Branchenstudie

Autozulieferer unter Druck

Die Branche hat nicht nur mit gesunkenen und schwankenden Produktionsvolumen zu kämpfen, sondern nun auch mit gestiegenen Zinsen. Das erschwert Investitionen in die Zukunft.

Autozulieferer unter Druck

jh München

Die Zeiten für die Automobilzulieferer werden immer härter, eine Erholung ist nicht in Sicht. Der weltweite Umsatz der Branche werde in den nächsten zwölf Monaten inflationsbereinigt abermals unter dem Niveau von 2019 liegen, sagen das Beratungsunternehmen Roland Berger und der Finanzberater Lazard in einer gemeinsamen Studie voraus. Seit drei Jahren habe die Branche mit einem geringeren Produktionsvolumen als vor der Corona-Pandemie zu kämpfen. Eine Rückkehr zu dem vor der Krise erreichten Niveau sei erst nach dem Jahr 2025 zu erwarten. Analysiert wurden Daten von rund 600 Zulieferern in Europa, Amerika und Asien.

„Das anspruchsvolle Zinsumfeld erschwert zudem notwendige Investitionen“ in die Zukunftsfähigkeit, heißt es. Wegen der höheren Leitzinsen der Zentralbanken verteuert sich die Refinanzierung der Unternehmen. Darin, in dem schwankenden Produktionsvolumen und einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit erkennen die Studienautoren „ein substanzielles Risiko für Zulieferer“. Mehrere Unternehmen seien auf Non-Investment Grade heruntergestuft worden, berichtet Christof Söndermann, Geschäftsführer von Lazard. „Dies ist eine kritische Entwicklung, da der Kapitalbedarf zur Finanzierung der industriellen Herausforderungen erheblich und der Zugang zu Eigenkapital für traditionelle Automobilzulieferer limitiert ist.“

Verschärfter Trend

Die Branche muss nicht nur das gesunkene Produktionsvolumen be­wältigen, sondern auch eine geringere Profitabilität (siehe Grafik). Seit 2019 entwickelten sich die Margen der Autohersteller und der Zulieferer in gegensätzliche Richtungen, heißt es in der Studie. Im vergangenen und in diesem Jahr habe sich dieser Trend verstärkt, da es den meisten Zulieferern nicht gelungen sei, die steigenden Kosten für Energie und Logistik und wegen des Mangels an Halbleitern in einem ausreichenden Maß weiterzugeben.

Die Margen gingen deshalb im Durchschnitt in diesem Jahr zurück. In der Branche wird mit etwa 4% gerechnet. Auch für das nächste Jahr sei eine „grundlegende Besserung“ nicht zu erwarten. Die Autoren weisen auf die großen Unterschiede in der Industrie hin. Profitiert hätten 2021 Unternehmen in den Segmenten Elektronik mit einer durchschnittlichen Ebit-Marge von 9,4% und Aftermarket mit 10,5%. Dagegen hätten Zulieferer von Außenkomponenten aufgrund von Standardisierung und steigender Rohstoffkosten mit 4,3% am stärksten unter Druck gestanden. Zudem seien Konzerne mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Mrd. Euro mit 5,9% am profitabelsten gewesen.