Fluggesellschaft

Lufthansa-Personalchef bringt sich in Position

Wann immer man Michael Niggemann in diesen Tagen trifft, verbreitet er Zuversicht. Ohne diese könne man seinen Job nicht machen, betonte der Personalvorstand der Lufthansa noch am Montagabend.

Lufthansa-Personalchef bringt sich in Position

Von Lisa Schmelzer, Frankfurt

Wann immer man Michael Niggemann in diesen Tagen trifft, verbreitet er Zuversicht. Ohne diese könne man seinen Job nicht machen, betonte der Personalvorstand der Lufthansa noch am Montagabend und radelte davon. Lange dürfte die Erholung nach der Fahrt durch die laue Sommernacht indes nicht angehalten haben; nur zwei Stunden später verschickte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ihre Streikankündigung. Mit der Nachtruhe war es dann für Lufthansa-Manager wohl vorbei, denn nach einer Streikankündigung muss erst einmal schnell alles versucht werden, um trotz Arbeitskampf möglichst viele Flüge anbieten zu können. Und der Personalverantwortliche muss sich zudem überlegen, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gibt, die Arbeitsniederlegung zu verhindern. Niggemann und seinem Team ist das gelungen, beide Seiten kamen noch einmal zu Verhandlungen zusammen, schon am Nachmittag waren die Streiks vom Tisch. Man hat sich geeinigt, unterschrieben ist allerdings noch nichts, Grund für Zuversicht gibt es aber nun tatsächlich.

Einiges zu verteilen

Anders als seine Vorgängerin Bettina Volkens beim Tarifkonflikt 2016 hat der 48-jährige Jurist dieses Mal einiges zu verteilen. Denn Konzernchef Carsten Spohr, der in der letzten Auseinandersetzung mit den Piloten mit harten Bandagen gekämpft hatte, zeigt sich dieses Mal spendierfreudig: In Zeiten einer dermaßen hohen Inflation seien deutliche Gehaltssteigerungen „absolut angemessen“, hatte er noch am Montagabend betont. Das gelte vor allem in den unteren Einkommensstufen, aber auch die Flugzeugführer sollen üppig be­dacht werden.

Schon immer waren die Personalverantwortlichen der Fluggesellschaft wegen der großen Streikfreude ihrer Mitarbeiter besonders gefordert, doch seit Niggemann das Amt Anfang 2020 übernommen hat, kommt es knüppeldick. Die Coronakrise hat den Flugverkehr in den Monaten nach seinem Amtsantritt nahezu zum Stillstand gebracht, mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes versuchten der Arbeitsdirektor und sein Team, möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Dann kam der Nachfrageschub in diesem Sommer, der das System Luftverkehr an seine Grenzen brachte – und mit ihm die Lufthansa, die wohl während der Corona-Pandemie doch zu viele Mitarbeiter nach Hause geschickt hatte.

Während der turbulenten Coronazeit wurden auch Fehler gemacht, das gibt der Lufthansa-Vorstand unumwunden zu. Da ist etwa die sogenannte Perspektivvereinbarung mit den Piloten, die 2017 von Niggemann federführend ausgearbeitet worden war und die der Konzern Ende 2021 einseitig kündigte. Man werde die dort zugesagte Mindestgröße für die Flotte angesichts der Pandemie nicht einhalten können, so die Begründung damals. Der Sommer 2022 kam und mit ihm die fulminante Nachfrage nach Flugreisen. Nun suchte Lufthansa händeringend Personal. „Wir haben damals – noch mitten in der Omikron-Welle – die Erholung des Flugverkehrs pessimistischer gesehen“, sagt Niggemann Anfang August. „Dennoch hätten wir statt der Kündigung eine temporäre Lösung verhandeln sollen, wie beispielsweise eine mittelfristige krisenbezogene Absenkung der Flottenzusage. Das wäre besser gewesen.“

Kann Niggemann, der seit 2007 für den Lufthansa-Konzern arbeitet, den Konflikt mit den Piloten nun befrieden, würde das vermutlich auch seine eigenen Perspektiven verbessern. Der eher zurückhaltende Auftritt des gebürtigen Dortmunders sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er um eine starke Position im Vorstand bemüht ist. Dort ist er mit meinungsstarken Kollegen wie Harry Hohmeister oder Detlef Kayser konfrontiert, die indes im Vergleich zu Niggemann einen entscheidenden Nachteil haben. Sie sind zu alt, um sich dereinst für eine Nachfolge Spohrs an der Konzernspitze ins Spiel zu bringen. Aussichtsreiche andere Kandidaten wie der ehemalige Austrian-Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech haben den Konzern wegen mangelnder Karriereperspektiven verlassen, so dass die Schar möglicher Spohr-Nachfolger kleiner geworden ist.

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