US-Notenbank

Tapering-Debatte beschäftigt Fed

Seitdem der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank im April erstmals eine allmähliche Reduktion der monatlichen Anleihekäufe in Höhe von 120 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt hat, warten die Märkte gespannt auf die nächsten Signale. Angesichts...

Tapering-Debatte beschäftigt Fed

Von Peter De Thier, Washington

Seitdem der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank im April erstmals eine allmähliche Reduktion der monatlichen Anleihekäufe in Höhe von 120 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt hat, warten die Märkte gespannt auf die nächsten Signale. Angesichts zahlreicher neuer Daten, welche die Fed während der letzten sechs Wochen analysiert hat, könnte das Lenkungsgremium bereits beim FOMC-Treffen am Dienstag und Mittwoch einschlägige Hinweise geben. An Transparenz hatte es seit dem Ausbruch der Coronakrise bei der Notenbank nie gefehlt. Im März vergangenen Jahres schraubte das FOMC den Leitzins auf null herunter und begann, jeden Monat 80 Mrd. Dollar an Staatstiteln und 40 Mrd. Dollar an hypothekenbesicherten Anleihen zu erwerben. Sobald die Krise überwunden ist und die Erholung an Schwung gewinnt, würde einer Anhebung des Tagesgeldsatzes auf jeden Fall ein Abbau der quantitativen Lockerungen vorausgehen, hatte Notenbankchef Jerome Powell schon damals deutlich gemacht.

Der Zeitpunkt, einen solchen Schritt zu konkretisieren, könnte nun gekommen sein. Schließlich denken die Fed-Gouverneure seit ihrer jüngsten Sitzung laut darüber nach, mit Blick auf das duale Mandat der Vollbeschäftigung und Preisstabilität einen langsamen Kurswechsel einzuläuten. Zwischenzeitlich seien nämlich „rapide Fortschritte“ erzielt worden, hieß es zuletzt. Durchaus denkbar ist daher, dass Powell die Märkte frühzeitig vorbereitet und noch für dieses Jahr das allmähliche Auslaufen der Anleihekäufe in Aussicht stellt. Schließlich will er um jeden Preis verhindern, dass es wieder ein sogenanntes „Taper Tantrum“ gibt. Als 2013 der damalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke auf ein Ende der quantitativen Lockerungen anspielte, stießen Anleger massenweise festverzinsliche Wertpapiere ab, was zu einem steilen Anstieg der Anleiherenditen führte.

Solides Wirtschaftswachstum

Ein Hauptgrund dafür, dass die Fed ihre Käufe zurückfahren könnte, ist das robuste Wirtschaftswachstum. So legte die annualisierte Wirtschaftsleistung der USA im ersten Quartal um 6,4 % zu. Zudem setzt sich die Erholung am Arbeitsmarkt fort. Die Erwerbslosenquote sank im Mai von 6,1 auf 5,8 %, auch entstanden 559 000 neue Jobs. Gleichwohl liegt die Arbeitslosenquote noch deutlich oberhalb des Vorkrisenniveaus von 3,5 %. Diese Zahl gilt wiederum als jene Zielgröße, die es aus Powells Sicht zu erreichen gilt.

Ein kniffliges Problem stellen für die Fed hingegen die steigenden Preise dar. Der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, kletterte im März um 4,2 %, während die Kernrate um 3,0 % zulegte. Auch der Anstieg der Verbraucherpreise, deren Jahresrate im Mai um 5,0 % anzog, hat den Druck auf die Fed verstärkt, eher früher als später die geldpolitischen Zügel leicht zu straffen.

Gleichwohl bleibt Powell bei der festen Überzeugung, dass der Preisanstieg mit Angebotsengpässen im Zuge der raschen Öffnung der Wirtschaft zusammenhängt und die höhere Inflation nur vorübergehend ist. Mit dramatischen Ankündigungen ist daher kommende Woche nicht zu rechnen, womöglich doch aber mit einem groben Zeitraster, das Aufschluss darüber gibt, wann der Abbau der Anleihekäufe beginnen könnte.