Social Media

Meta führt Gebührenmodell ein

Meta-Nutzer sollen ihre Accounts künftig gegen eine Gebühr verifizieren lassen und sich so eine höhere Reichweite sichern können. Damit reagiert die Facebook-Mutter auf wegbrechende Werbeeinnahmen.

Meta führt Gebührenmodell ein

Der Internetriese Meta Platforms reagiert mit der Einführung eines Gebührenmodells für die Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram auf das eingetrübte Marktumfeld. Wie CEO Mark Zuckerberg am Sonntag mitteilte, beginnt der Konzern in der laufenden Woche mit der Einführung des Dienstes „Meta Verified“. Nutzer sollen ihre Accounts darüber per Ausweis verifizieren können und dafür einen blauen Haken sowie direkten Zugang zum Kundendienst des Unternehmens erhalten.

Mithilfe des neuen Aboprogramms will Meta eine höhere Transparenz auf den hauseigenen Plattformen schaffen und somit die Sicherheit erhöhen. Für volljährige Nutzer, die ihre Konten per Webbrowser verifizieren, liegt der Einstiegspreis bei 11,99 Dollar pro Monat. Auf dem Apple-Handybetriebssystem iOS startet „Meta Verified“ bei 14,99 Dollar. Zunächst soll der Dienst in Australien und Neuseeland anlaufen, laut Mitteilung in Kürze aber auch in weiteren Märkten eingeführt werden.

Meta will mit dem Schritt offenbar die hohe Abhängigkeit von Werbeeinnahmen verringern. Die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft gingen im Schlussquartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,2% auf 31,25 Mrd. Dollar zurück, bei den Einnahmen pro Nutzer stand gar ein Rückgang um 6% zu Buche. Wie die Konkurrenz auch leidet die Facebook-Mutter darunter, dass die Zahlungsbereitschaft der Werbekunden infolge von Rezessionssorgen, der hohen Inflation sowie des Liquiditätsentzugs durch die restriktive Geldpolitik der Federal Reserve deutlich abgenommen hat.

Hinzu kommt eine Belastung durch Regeln, die Apple 2021 für iOS eingeführt hat. App-Entwickler, die das User-Verhalten über verschiedene Anwendungen auf dem iPhone hinweg tracken wollen, müssen seither ausdrücklich um Erlaubnis fragen. Weil viele Nutzer diese Nachverfolgung ablehnen, sammeln Dienste wie Facebook weniger präzise Daten – damit ist es für sie schwieriger, äußerst einträgliche personalisierte Werbung zu platzieren.

Die Schwäche im Werbegeschäft hat laut Analysten maßgeblich zu der jüngsten Entlassungswelle im Tech-Sektor beigetragen und den Aktienkurs von Meta Platforms erheblich gedrückt. Trotz der jüngsten Erholung im Zuge der allgemeinen Jahresauftaktrally an den globalen Börsen hat der Titel seit Ende 2021 fast die Hälfte seines Werts eingebüßt.

Meta ist nicht der einzige Social-Media-Anbieter, der in einem schwachen Werbeumfeld nach neuen Er­lösquellen trachtet. Auch Snap lancierte im vergangenen Jahr einen Abodienst, über den Nutzer gegen eine monatliche Zahlung von 3,99 Dollar auf „exklusive Inhalte“ zugreifen können sollen. Für besonderes Aufsehen sorgten unterdessen die Bemühungen des Kurznachrichtendienstes Twitter, seine Gebührenmodelle zu erweitern. Dem Unternehmen sprangen nach der Übernahme durch Milliardär Elon Musk infolge gehäufter Kontroversen viele zahlungskräftige Werbekunden ab.

Anfang November startete das Unternehmen einen Dienst, über den sich Nutzer gegen eine Zahlung von 8 Dollar einen der begehrten blauen Haken sichern konnten, die offizielle Profile kennzeichnen. Nach nur wenigen Tagen musste Twitter die Vergabe allerdings einstellen, da zahlreiche Betrüger das Angebot nutzten, um sich als Prominente oder offizielle Unternehmensvertreter auszugeben. Nach einer Überarbeitung ging „Twitter Blue“ im Dezember wieder an den Start, nun verifizieren Mitarbeiter der Plattform die Nutzerkonten angeblich manuell.

Neben dem blauen Haken verspricht das Unternehmen weitere Vorteile – darunter die Möglichkeit, längere Tweets zu veröffentlichen und nach dem Absenden zu bearbeiten, oder eine Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS. Zudem will Twitter die Beiträge von Abonnenten künftig prominenter platzieren. Meta schlägt nun in die gleiche Kerbe: Das Unternehmen stellt verifizierten Nutzern eine „erhöhte Sichtbarkeit und Reichweite“ in Aussicht.

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