Marktausblick

Analysten raten zur Vorsicht

Auch in den kommenden Wochen dürfte der Druck im Finanzsystem hoch bleiben, meinen Analysten. Sie raten daher Anlegern, vorsichtig zu agieren.

Analysten raten zur Vorsicht

Von Werner Rüppel, Frankfurt

Nachdem in der abgelaufenen Woche es am Freitag erneut zu Turbulenzen im Bankensektor gekommen ist, stellt sich natürlich die Frage, wie es in der kommenden Woche bei den Banken weitergeht. Analyst Daniel Schär von der Weberbank stuft die deutliche Zinswende der Notenbanken als Vollbremsung ein. „Der Druck im Finanzsystem ist nach Jahrzehnten rückläufiger Zinsen deutlich gestiegen“, sagt Schär. „Historisch kam es nach ähnlichen Zinsanstiegen regelmäßig zu Problemen im Finanzbereich.“

Doch seien die Rahmenbedingungen deutlich anders als bei der Finanzkrise 2008. Das systematische Risiko, das von den Ereignissen der letzten zwei Wochen im Finanzsektor ausgehe, sollte laut Schär begrenzt bleiben. Ein anderes Risiko sei die wachsende Rezessionsgefahr infolge der veränderten Kreditbedingungen. Insgesamt habe jetzt eine Phase begonnen, in der Risiken wieder differenzierter bepreist würden und mit hohen Kursschwankungen zu rechnen sei. „Vorsicht ist nach dieser ereignisreichen Woche weiterhin angebracht“, meint auch die Helaba in ihrem Wochenausblick. Am Aktienmarkt stuft die Helaba den Aufwärtstrend nur als unterbrochen ein und rechnet in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg von Dax und Euro Stoxx 50. So werde in den Gewinnprognosen der Analysten bereits einer Rezession Rechnung getragen.

„Wir raten weiter zur Vorsicht“, erklärt auch Uwe Streich, Senior Equity Analyst der LBBW. „Obwohl wir den Bankensektor weit besser aufgestellt sehen als im Vorfeld der Finanzkrise, lässt sich trotzdem nicht gänzlich ausschließen, dass demnächst ein weiteres Institut im Feuer stehen könnte.“ Laut LBBW dürfte die Konjunktur aufgrund der Folgeeffekte der Bankenkrise zusätzlich geschwächt werden. Daher drohten Gewinnrevisionen auf breiter Front und nicht nur bei Banken.

Weichenstellend können in der kommendenden Woche die neuen Inflationszahlen für Deutschland, den Euroraum und für die USA werden. Am Donnerstag werden die vorläufigen CPI-Zahlen in Deutschland für März veröffentlicht. Hier liegt die Konsensprognose bei 7,6%, während die LBBW nur einen Anstieg von 7,1% erwartet. Am Freitag folgt die Vorabschätzung für den HVPI im Euroraum für März sowie in den USA die PCE-Kernrate für Februar.

Und wie wird sich der Ölpreis entwickeln, der sich aufgrund der Turbulenzen im Banksektor klar ermäßigt hat? „Der aktuelle Preisabverkauf hat keinen fundamentalen Grund“, sagt Gabor Vogel von der DZ Bank. „Wir erwarten, dass vor allem die besseren Nachfrageperspektiven in China den Preis mit Blick auf die nächsten zwölf Monate in Richtung 100 Dollar schieben werden.“

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