Brasilien

Notenbank erhöht erneut den Leitzins

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat Brasiliens Zentralbank den Leitzins erhöht. Der geldpolitische Ausschuss (Copom) hob den Selic von 2,75% auf 3,5% an und stellte gleichzeitig eine erneute Erhöhung um 75 Basispunkte in der nächsten Sitzung in...

Notenbank erhöht erneut den Leitzins

af Buenos Aires

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat Brasiliens Zentralbank den Leitzins erhöht. Der geldpolitische Ausschuss (Copom) hob den Selic von 2,75% auf 3,5% an und stellte gleichzeitig eine erneute Erhöhung um 75 Basispunkte in der nächsten Sitzung in Aussicht.

Darüber hinaus teilten die Notenbanker mit, dass „ein gewisses Maß an geldpolitischem Stimulus während der wirtschaftlichen Erholung beibehalten wird“. Zukünftige Schritte werden davon abhängen, wie sich die wirtschaftliche Situation in dem von der Pandemie und politischer Konfrontation getroffenen Land entwickelt. Der Selic hatte im Juli 2015 mit 14,25% seinen Höchststand erreicht und wurde seit 2016 sukzessive gesenkt bis hin zum Rekordtief von 2%, das im Vorjahr erreicht wurde. Im April wurden die Zinszügel erstmals wieder gestrafft – um 75 Basispunkte (siehe Grafik).

Die Leitzinserhöhung inmitten einer wirtschaftlichen Stressphase ist vor allem eine Reaktion auf die massiv gestiegene Inflation. Insbesondere die große Nachfrage nach Lebensmitteln, aber auch nach fossilen Brennstoffen hat die Preise für Nahrungsmittel und Treibstoffe deutlich angetrieben – zu einem Zeitpunkt, zu dem die Regierung nicht mehr wie im Vorjahr mit großzügigen Ausgleichszahlungen antworten konnte. Darum hat die vehemente zweite Viruswelle, die in den ersten vier Monaten des Jahres 2021 schon mehr Menschenleben forderte als im gesamten Jahr 2020, in vielen Teilen des Landes Verarmung und sogar Hunger ausgelöst. Wegen der konfusen Seuchenbekämpfungs- und einer defizitären Impfstrategie fehlen der Wirtschaft notwendige Sicherheiten für Investitionen. Ausländische Anleger haben ihre Brasilien-Portfolios reduziert, was dazu führt, dass die Landeswährung Real ihr Tief aus dem Jahr 2020 kaum aufholen konnte.

Der Copom wiederholte zwar seine Einschätzung vom April, dass die aktuellen „Inflationsschocks vorübergehend“ seien, bekräftigte aber auch, dass er „deren Entwicklung weiter genau beobachtet“. Nach der Sitzung am Mittwoch stellte das Komitee auch ein Basisszenario für die Inflationsentwicklung im kommenden Jahr vor. Dieses geht von einer Preiszunahme von 3,4% aus. In diesem Szenario liegt der Selic Ende 2021 bei 5,5%. Ende 2022 wird er bei 6,25% angesetzt.

In puncto wirtschaftlicher Aktivität glaubt die Zentralbank, dass sich die Indikatoren „besser als erwartet entwickeln, obwohl die zweite Welle der Pandemie intensiver war als angenommen“. Viele Ökonomen gehen nicht davon aus, dass der Absturz der Wirtschaftsleistung von 4,1% vom Vorjahr ausgeglichen werden kann. Die Notenbank glaubt, dass die Unsicherheit „immer noch größer sein wird als üblich, aber sie sollte allmählich auf ein normales Niveau zurückkehren“. Mit Blick auf das globale Konjunkturbild fürchten die Währungshüter, dass „Markt­diskussionen über Inflationsrisiken in den entwickelten Volkswirtschaften zu einem schwierigeren Umfeld für die Schwellenländer führen“ könnten.

Seine nächste Sitzung wird der Währungsausschuss am 15. und 16. Juni abhalten.