Food Tech

Investitionen in die Nahrungsmittel von morgen

Innovative Start-ups in der Food-Tech-Branche will Investorin Manon Sarah Littek ausfindig machen. Dafür hat sie den in diesem Jahr erstmals ausgelobten Award als „Best Female Investor“ von KfW Capital erhalten.

Investitionen in die Nahrungsmittel von morgen

Von Sabine Reifenberger,

Frankfurt

Wie lassen sich künftig Lebensmittel erzeugen, ohne dass die Umwelt stark belastet wird? Wie lassen sich Ressourcenschutz und Biodiversität verbessern? Manon Sarah Littek investiert in Start-ups, die Antworten auf diese Fragen suchen. Mit ihrem Green Generation Fund (GGF), den sie gemeinsam mit der Unternehmerin Janna Ensthaler gegründet hat, spezialisiert sie sich auf die Bereiche Food Tech und Green Tech. In diesem Jahr hat Littek als erste Preisträgerin den neu initiierten Preis „Best Female Investor“ von KfW Capital erhalten. Die Beteiligungstochter der KfW ist in GGF auch investiert.

Der 2021 gegründete Fonds setzt auf Early-Stage-Investitionen von Pre-Seed- bis Series-A-Finanzierungsrunden. „Wir hatten unseren First Close nach sechs Monaten bei 53,5 Mill. Euro überzeichnet, Zielgröße waren 40 Mill. Euro Fondsvolumen“, erinnert sich Littek. Im Sommer 2022 schloss der Fonds bei 100 Mill. Euro. Zehn Investments seien bereits getätigt, am Ende sollen 20 bis 25 europäische und US-amerikanische Start-ups Teil des Portfolios sein. Geld bekamen die beiden Gründerinnen unter anderem vom Europäischen Investitionsfonds (EIF), der 25 Mill. Euro beisteuerte, die durch eine EU-Haushaltsgarantie unter dem neuen Invest-EU-Programm besichert sind, sowie von KfW Capital, die mit 10 Mill. Euro beteiligt ist.

Beim Fundraising half der 42-jährigen Littek auch ihr berufliches Netzwerk. Littek startete im Venture-Capital-Umfeld bei der Verlagsgruppe Hubert Burda Media, wo sie insgesamt zwölf Jahre tätig war, zuletzt als Geschäftsführerin von DLD Ventures. 2016 wechselte sie zu Katjes und fand zum Thema Food Tech: Für das Süßwarenunternehmen baute sie den Venture-Capital-Arm Greenfood mit auf, der in die Transformation des Ernährungssystems investierte. „Mein Track Record im Investment-Bereich hat viele überzeugt“, meint sie. Zu den Geldgebern des GGF zählen beispielsweise der Investor Florian Wendelstadt, das britische Family Office Kaltroco, Corecam Capital Partners aus Singapur und Fund of Funds wie Equation oder Aldea.

Fokus auf Food Tech

Mit dem Fokus auf Food Tech verbindet Littek zwei ihrer Interessensgebiete: „Ich habe mich beruflich intensiv mit der Technologiebranche befasst, und das Thema Ernährung beschäftigt mich als Vegetarierin schon seit vielen Jahren persönlich“, erklärt die 42-Jährige. Auf Fleisch verzichtet sie bereits seit ihrer Kindheit – und erinnert sich an viele Restaurantbesuche, bei denen Nudeln mit Sauce ihre einzige Option waren. Seitdem hat sich bereits viel getan, vegetarische oder vegane Alternativen zu Fleisch und Milchprodukten sind inzwischen etabliert. Für Littek sind die Food-Technologien ein wichtiger Baustein, um die Versorgung mit Nahrungsmitteln langfristig zu sichern. Ihre Investments sollen an Unternehmen gehen, die Teil dieser Lösung sind. „Die grüne Revolution, die noch vor wenigen Jahren im Lebensmittelbereich mit nachhaltigkeitsorientierten Marken anfing, erstreckt sich mittlerweile über die gesamte Wertschöpfungskette von Food Produkten und angrenzenden Konsumgütern“, sagt Littek.

Von den rund 100 Mill. Euro Fondsvolumen des GGF sind etwa 12 Mill. Euro bereits investiert, weitere Mittel sind für Follow-ups reserviert. „Etwa ein Drittel des Fonds ist verplant“, erklärt die Co-Gründerin. Investiert hat GGF unter anderem in Vegdog, einen Shop für veganes Hundefutter, in das Start-up Neggst, das vegane Eier produziert sowie in Lypid, das sich auf die Herstellung pflanzen-basierter Fette spezialisiert hat. Die investierten Summen liegen zwischen 100.000 und 4 Mill. Euro, zumeist beteiligt sich GGF mit 10 bis 20 % an den Start-ups.

Dass die Suche nach Investoren im aktuellen Marktumfeld erschwert ist, wie aus anderen Venture-Bereichen zu hören, sieht Littek in ihrem Feld nicht, eher im Gegenteil: „Von den ersten sechs Beteiligungen haben bereits fünf innerhalb des ersten Jahres nach unserem Einstieg erneut Kapital zu höheren Bewertungen eingesammelt“, sagt sie.

Innovationen im Blick

Die Arbeit mit ihrem eigenen Fonds verlangt noch einmal andere Schwerpunkte als die fünf Jahre, in denen sie für Katjes investiert hat. Littek ist den Schritt bewusst gegangen: „Ich war schon immer ein unternehmerischer Typ. Es gefällt mir, frei in den Investitionen zu sein und breit investieren zu können“, erklärt die 42-Jährige.

Besonders dem Ansatz der Präzisionsfermentierung, der Methoden aus Biologie und Informationstechnik verbindet, traut sie großes Potenzial zu, wenn es um die Entwicklung alternativer Lebensmittel geht. Neben Food Tech will sie mit ihrer Co-Gründerin Janna Ensthaler künftig verstärkt in Green-Tech-Themen investieren. Die Frauen kennen sich bereits seit Studientagen. Dass die beiden den Fonds als Co-Gründerinnen führen, ist noch eine Ausnahme, räumt Littek ein – auch wenn Preise wie der Award „Best Female Investor“ dazu beitragen wollen, dies zu ändern.

Erste Entwicklungen in diese Richtung sieht Littek bereits: „Vor zehn Jahren war ich fast immer die einzige Frau am Tisch“, erinnert sie sich. Inzwischen ändere sich das. „Die jüngere Investoren-Generation ist diverser unterwegs.“

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