Energiepolitik

Frankreich will erneuerbare Energien vorantreiben

Frankreich hat bei erneuerbarer Energie deutlichen Nachholbedarf, da es bisher zu stark auf Atomkraft gesetzt hat. Der erste Offshore-Windpark soll erst Ende des Jahres voll einsatzfähig sein.

Frankreich will erneuerbare Energien vorantreiben

wü Paris

Frankreichs Regierung will den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und dafür nach der Sommerpause einen entsprechenden Gesetzentwurf präsentieren. Denn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat deutlichen Nachholbedarf. Immerhin hat sie als einziges Land der Europäischen Union ihr Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien im Jahr 2020 verfehlt, während andere Nationen wie Schweden es sogar übertroffen haben. Eigentlich sollte der Anteil erneuerbarer Energien in Frankreich dann 23% betragen. Stattdessen lag er bei gerade mal 19%. Der erste Offshore-Windpark des Landes entsteht gerade erst vor Saint-Nazaire. Er soll Ende des Jahres voll einsatzfähig sein.

Angesichts der Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Energieversorgung sieht die Regierung von Präsident Emmanuel Macron nun dringenden Handlungsbedarf, diesen Rückstand aufzuholen. Zumal sich jetzt auch die Abhängigkeit von den 56 Atomreaktoren des Landes rächt. Ende Juli stand nach Angaben des Thinktanks Ifrap gut die Hälfte davon still. Grund sind neben Wartungsarbeiten Korrosionsprobleme, die vertiefte Überprüfungen der Reaktoren erforderlich machen. Wegen der Dürre und der hohen Temperaturen, unter denen Frankreich in diesem Sommer leidet, musste Stromversorger EDF (Électricité de France) zudem die Produktion einiger Reaktoren drosseln.

Der Gesetzentwurf, den die Regierung nun vorbereitet, zielt vor allem darauf ab, die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen zu beschleunigen, allen voran die von Offshore-Windparks und Solaranlagen. Dafür sollen auch die notwendigen Genehmigungsverfahren verkürzt werden. Denn nach Angaben der Regierung dauern sie derzeit im Schnitt fünf Jahre für Solaranlagen, sieben für Windparks an Land und zehn Jahre für Offshore-Windparks.

Neben dem Bau von mindestens sechs EPR-Druckwasserreaktoren der neuen Generation will Präsident Emmanuel Macron bis 2050 auch 50 Offshore-Windparks mit einer Leistung von 40 Gigawatt (GW) bauen lassen und die Zahl der installierten Solaranlagen verzehnfachen, so dass sie dann auf 100 GW kommen. Marine Le Pen vom rechtsextremen Rassemblement National, der inzwischen 89 Sitze in der Nationalversammlung hat, ist Gegnerin von Windkraft und Solarenergie und will ihren Ausbau stoppen.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.