Aufsichtsratssitzung

5,1 Mill. Euro Boni für Commerzbank-Manager

Für das erste Jahr der Restrukturierung wird die Commerzbank wohl keine Dividende ausschütten, doch CEO Manfred Knof und das übrige Management bekommen einen Bonus.

5,1 Mill. Euro Boni für Commerzbank-Manager

Von Anna Sleegers, Frankfurt

Der als Sanierer angetretene Commerzbank-Chef Manfred Knof wird für sein erstes Jahr im Amt einen Bonus kassieren. Wie am Mittwoch in Anschluss an die Aufsichtsratssitzung bekannt wurde, hat das Gremium grünes Licht für Bonuszahlungen in Höhe von insgesamt 5,1 Mill. Euro an die Mitglieder des Commerzbank-Vorstands gegeben. Den einen oder anderen Aktionär dürfte das ärgern. Immerhin sieht es nach den bisherigen Aussagen des Managements so aus, als ob die Anteilseigner frühestens im kommenden Jahr mit einer Dividendenausschüttung für 2022 rechnen dürfen.

Wie die Bonuszahlungen zwischen den Vorstandsmitgliedern verteilt werden, steht offenbar noch nicht im Detail fest. Darüber soll erst auf der nächsten Aufsichtsratssitzung im März entschieden werden. Offenbar entfallen bei Knof, der vor gut einem Jahr von der Deutschen Bank zur Commerzbank gewechselt ist, ein deutlich höherer Anteil der Vergütung auf variable Bestandteile als bei seinem Vorgänger Martin Zielke. Dieser hatte für 2020, seinem letzten Jahr im Amt, eine Gesamtvergütung von 1,8 Mill. Euro erhalten. Dabei hatte es sich jedoch ausschließlich um eine Festvergütung gehandelt, die Nebenleistungen wie die Arbeitgeberanteile für das Branchenversorgungswerk BVV in Höhe von 151000 Euro beinhaltete. Einen Bonus erhielt Zielke für 2020 nicht, was angesichts des Konzernverlusts von 2,9 Mrd. Euro, den die Commerzbank auswies, nicht weiter überrascht.

Für das Geschäftsjahr 2019, das die Commerzbank mit einem Konzerngewinn von 585 Mill. Euro ab­schloss, beliefen sich Zielkes Gesamtbezüge auf 2,65 Mill. Euro. Der darin enthaltene Bonus lag trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs mit 800 000 Euro doppelt so hoch wie im Jahr davor. Eine Dividende zahlte das Institut auch damals nicht. Seit der Finanzkrise hat die Commerzbank überhaupt erst zweimal ausgeschüttet. Für 2018 und 2015 gab es jeweils 20 Cent pro Aktie.

Vertrauensvorschuss für Knof

Auch wenn die Commerzbank im ersten Jahr unter Vorstandschef Knof die meisten der selbstgesteckten Ziele erreicht hat, ist die nun beschlossene Bonuszahlung daher ein Vertrauensvorschuss. Dass er diesen einfordern werde, hatte der Manager be­reits in einem „Handelsblatt“-Interview deutlich ge­macht, in dem er mit Verweis auf die Erfolge bei der Neuaufstellung der Bank und den zu erwartenden Jahresgewinn einen Boniverzicht des Vorstands ausschloss.

Die Fluktuation im Vorstand einzudämmen, steht offensichtlich nicht in Zielen des Vorstandschefs. Jedenfalls kündigte Arbeitsdirektorin Sabine Schmittroth am Mittwoch an, das Institut mit Ablauf ihres Vertrags zum Jahresende zu verlassen. Zielke eingerechnet, ist es das fünfte Mitglied des zurzeit siebenköpfigen Top-Managements, das in den vergangenen anderthalb Jahren ging oder gegangen wurde. Nach Privatkundenchef Michael Mandel (September 2020), Firmenkundenchef Roland Boekhout (November 2020) hatte zuletzt Chief Operating Officer Jörg Hessenmüller (September 2021) seinen Rückzug angekündigt.

Dabei hatte Aufsichtsratschef Helmut Gottschalk anlässlich der Beförderung von Finanzvorständin Bettina Orlopp zur stellvertretenden Vorsitzenden im Juni 2021 noch das Ziel ausgegeben, Kontinuität und Stabilität im Vorstand zu sichern: „Das gewährleisten wir, indem wir Leistungsträger längerfristig an die Commerzbank binden und eine weitere Verstärkung des Vorstands, der das volle Vertrauen des Aufsichtsrats genießt, in die Wege leiten.“ Von Kontinuität kann nicht wirklich die Rede sein. Tatsächlich gehört das dienstälteste Mitglied, Risikochef Marcus Chromik, dem Vorstand der Commerzbank gerade einmal seit sechs Jahren an.

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