Verbraucherpreise

Euro-Inflation schwächt sich kaum ab

Die Euro-Inflation ist im Januar zwar zurückgegangen, jedoch schwächer als von Ökonomen erwartet. Von der Entwicklung der Kerninflation gehen unterschiedliche Signale an die EZB aus.

Euro-Inflation schwächt sich kaum ab

Inflation schwächt sich kaum ab

Gesamt- und Kernrate sinken in der Eurozone um 0,1 Prozentpunkte

mpi Frankfurt
Von Martin Pirkl, Frankfurt

Die Euro-Inflation ist im Januar zwar wieder zurückgegangen, jedoch schwächer als von Ökonomen erwartet. Von der Entwicklung der Kerninflation gehen unterschiedliche Signale an die Europäische Zentralbank (EZB) aus. Eine Mehrheit von Volkswirten ist von den Januar-Zahlen jedoch eher enttäuscht.

Der Preisdruck in der Eurozone lässt zum Jahresauftakt nach, bleibt aber höher als von den meisten Ökonomen prognostiziert. Die Inflationsrate sank im Januar von 2,9 auf 2,8%. Dies teilte Eurostat in einer Schnellschätzung mit. Auch der zugrunde liegende Inflationsdruck gemessen an der Kernrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise ist um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3% gefallen.

Der erneute Rückgang der Kernrate ist auf der einen Seite ein ermutigendes Signal für die Europäische Zentralbank (EZB), da er andeutet, dass sich die Teuerung in den kommenden Monaten weiter in die richtige Richtung bewegen sollte. Andererseits hatten Ökonomen mehrheitlich mit einem Rückgang der Kernrate auf 3,2% gerechnet. Insofern zeigen die Zahlen auch, dass der Weg zum 2-Prozent-Ziel der EZB bei der Gesamtrate länger sein könnte als angenommen.

Hohe Inflation im Dienstleistungssektor

Darauf deutet auch die Entwicklung der Inflation im Dienstleistungssektor hin. Diese stagnierte im Januar bei 4,0%. Sowohl Umfragen unter Unternehmen zu ihren Preisplänen für die kommenden Monate als auch die Lohnentwicklung in der Eurozone sprechen eher gegen einen deutlichen Rückgang der Inflation in diesem Bereich in der näheren Zukunft. „Vergessen wir nicht, dass sowohl in der PMI-Umfrage als auch in der Wirtschaftsstimmungsumfrage der Europäischen Kommission die Verkaufspreiserwartungen bereits seit mehreren Monaten steigen“, sagte ING-Ökonom Peter Vanden Houte. „Mit anderen Worten: Eine Fortsetzung des Abwärtstrends der Kerninflation kann noch nicht als selbstverständlich angesehen werden.“

Eine Mehrheit der Ökonomen rechnet allerdings damit, dass die Kernrate im weiteren Jahresverlauf ein gutes Stück fallen sollte. Die Januar-Rate kommt bei vielen Volkswirten jedoch als eine Enttäuschung daher. Nicht so bei Commerzbank-Ökonom Christoph Weil, der in den Fokus rückt, dass sie überhaupt gefallen ist. „Die Tauben im EZB-Rat dürften sich bestätigt fühlen in der Forderung nach raschen Zinssenkungen“, schlussfolgert er. Gleichzeitig warnt er die EZB angesichts der steigenden Lohnkosten davor, die Zinsen bereits im Frühjahr zu senken.

Debatte um Zinssenkungen

Aussagen einiger EZB-Ratsmitglieder – unter ihnen Notenbankchefin Christine Lagarde – sprechen gegen eine Zinssenkung vor Juni. Mehrfach haben Notenbanker die Relevanz der Lohnentwicklung für den Inflationsausblick betont, da für viele Arbeitnehmer in der Eurozone Tarifverhandlungen laufen. Die Daten für das erste Quartal werden jedoch nicht vor der Juni-Sitzung der EZB vorliegen.

Auf der anderen Seite vermied Lagarde auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid in der vergangenen Woche bewusst auf mehrfache Nachfragen von Journalisten, eine erste Zinssenkung bereits im Frühling auszuschließen. In den vergangenen Tagen meldeten sich einige Ratsmitglieder zu Wort, die ebenfalls angesichts der hohen Unsicherheit bezüglich der Entwicklung der Inflation und der Konjunktur nichts ausschließen wollten.

Unter ihnen war mit dem slowakischen Notenbankpräsidenten Peter Kazimir auch ein Falke, also ein Vertreter einer eher restriktiven Geldpolitik. Er halte eine Zinssenkung im April für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen.

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