Restrukturierung

Zahl der Zombie-Unternehmen steigt

Weltweit kommen jährlich mehr Zombie-Unternehmen hinzu, als durch Insolvenz aus dem Markt ausscheiden. Kearney sieht ein unzureichend wirksames Insolvenzrecht als einen Grund dafür.

Zahl der Zombie-Unternehmen steigt

sar Frankfurt

Von Jahr zu Jahr wächst offenbar die Zahl der Unternehmen, die aus eigener Kraft nicht zukunftsfähig sind – sogenannte Zombies. Laut einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Kearney, für die weltweit 70 000 Unternehmen untersucht wurden, gab es 2021 etwa 2000 solcher Zombies, ein Anstieg um 10 % gegenüber dem Vorjahr. Als Zombie wurden Unternehmen eingestuft, die drei Jahre in Folge nicht in der Lage sind, mit ihrem operativen Ergebnis die laufenden Zinsverbindlichkeiten zu decken.

Kritik am Insolvenzrecht

Die Autoren sehen ein unzureichend wirksames Insolvenzrecht als einen Grund dafür, dass das Heer der Zombies wächst. Jährlich würden mehr Unternehmen zu Zombies, als aus dem Markt ausscheiden, übernommen werden oder sich erholen, haben die Autoren ermittelt. 2021 entstanden demnach weltweit 639 neue Zombies. Ihnen standen jedoch nur zwei Zombie-Unternehmen ge­genüber, die verkauft wurden. Weitere 368 gesundeten aus eigener Kraft. Lediglich 83 Zombies meldeten Insolvenz an. „Damit gehen nur rund 5 % der Zombies den Weg in die Insolvenz – ein klares Zeichen für die unzureichende globale Wirkung des Insolvenzrechts“, bilanzieren die Autoren.

Zombies vereinen der Studie zufolge inzwischen weltweit 108 Mrd. Dollar Eigenkapital auf sich und verfügen über eine Gesamtverschuldung von nahezu 400 Mrd. Dollar. Im Schnitt stehen im Insolvenzfall je Zombie-Unternehmen rund 250 Mill. Dollar im Feuer.

Deutlich verschärfen könnte sich die Situation in vielen Unternehmen mit der begonnenen Zinswende: Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Zinslast der betrachteten Unternehmen bei 1,5 %. In Stresstests haben die Studienautoren simuliert, was passiert, wenn die Zinslast um den Faktor 1,5 steigt (Zins von 2,25 %) oder sich sogar um den Faktor 2 erhöht (Zins von 3 %). Der Effekt ist deutlich: Bei einem Anstieg der Zinsen um den Faktor 1,5 würde – bei gleichbleibender Performance der Unternehmen − die Anzahl der Zombies der Kearney-Analyse zufolge um 17 % auf mehr als 2 300 Unternehmen steigen. Erhöht sich die Zinslast um den Faktor 2, gäbe es sogar fast 2 750 Zombies (+ 38 %).

Asien im Blickpunkt

Ein besonderer Fokus liegt mit Blick auf kriselnde Unternehmen auf dem asiatischen Markt: In den Branchen Automotive, Maschinenbau, Immobilien, Retail und auch Tourismus findet sich der Analyse zufolge dort jeweils der Großteil der weltweiten Zombies. Unter den Branchen scheint die Flugindustrie besonders anfällig für einen weiteren Anstieg der Zombie-Unternehmen: Zwar waren 2021 nur gut 3% der börsennotierten Unternehmen dieser Branche Zombies, bei einem Anstieg der Zinsen um den Faktor 1,5 stieg der Zombie-Anteil jedoch schon auf gut 6 %, bei einem Zinsanstieg um den Faktor 2 würde der Zombie-Anteil bei gleichbleibender Performance sogar auf 12 % klettern.

In Deutschland lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen den jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge im ersten Halbjahr 2022 um 4 % niedriger als im Vorjahreszeitraum (siehe Bericht auf Seite 8).

Wertberichtigt Seite 2

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