Konjunktur

Chinas Konjunktur­indikatoren zeigen nach unten

Chinas Frühindikatoren für Oktober deuten auf eine weitere Entschleunigung der chinesischen Wirtschaft hin. Für Unruhe sorgen zudem neue Lockdowns. Nur der Yuan ist für eine Überraschung gut.

Chinas Konjunktur­indikatoren zeigen nach unten

nh Schanghai

Chinas Wirtschaftswachstum hat sich im dritten Quartal mit einem Plus von 3,9% zwar etwas robuster dargestellt als von den Experten erwartet, der weitere Ausblick stellt sich angesichts einer manifesten Konsumschwäche und absehbarer Dynamikverluste im Außenhandel dennoch trüb dar. Die konjunkturellen Frühindikatoren für Oktober jedenfalls geben keinen Anlass für Optimismus. Vielmehr weisen die vom Datenanbieter Bloomberg regelmäßig verfolgten acht Indikatoren zur ersten Einschätzung des konjunkturellen Trends in einem neuen Monat auf eine Entschleunigung hin.

Besonders schwach stellt sich das Stimmungsbarometer für kleinere Privatunternehmen dar. Hier ist der von der Großbank Standard Chartered aufgestellte China Small Business Confidence Index erstmals seit Mai wieder ins Schrumpfungsterritorium übergegangen. Auch weitere Indikatoren für das Geschäftsklima bei Chinas Privatunternehmen zeigen nach unten, wobei vor allem eine schwache Konsumnachfrage ausschlaggebend zu sein scheint. Nach wie vor leiden insbesondere Dienstleister aus der Reise- und Cateringbranche unter Corona-Restriktionen sowie einer starken Zurückhaltung der Verbraucher. Ein entsprechender Index hat sich auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020 zurückgebildet.

Neue Lockdowns

Ein Frühindikator für die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes weist im direkten Vergleich zum Vormonat einen erheblichen Einschnitt auf. Hier sieht man den niedrigsten Indexstand seit Februar 2020, als China nach dem ersten Ausbruch der Corona-Pandemie in der Großstadt Wuhan einen kapitalen Wirtschaftsschock erlitt. Bezeichnenderweise machte am Mittwoch die Nachricht die Runde, dass Wuhan zu einer Reihe von Großstädten in China gehört, die nach neuerlichen Corona-Ansteckungsfällen wieder harte Restriktionen mit der Abriegelung von einzelnen Wohngebieten oder auch ganzen Stadtteilen einleiten. In Wuhan wurde nach der Entdeckung von insgesamt 18 neuen Ansteckungsfällen ein Stadtbezirk mit fast einer Million Einwohnern auf unbestimmte Zeit in den Lockdown geschickt und abgeriegelt. Auch in Schanghai sind seit vergangener Woche Dutzende von großen Wohnanlagen allein wegen des Aufenthalts von möglichen Kontaktpersonen identifizierter Ansteckungsfälle abgeriegelt und mit mindestens einwöchigen Ausgangssperren versehen worden.

Die Gefahr einer neuerlichen Restriktionswelle in China hat sich am Mittwoch auch auf das Aktienmarktgeschehen ausgewirkt und eine anfängliche Rallybewegung an den Märkten in Schanghai und Hongkong wieder weitgehend abgewürgt. Als positive Überraschung gilt allerdings eine Unterbrechung der zu Wochenbeginn neu angeheizten Baisse des chinesischen Yuan gegenüber dem Dollar.

Dabei trugen staatskontrollierte chinesische Großbanken auf Anordnung der Zentralbank mit massiven Dollarverkäufen wesentlich dazu bei, den Yuan-Kurs im Schanghaier Spothandel wie auch im Hongkonger Offshoremarkt wieder aufzurichten. Nachdem die chinesische Devise am Dienstag bei 7,31 Yuan je Dollar auf ein Vierzehnjahrestief zurückgefallen war, legte sie am Mittwoch sehr deutlich um 1,3% auf 7,17 Yuan pro Dollar zu.

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