Schweres Erbe

Paypal-CEO Schulman tritt ab

Der Zahlungsdienstleister Paypal verliert in schwierigen Zeiten seinen Vorstandschef. Dan Schulman tritt Ende 2023 ab – er führte das Unternehmen erfolgreich durch turbulente Zeiten.

Paypal-CEO Schulman tritt ab

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Paypal-CEO Dan Schulman tritt Ende 2023 nach neun Jahren an der Spitze des Zahlungsdienstleisters zurück. Der 65-Jährige will sich stärker privaten Interessen widmen, wie er im Rahmen eines Investorengespräches zu den Ergebnissen im Schlussquartal 2022 mitteilte. Seinen Sitz im Verwaltungsrat soll Schulman behalten und Paypal bei der Einarbeitung seines noch zu bestimmenden Nachfolgers unterstützen.

Dieser wird kein leichtes Erbe antreten. Denn Schulman hat den Zahlungsdienstleister erfolgreich durch turbulente Zeiten gesteuert. Er übernahm das Ruder im Jahr 2015, als Paypal vom Online-Marktplatz Ebay abgespalten wurde. Seit seinem Jobantritt arbeitete der ehemalige American-Express-Manager daran, das im kalifornischen San José ansässige Unternehmen zu einem diversifizierten Finanz- und Tech-Anbieter zu formen. So schloss Schulman Deals mit Banken und Betreibern von Kreditkartennetzen, um eine größere Verbreitung von Paypal zu erreichen, und gab Milliarden für Zukäufe aus.

Im Jahr 2018 übernahm Paypal das auf kleine Unternehmenskunden spezialisierte schwedische Fintech iZettle. Mit einem Volumen von 2,2 Mrd. Dollar stellte dies die größte Akquisition in der Geschichte des Zahlungsdienstleisters dar – bis November 2019, als Paypal die Übernahme des Gutschein-Browsers Honey für 4 Mrd. Dollar ankündigte.

Zugleich positionierte sich das Unternehmen unter Schulmans Ägide politisch. So wickelt das Unternehmen keine Zahlungen für Personen und Unternehmen mehr ab, die diskriminierende Inhalte verbreiten.

Als Vorstandschef verantwortete Schulman, der seine Karriere beim Telekommunikationskonzern AT&T begann und jahrelang den Mobilfunkanbieter Virgin Mobile führte, auch den Start des Kryptowährungsangebots von Paypal im Jahr 2020. In Pandemiezeiten profitierte das Unternehmen vom E-Commerce-Boom und erzielte im ersten Quartal 2021 ein Rekordergebnis.

Der Aktienkurs erreichte im Juli des gleichen Jahres ein Rekordhoch von mehr als 307 Dollar. Davon profitierte Schulman auch persönlich, er erhielt 2021 ein aktienbasiertes Vergütungspaket im Wert von damals 31,3 Mill. Dollar. Nach eigener Aussage wollte der CEO vor seinem Ab­schied sicherstellen, dass Paypal vor einem starken Jahr stehe – tatsächlich überraschte die am Donnerstag abgegebene Gewinnprognose für 2023 positiv. Dennoch wird Schulmans Nachfolger mit großen Herausforderungen konfrontiert sein. Denn große US-Banken erhöhen mit Plänen für ein eigenes Online-Wallet den Druck auf Paypal.

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