand zu nehmen.

Auch der Einfluss der Kapitalströme auf die Währung verstärkt sich deutlich. China hat die Finanzmärkte weit geöffnet und für internationale Anleger wird es immer einfacher, in die Volksrepublik zu investieren. Hinzu kommt die Berücksichtigung Chinas in den globalen Anleiheindizes, die zu einer stärkeren Allokation führt und damit tendenziell den Yuan aufwerten lässt. Außerdem gibt es weiterhin einen klaren Zinsvorteil von Anlagen in Yuan im Vergleich zum Dollar. Im zehnjährigen Bereich liegt die Rendite der US-Staatsanleihen bei 1,26%, der chinesischen Pendants bei 2,94%. Eine deutliche Renditedifferenz, die dadurch gestützt wird, dass China die Zinsen in diesem Jahr nicht senken dürfte.

Feintuning der Zinspolitik

Zusätzlich hatte die People’s Bank of China (PBOC) die Loan Prime Rate für einjährige Laufzeiten unverändert bei 3,85% belassen. Da der Aufschwung in China aber an Fahrt verliert und die Zentralbank Anfang dieses Monats den Mindestreservesatz gesenkt hat, war zuletzt eine Debatte entbrannt, ob die PBOC ihren geldpolitischen Kurs geändert hat und vom angestrebten Schuldenabbau auf eine Wachstumsförderung übergegangen ist. Die PBOC widerspricht dieser Vermutung.

Auch DWS-Expertin Speidel-Walz sieht in der jüngsten Senkung der Mindestreservesätze durch die Notenbank eher eine Maßnahme, den kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu besseren Kreditkonditionen zu verhelfen. Dabei gehe es um ein kreditpolitisches Feintuning, von einer Lockerung der Geldpolitik sei China weit entfernt.

Beim Wirtschaftswachstum sehen die Zahlen mittlerweile etwas schwächer aus. Das BIP-Wachstums Chinas im zweiten Quartal lag bei 7,9% im Vergleich zum Vorjahr und damit leicht unter den Schätzungen von 8%. Eine Abkühlung in der zweiten Jahreshälfte erscheine unvermeidlich, so die Commerzbank. Viele Indikatoren deuteten darauf hin, dass die Wirtschaft an Schwung verliere. Dies sei vor allem auf die Bemühungen der Behörden zurückzuführen, die hohe Verschuldung der Wirtschaft einzudämmen.

„Angesichts der sich abzeichnenden Wachstumssorgen bleiben wir bei einer moderat bearishen Einschätzung des Yuan. Aus mittelfristiger Sicht sind die Risiken aufgrund der demografischen Herausforderungen und der ungünstigen geopolitischen Dynamik ebenfalls nach unten gerichtet“, so Commerzbank-Analyst Hao Zhou.

Die Währungsanalysten der LBBW erwarten ebenfalls Gegenwind für den Yuan. Eine Ursache sei die „härtere Gangart“ der westlichen Staatengemeinschaft. Dämpfend wirke sich außerdem aus, dass China beim Impftempo anderen Staaten hinterherhinke. Belastend für den Yuan dürfte vor diesem Hintergrund sein, dass nun auch die wirtschaftliche Erholung in anderen Industriestaaten gut vorankommen sollte, kommentiert die LBBW.

Enger Korridor

Unterm Strich sprächen die Argumente weder für eine nachhaltige Auf- noch für eine Abwertung des Yuan. Wahrscheinlich sei, dass sich der Yuan in einem engen Korridor bewegen werde. „Generell ist zu erwarten, dass China versuchen wird, seine Währung stabil zu halten. Allerdings möchte man auch keine implizite Garantie geben, schließlich würde eine vermeintliche Währungssicherheit zusammen mit dem Zinsvorteil hohe und im Extremfall destabilisierende Kapitalzuströme fördern“, sagt Speidel-Walz. Sie glaubt daher, dass China eine weiter höhere Volatilität der Währung anstrebt. „Zu solchen Schwankungen trägt bei, dass die Märkte zum Teil empfindlich auf enttäuschende Daten reagieren, selbst wenn es sich um Basiseffekte handelt.“

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