Anlegerstimmung

Fonds werden noch skeptischer

Laut der globalen Umfrage der Bank of America sind die Fonds noch skeptischer geworden. Ihr Konjunkturpessimismus hat im Juni das höchste Niveau seit dem Jahr 1994 erreicht.

Fonds werden noch skeptischer

ck Frankfurt

Die Konjunktur-, Zins- und Inflationsbefürchtungen sorgen unter den Fondsgesellschaften weiterhin für erhebliche Unsicherheit. Wie die globale Fondsmanagerumfrage der Bank of America zeigt, die im Zeitraum vom 3. Bis zum 10. Juni durchgeführt wurde, hat sich die bereits schlechte Stimmung der Fonds weiter eingetrübt. Dem Institut zufolge befindet sich der amerikanische Aktienmarkt nun offiziell im Bärenmarkt, nach dem sein die Stimmung abbildender Bull & Bear-Indikator auf 0,2 Zähler gesunken ist.

Rezession befürchtet

Wie schon im Mai treibt die Fonds die Sorge um, dass die von der Inflation getriebenen Zentralbanken bei ihrer geldpolitischen Korrektur übersteuern und eine Rezession droht. Bei der Frage nach den derzeit größten Risiken stehen falkenhafte Notenbank erneut auf Rang 1 mit 32% der Befragten nach 31% vor rund vier Wochen. Dahinter folgten wie im Mai eine weltweite Rezession mit 25% nach 27% und die Inflation mit 22% nach 18%. Abgeschlagen auf Rang 5 nach zuvor 4 mit nur noch 6% nach 10% folgt der Krieg in der Ukraine. Netto 73% der Umfrageteilnehmer (Saldo aus positiven und negativen Antworten in Prozent der Befragten) nach 72% im Mai gehen auf Sicht von zwölf Monaten von einer schwächeren Weltwirtschaft aus, was der skeptischsten seit dem Jahr 1994 gemessenen Einschätzung entspricht. 88% nach 77% rechnen mit einer Stagflation, der höchste Anteil seit dem Juni 2008.

Sorgen über Gewinne

Mit niedrigeren Unternehmensgewinnen rechnen netto 72% nach 66% vor rund vier Wochen, was den schwächsten Wert seit dem September 2008 bedeutet. Die Bank of America merkt an, dass ähnliche Tiefen in den Erwartungen an die Unternehmensgewinne während anderer Krisen wie dem Long-Term Capital Management-Debakel des Jahres 1998, dem Platzen der Internet-Blase, dem Lehman-Kollaps und dem Corona-Schock erreicht wurden. Dementsprechend wünschen sich die Fondsmanager von den Unternehmen ein vorsichtiges Vorgehen. Der Anteil der Befragten, der vor allem die Reduzierung der Verschuldung fordert, ist vom Mai auf den Juni von 41% auf 44% und damit auf den höchsten Stand seit dem Januar 2021 gestiegen.

Niedrigere Inflation

Etwas zurückgenommen wurden die Inflations- und Zinserwartungen. Allerdings fiel der Schlusstag der Erhebung mit den am Freitag veröffentlichten, nach oben überraschenden US-Inflationsdaten zu­sammen. So ist der Nettoanteil der Fonds, die in zwölf Monaten eine niedrigere Inflation erwarten, auf den höchsten Stand seit dem November 2008 gestiegen. Von der US-Zentral­bank Fed, die am Mittwoch die Ergebnisse ihrer zinspolitischen Sitzung be­kannt gibt, erwarten die Fonds nun für den laufenden Zyklus 7,6 Leitzinsanhebungen nach 7,9 im Mai.

Liquidität reduziert

Nach dem extrem hohen Wert des Vormonats ist der Durchschnitt der von den Fonds angegebenen Kassaquoten auf 5,6% nach 6,1% gesunken. Netto 48% gaben an, geringere Risiken als üblich einzugehen. Im Juni lag der Anteil mit 49% auf dem höchsten Niveau seit dem Dezember 2008. Die Untergewichtung in Aktien hat sich weiter verstärkt. Per saldo 15% nach 13% vor einem Monat gaben an, in Dividendentitel untergewichtet zu sein. Dafür legte die Anleihen-Allokation deutlich zu. Der Anteil der in Festverzinslichen untergewichteten Fonds liegt bei 46% nach 65%, nach Angaben der Bank of America die geringste Untergewichtung seit dem Oktober 2020. In Rohstoffen sind netto 27% nach 29% übergewichtet.

Unter den Aktienanlageregionen hat vor allem der Euroraum zugelegt. Hier sind nun netto 12% übergewichtet, nachdem im Mai von 3% untergewichtet waren. In den Schwellenländern sind nun nur noch 5% nach zuvor 14% untergewichtet, in Japan nur noch 3% nach 12%. Dagegen stieg der Anteil der in den Vereinigten Staaten untergewichteten Fonds von 6% auf 8%.

Tech-Allokation erholt

Unter den Sektoren hat sich die Technologiebranche, die im Vormonat stark zurückfiel, deutlich erholt. Hier sind nur noch netto 6% nach 12% im Mai untergewichtet. Dagegen fiel die Versorgerbranche, in der nun 20% nach 14% untergewichtet sind, zurück. Verlierer der zurückliegenden vier Wochen sind die Konsumgüter des alltäglichen Bedarfs. Hier fiel der Nettoanteil übergewichteter Fonds um 13 Prozentpunkte auf 3%. Auch der Healthcare-Sektor fiel zurück. Der Anteil übergewichteter Befragter sank um 7 Prozentpunkte auf netto 34%.

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