Großhandel

Schwacher Euro setzt Importeuren zu

Der Chef des Großhandelsverbands BGA Dirk Jandura fordert die Europäische Zentralbank zu einem „beherztem Zinsschritt“ auf. Die Inflation droht das satte Umsatzplus aufzufressen.

Schwacher Euro setzt Importeuren zu

rec Frankfurt

Die hohe Inflation und der schwächelnde Euro machen den deutschen Großhändlern zu schaffen. Der Bundesverband BGA rechnet zwar mit einem satten Umsatzplus in diesem Jahr, inflationsbereinigt werde davon aber kaum etwas übrig bleiben. Teilweise macht BGA-Chef Dirk Jandura dafür auch die Entwicklung des Euro verantwortlich: Im Exportgeschäft hätten die Unternehmen nicht viel vom günstigen Euro. „Aber wir spüren es dramatisch auf der Importseite“, sagte Jandura laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Die europäische Gemeinschaftswährung ist auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten abgerutscht. Phasenweise notiert der Euro unter der Parität zum Dollar. Rohöl und andere Energieträger werden häufig in Dollar abgewickelt, was die Kosten der Unternehmen treibt. In der Hoffnung auf eine Erholung des Euro richtet Jandura daher einen Appell an die Europäische Zentralbank (EZB): Der BGA-Chef dringt auf einen „beherzten Zinsschritt“ am nächsten Donnerstag. „Das kann die letzte Möglichkeit sein, überhaupt noch Zinsen zu erhöhen und damit etwas gegen die Inflation zu tun“, sagte Jandura.

Die kräftigen Umsatzzuwächse im Großhandel drohten in diesem Jahr von der hohen Inflation komplett aufgezehrt zu werden, warnt der BGA. Zwar dürften die Einnahmen um etwa 15% auf den Rekordwert von 1700 Mrd. Euro zulegen. Inflationsbereinigt sieht es aber wesentlich schlechter aus. „Real, und das ist der wichtigste Wert, rechnen wir mit einer nachlassenden wirtschaftlichen Dynamik und somit mit einer Tendenz in Richtung null, wenn nicht gar darunter“, sagte Jandura. „Wenn nominale und reale Umsätze so weit auseinanderlaufen, ist diese Entwicklung alarmierend.“

Drei von vier Unternehmen im Großhandel drücken laut einer BGA-Umfrage steigende Preise. 80% der Großhändler seien von Erschwernissen in der Gasversorgung zur Erzeugung von Strom und Wärme betroffen. Folge: Die Geschäftserwartungen sind laut BGA um 26 Punkte eingebrochen und liegen mit 76 Zählern fast so niedrig wie zu Beginn der Corona-Pandemie.

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