Wachstumsfinanzierung

Eurazeo forciert Growth-Investments in Europa

Zoé Fabian, Deutschlandchefin des Finanzinvestors Eurazeo, will sich mit 1,6-Mrd.-Euro-Fonds zum Konkurrenten für Tiger Global oder Sequoia aufschwingen.

Eurazeo forciert Growth-Investments in Europa

cru Frankfurt

Der Finanzinvestor Eu­razeo will sich in Europa zum vollwertigen Konkurrenten riesiger US-Growth-Investoren­ wie Tiger Glo­bal oder Sequoia aufschwingen. So unterschiedliche Jungunternehmen mit Milliardenbewertung wie der französische Online-Arzttermine-Buchungsanbieter Doctolib, der spanische Schnelllieferdienst Glovo und die aus Schweden stammende Open-Banking-Plattform Tink haben eines gemeinsam: An diesen „Einhörnern“ ist Eurazeo beteiligt – wie auch an der Pariser Online-Plattform Back Market für reparierte Elektrogeräte, der Blockchain-basierten Fantasy-Football-Firma Sorare, dem deutschen Versicherungs-Start-up Wefox und dem französischen Second-Hand-Modehändler Vestiaire Collective.

„Wir sind bereits seit 2015 im Growth-Equity-Segment aktiv und haben gerade das Fundraising für unseren aktuellen Growth-Fonds bei 1,6 Mrd. Euro beendet. Für Europa ist das eine sehr große Summe“, sagte Zoé Fabian der Börsen-Zeitung. Die Berlinerin ist Managing Director im Growth-Equity-Team des europäischen Private-Equity-Hauses mit französischen Wurzeln, das inzwischen insgesamt mehr als 25 Mrd. Euro verwaltet. „Wir wollen Unternehmen finden, die das Potenzial haben, in einigen Jahren eine Bewertung von 5 oder 10 Mrd. Euro zu erreichen. Diese unterstützen wir dabei, global zu wachsen, und können dafür bei Finanzierungsrunden ab der Serie C Tickets von bis zu 200 Mill. Euro schreiben“, kündigt Fabian an. Investiert wird in Jungunter­nehmen, die noch nicht profitabel sein müssen, aber im Markt etabliert sind und stark wachsen. In jüngster Zeit hat Eurazeo hohe Zuflüsse von Investoren für solche Investments erhalten.

Starke US-Konkurrenten

Mit 1,6 Mrd. Euro ist der Eurazeo-Fonds groß, steht aber im harten Wettbewerb zu Growth-Investoren zum Beispiel aus dem Silicon Valley, die auf den US-Kapitalmarkt zurückgreifen können, der mit zahlreichen Pensionsfonds noch weitaus größer ist, weil die Altersvorsorge in den USA stärker über Kapital gedeckt wird. Gerade bei den besonders großen Finanzierungsrunden in Europa stammt der größte Teil des Kapitals mit einem Anteil von mehr als 40% aus Nordamerika. Europäische Tech-Newcomer werden meist von Adressen wie Peter Thiel, Goldman Sachs, Softbank, Silver Lake, Sequoia Capital, Tiger Global, Mubadala Investment, Blackstone, BlackRock, TCV, Tencent, Target Global und Coatue finanziert.

Das soll sich jetzt ein wenig ändern. „Wir haben europäische Wurzeln. Wir agieren aus Europa heraus für europäische Unternehmen – oder auch für amerikanische Firmen, die nach Europa kommen wollen“, sagt Fabian, die gerade vom Bundesverband Deutsche Start-ups als „Investorin des Jahres“ ausgezeichnet wurde und seit 2019 für Eurazeo arbeitet. Zuvor war sie unter anderem als Senior Investment Manager für Axel Springer tätig. Ihre Karriere startete sie bei Blackstone in Paris und New York. Zu den jüngsten Deals des Teams gehört der Exit beim Berliner Adtech-Unternehmen Adjust, das im Februar zu einer Bewertung von rund 1 Mrd. Dollar an Applovin veräußert wurde.

Meist Minderheitsanteile

Meist beteiligt sich Eurazeo an jungen Wachstumsunternehmen mit einem Minderheitsanteil zwischen 5 und 15%. Nach Beobachtung von Fabian hat auch die Pandemie einen Schub für Growth-Investments in Europa mit sich gebracht. „Dadurch haben alle verstanden, wie wichtig Tech-Investments sind.“ Schwerpunkte für Eurazeo seien Digital Health, Fintech, Enterprise Software sowie in jüngster Zeit auch Krypto­geschäftsmodelle und Cyber Security. Als jüngstes Beispiel einer Beteiligung nennt Fabian die Open-Source-Graphdatenbank Neo4j aus Malmö in Schweden. Eurazeo hat hier die 325-Mill.-Dollar-Series-F-Runde an­geführt.

Besorgt über die hohen Bewertungen der Jungunternehmen, die oft mit dem 30-Fachen des Umsatzes bezahlt werden, ist Fabian noch nicht. „Wir schauen uns allein in Deutschland jedes Jahr rund 100 junge Wachstumsunternehmen an und investieren nur nach einer gründlichen Due Diligence. Aber ich gebe zu: Man kommt in die Situation, dass man mit dem Markt gehen muss.“ Einzelne Investoren würden sich in Extremfällen kaum noch Governance-Rechte gegenüber den Unternehmensgründern sichern und so den Markt verändern: „Kapital ist zu einer Commodity geworden, die im Überfluss vorhanden ist. Den Ausschlag gibt deshalb, was ein Investor den Unternehmen darüber hinaus bieten kann, zum Beispiel aktive Unterstützung bei der Internationalisierung oder Zugang zu einem Talent-Pool. Mit unserem globalen Netzwerk von 12 Büros und insgesamt rund 500 Portfoliounternehmen haben wir diese Möglichkeiten.“

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