Malte Barth

„Die Blockchain ist ein Gamechanger“

Die Venture-Gesellschaft Bitkraft zählt zu den aktivsten Frühphasen-Investoren im E-Sports- und Gaming-Universum. Ihr jüngster Fonds legt den Fokus auf Kryptotechnologien, berichtet Bitkraft-Partner Malte Barth.

„Die Blockchain ist ein Gamechanger“

Stefan Paravicini.

Herr Barth, Bitkraft ist 2016 als dedizierter Venture-Fonds für Early-Stage-Investments in E-Sports und Gaming gestartet. Wer investiert denn in so einen Fonds?

Wir haben eine gute Mischung aus High Net Worth Individuals, Family Offices und erfolgreichen Unternehmern aus der Technologie- und Finanzbranche. Für die sind wir so eine Art Boyscouts, denen unsere Partner zutrauen, dass sie mit guten Nuggets aus dem Dschungel zurückkommen. Die zweite Gruppe sind Strategen wie Nexons, WPP, Logitech oder Adidas. Für die ist Gaming und E-Sports ein strategisch wichtiges Thema. Drittens haben wir auch institutionelle Anleger an Bord, die neben ihren Standardanlagen zu­nehmend auch nach Venture Exposure schauen. Da sind mittlerweile einige Adressen aus den USA dabei.

Ist das der Grund, warum Bitkraft Fonds in den USA aufgesetzt hat?

In den USA ist Venture Capital ein ausgeprägtes Standardprodukt. Wenn man so einen Fonds in Europa aufsetzt, ist das deutlich mühsamer. Den ersten Fonds haben wir in Deutschland strukturiert. Mit dem zweiten Fonds haben wir dann in die USA umgeschwenkt. Zu unseren Lead-Investoren gehören David Rubenstein, Gründer von Carlyle, und Bruce Karsh, Gründer von Oaktree Capital. Das sind für uns ausgezeichnete Mentoren, die jeweils eine weitreichende Fundgeneration in den USA aufgebaut haben. Irgendwann haben sie uns in Richtung USA gelost, so dass wir dann dort mit unseren Fonds gelandet sind. Die entsprechenden Fachanwälte schießen dort die Standardverträge aus dem Laserdrucker, und dann geht es mit dem Set-up der Fonds schneller voran.

Der jüngste Fonds fokussiert sich auf Kryptotechnologien. Was hat Krypto mit Gaming zu tun?

Ich komme aus der Softwareentwicklung und habe in den vergangenen 30 Jahren immer wieder neue Computingplattformen gesehen. Das fing an mit dem PC, dann kam die Konsole, plötzlich konnte man auch für Browser und das Mobiltelefon beziehungsweise Smartphone entwickeln. Dann kamen Virtual und Augmented Reality und später die Cloud. Blockchain ist eine weitere, sehr junge Computingplattform, die sich speziell durch ihren hohen Dezentralisierungsgrad auszeichnet. Für uns als Entwickler und Videospieler kommt da immer die Frage, was man mit den unterschiedlichen Plattformen vor dem Hintergrund der Videospielewelt Spannendes für Konsumenten entwickeln kann.

Bringt die Blockchain für E-Sports und Gaming besondere Vorteile?

Jede Plattform hat ihre Vor- und Nachteile. Das gilt auch für die Blockchain, wobei wir hier noch sehr früh in der Entwicklung sind. Wo wir heute mit Blockchain stehen, waren wir mit dem Internet vielleicht 1998/99/2000. Damals war es noch gar nicht vorstellbar, dass man performante Multi-Spieler-Spiele online spielen kann, weil es nur geringe technische Konnektivität gab. Insofern kann man noch nicht genau sagen, wo es mit der Blockchain hingeht. Was im Videogaming aber schon immer wichtig war, war das Engagement einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten – einer Community –, die zusammen ihren Spaß außerhalb der Standard-Realität suchen. Blockchain-Technologie bietet durch ihren hohen Dezentralisierungsgrad und ihre „Trustlessness“ sehr viel Funktionalität für diese Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Dazu gehört unter anderem fraktionales digitales Eigentum an Werten aus dem Spiel. Das ermöglicht tiefes Engagement der Community.

Wie sorgt Blockchain-Technologie für dieses Engagement?

Über den Verlauf der Zeit haben wir immer wieder neue Technologien gesehen, die es ermöglichen, dass sich die Gaming-Community über sie austauscht und technisch kreativ zu den Spielen beitragen kann. Spiele werden ja klassisch allein von professionellen Entwicklern gestaltet. Zunehmend werden die Werkzeuge aber auch für Amateure verfügbar, um einen eigenen Beitrag zu leisten. Die Idee von Blockchain-Plattformen ist nichts anderes als Smart Contracts, über die sich dezentrale Protokolle ohne Erlaubnis aufbauen lassen. Auf der Blockchain kann man Beiträge und Ownership der Community abbilden und eine virtuelle Ökonomie um ein Spiel bauen. Das ist ein echter Gamechanger für die Art und Weise, wie Videospiele entwickelt und gespielt werden.

Bitkraft will bis Ende 2022 in zwei Dutzend Kryptofirmen investieren. Wo finden Sie Ihre Ziele?

Die Gaming- und Krypto-Industrie ist global, sowohl sprachlich als auch kulturell. Wir haben Investments in Australien, in Japan, in Südkorea, auf den Philippinen, in Singapur, Indien und Westeuropa bis nach Brasilien und in die USA und Kanada. Beim Krypto-Thema ist die amerikanische Szene zuweilen etwas zurückhaltender, weil die Regulierung dort ein gewisses Risiko birgt und einige Innovatoren auf Abstand hält. Da kommt viel aus den Emerging Markets, weil Gründer dort ein höheres Maß an Innovationsfreiheit finden.

Wie sieht es in Berlin aus?

Berlin ist ein großer Hub, London und Lissabon sind stark im Kommen. Die New Yorker Szene ist von der Fintechseite getrieben, und es hat sich eine starke Kryptoszene aus dem DeFi-Umfeld (Decentralized Finance, Red.) gebildet. Ein Meta-Thema ist, dass Krypto dort stark ist, wo auch die Counterculture stark ist. Dort gibt es besonders großes unternehmerisches Potenzial für Krypto. Die Szene verhält sich im Übrigen nomadisch und ist sehr dezentral aufgestellt. Bei den meisten Teams kann man gar nicht genau sagen, von welchem Ort sie gerade arbeiten.

Hat Bitkraft schon den nächsten Fonds in Planung?

Wir haben insgesamt fünf Fonds unterschiedlicher Machart lanciert und haben mittlerweile in mehr als 90 Unternehmen investiert. Wir verstehen die Themen früher, weil wir draußen im Dschungel sind und sehen, wo sich etwas bewegt. Dieses Potenzial machen wir für unsere Investoren urbar und kreieren thematisch weitere Produkte.

Was ist bisher das interessanteste Investment im Kryptosegment?

Da gibt es eine Reihe von spannenden Investments. Yield Guild Games (YGG) sticht allerdings besonders hervor. YGG ist im Prinzip eine Community von Gamern, die sich über einen Blockchain-Token organisiert, ein eigenes Ökosystem auf Basis eines Blockchain-Protokolls hat, verschiedene Blockchain-Spiele spielt und so eine ertragsorientierte Betätigung bietet, Spiele distribuiert und neue Communities baut. Es ist auf der einen Seite die Gewerkschaft der Blockchain-Gamer, die Stellenvermittlung, aber auch ein Krypto-Pensionsfonds für Gamer und wird so der wesentliche Distributeur von Blockchain-Spielen.

Das Interview führte

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