LeitartikelWachstumsunternehmen

Zalando & Co. geht die Puste aus

Die einstigen Börsenstars Zalando, Delivery Hero und Hellofresh, die stark von der Corona-Pandemie profitierten, sind zu Mid Caps geschrumpft. Eine Rückkehr zu früherer Stärke ist nicht in Sicht.

Zalando & Co. geht die Puste aus

Wachstumsfirmen

Dem Nachwuchs geht die Puste aus

Von Helmut Kipp

Die einstigen Börsenstars Zalando, Delivery Hero und Hellofresh sind zu Mid Caps geschrumpft. Eine Rückkehr zu früherer Stärke ist nicht in Sicht.

Nun könnte es auch noch Zalando erwischen. Am 5. März entscheidet sich, ob der Online-Modehändler den Dax verlassen muss oder nicht. Falls die Notierung weiter schwächelt, könnte die Aktie auf einem Abstiegsplatz landen. Dann wäre der Weg frei für eine Rückkehr der Lufthansa. Im Falle eines Abstiegs nähme Zalando einen ähnlichen Weg wie der Essenslieferdienst Delivery Hero und der Kochboxenverkäufer Hellofresh. Diese drei Unternehmen galten vor Jahren als Leuchtsterne der deutschen Start-up-Szene und krönten ihren Aufstieg mit dem Sprung in den Dax. Insbesondere Zalando wurde eine schwergewichtige Rolle im deutschen Leitindex zugetraut.

Aus dem Stall von Rocket Internet

Das Trio ist etwa gleich alt: Zalando wurde 2008 gegründet, Delivery Hero und Hellofresh 2011. Alle drei stammen aus dem Stall des Start-up-Finanzierers Rocket Internet, der die Firmen früh an die Börse pushte, aber schon lange nicht mehr investiert ist. Sie betreiben ein B2C-Geschäftsmodell, das hohe Ausgaben für Marketing erfordert, um Verbraucher immer neu zu Bestellungen zu animieren, und für Logistik, um die Ware zum Kunden zu bringen. Für die Corona-Pandemie waren die drei perfekt positioniert. Geschäfts- und Restaurantschließungen sowie Kontaktbeschränkungen führten zu einem ungeahnten Nachfrageboom und zu einer Vervielfachung der Aktienkurse. Es folgten die Wachstumsabschwächung bis hin zur Stagnation und der tiefe Fall an der Börse.

Schnell wieder raus

Delivery Hero schaffte als Erster im August 2020 den Sprung ins Börsen-Oberhaus als Nachfolger der Skandalfirma Wirecard, obwohl der Lieferdienst damals noch tief im Verlust steckte und erst jetzt operativ in die Profitabilität vorstößt, wenn auch nur auf Basis des bereinigten Ebitda, bei dem nicht nur Abschreibungen und Zinsaufwand unberücksichtigt bleiben, sondern auch Faktoren wie die Vergütung des Managements in Aktienoptionen. Im September 2021, mit der Dax-Erweiterung von 30 auf 40 Unternehmen, folgten Zalando und Hellofresh. Die damalige Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sprach vollmundig von einer „Zeitenwende für Berlin“. Doch die Freude währte kurz. Delivery Hero musste den Dax nach zwei Jahren wieder verlassen. Hellofresh hielt sich sogar nur ein Jahr in der ersten Liga. Nun steht die Zugehörigkeit des letzten Verbliebenen, nämlich Zalando, auf der Kippe.

Kernproblem Ertragsschwäche

Der Zalando-Börsenwert ist zeitweise auf weniger als 5 Mrd. Euro kollabiert. Notierte die Aktie zu Spitzenzeiten noch oberhalb von 100 Euro, sind es aktuell um die 20 Euro. Selbst beim Börsengang im Jahr 2016 war die Aktie mehr wert, nämlich 21,50 Euro. Das Kernproblem ist die Ertragsschwäche: Der Onlineverkäufer ist gescheitert, die Skalenvorteile durch die stark ausgeweitete Umsatzbasis in eine nachhaltig erhöhte Marge umzusetzen. Die bisher höchste Rendite vor Zinsen, Steuern und Sonderfaktoren hat Zalando mit 5,9% bereits 2016 erreicht. 2022 war der Umsatz fast dreimal so hoch, aber es kam nur eine kümmerliche Marge von 1,8% heraus. 2023 könnten infolge des Sparprogramms wenigstens gut 3% erreicht worden sein. Neben den irrwitzig hohen Retouren – im Fashionhandel geht etwa jedes zweite Paket zurück – hängt die Margenflaute vor allem mit der starken Konkurrenz durch stationäre Geschäfte, Onlineshops der Textilketten und andere Onlineverkäufer wie About You und neuerdings verstärkt Shein aus China zusammen.

Intensiver Wettbewerb

Delivery Hero und Hellofresh bewegen sich ebenfalls in intensivem Wettbewerb. Sie konkurrieren nicht nur mit anderen Food-Plattformen, sondern auch mit Restaurants und Selbstabholern und letztlich mit dem gesamten Lebensmittelhandel. Abgesehen davon, dass Delivery Hero fertig zubereitete Mahlzeiten und Hellofresh nur die Zutaten für Gerichte verkauft, der Besteller also selbst kochen muss, unterscheiden sich die Geschäftsmodelle wenig. Sie nähern sich sogar an, weil Hellofresh inzwischen auch Fertigessen vertreibt. Beide Aktien kamen 2017 an die Börse. Sie sind im Vergleich zu ihren besten Zeiten um mehr als 80% abgestürzt. Hellofresh notiert wenigstens noch ein Stück über dem Ausgabepreis, während Delivery Hero darunter liegt. An eine Rückkehr in den Dax ist bei solchen Kursen nicht zu denken.