Konjunktur

Deutsche Wirtschaft im Winterblues

Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat zum Jahresende eine Pause eingelegt. Anders sieht es in Frankreich und Spanien aus: Hier übertraf das Wachstum die Erwartungen.

Deutsche Wirtschaft im Winterblues

ba Frankfurt

Die Coronavirusvarianten Delta und Omikron, die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen und die Materialengpässe haben die deutsche Wirtschaft zum Jahresende merklich ausgebremst. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Schlussabschnitt 2021 um 0,7% zum Vorquartal steht dabei im Kontrast zum Wachstum von 0,7% der französischen Wirtschaft sowie dem Plus von 2,0% in Spanien. Ökonomen hatten trotz der Vorwarnung des Statistischen Bundesamtes (Destatis), dass das BIP um 0,5 bis 1% geschrumpft sein dürfte, nur ein Minus von im Schnitt 0,3% erwartet. Dennoch halten sie am Bild eines kräftigen Aufschwungs ab dem Frühjahr fest – wenn die Infektionszahlen sinken, sich der Lieferkettenstress zumindest etwas zu lösen beginnt und damit die rekordhohen Auftragsbestände der Industrie abgearbeitet werden können. Erste Anzeichen dafür lieferten jüngst die Einkaufsmanagerumfrage sowie das Ifo-Geschäftsklima.

Bundeswirtschaftsminister Ro­bert Habeck (Grüne) erwartet mit Blick auf den vergangene Woche vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht, dass die Dynamik zu Jahresbeginn wegen der anhaltenden Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung noch eingeschränkt ist, zeigte sich aber zuversichtlich für 2022. „Wir haben eine robuste Wirtschaft und einen stabilen Arbeitsmarkt.“ In diesem Jahr werde die Konjunktur um 3,6% und 2023 dann um 2,3% zulegen. 2021 war das BIP noch um revidiert 2,8 (zuvor: 2,7)% gestiegen, konnte damit aber den Einbruch von 4,6% im Coronajahr 2020 noch nicht wieder wettmachen. Auf Quartalsebene ist es zum Vorkrisenniveau vom vierten Quartal 2019 noch ein Rückstand von 1,6%. Im Vergleich zum Schlussabschnitt 2020 lag das BIP Ende 2021 aber um 1,4% höher.

Laut den Wiesbadener Statistikern nahm insbesondere der private Konsum im Vergleich zum Vorquartal ab. Die staatlichen Konsumausgaben hingegen legten zu. Die Bauinvestitionen gingen im Vergleich zum Sommer ebenfalls zurück. Ökonomen hatten dies auf Basis der ersten Schnellmeldung zum Jahr 2021 bereits so erwartet. Details zum vierten Quartal will Destatis am 25. Februar veröffentlichen.

„Der Abwärtssog war gewaltig. Die deutsche Wirtschaft steckte in der Corona- und Materialmangelfalle fest“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank den BIP-Rückgang seit dem ersten Quartal 2021. Es wird gemeinhin erwartet, dass auch das laufende erste Quartal noch von der Corona-Pandemie belastet sein wird und der deutschen Wirtschaft somit eine technische Rezession – als zwei Minus-Quartale in Folge – ins Haus steht. Sollte es so kommen, werde diese „mild und kurzlebig sein und dem Arbeitsmarkt wahrscheinlich nicht schaden“, sagte ING-Chefökonom Carsten Brzeski. Wobei aber geopolitische Risiken die folgende Wachstumsparty noch stören könnten. Weiteres Rückschlagspotenzial werden neuen Virusmutationen sowie erneuten Produktionsstätten- und Hafenschließungen in China wegen der Pekinger Nulltoleranzstrategie zugesprochen.

Die nach Deutschland zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften sind dynamischer durch das vierte Quartal gekommen. Laut Statistikamt Insee kletterte Frankreichs BIP im Gesamtjahr 2021 mit 7,0% so stark wie seit 1969 nicht mehr. Das Plus von 0,7% zum Jahresende übertraf die erwarteten +0,5%, vor allem wegen der ausgabefreudigen Verbraucher. Frankreichs Wirtschafte habe „sich spektakulär erholt, und das hat die Wirtschaftskrise ausgelöscht“, sagte Finanzminister Bruno Le Maire im Fernsehsender France 2. Es gebe aber immer noch einige Bereiche, die Probleme hätten, wie der Tourismus und die Hotellerie.  

Auch die spanische Wirtschaft übertraf Ende letzten Jahres mit +2,0% die Erwartungen von 1,4%, insbesondere wegen des Anstiegs der Investitionen und einer starken Exportnachfrage. Der Privatkonsum bremste. Für das Gesamtjahr weist das Statistikamt Ine ein Plus von 5,2% aus – nachdem das BIP 2020 noch um 10,8% eingebrochen war.

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