Anja Hochberg

Vorsicht bei Aktien und Anleihen angesagt

Für Anja Hochberg, die Leiterin Multi Asset bei Swisscanto, ist aufgrund signifikant steigender Leitzinsen weiterhin Vorsicht bei Aktien und Anleihen angesagt. Doch gebe es auch Gelegenheiten. So präferiert Hochberg Schweizer Aktien.

Vorsicht bei Aktien und Anleihen angesagt

Von Werner Rüppel, Frankfurt

Unter der Marke Swisscanto verwaltet das Assetmanagement der Zürcher Kantonalbank rund 200 Mrd. Franken, rund 40 Mrd. Franken davon im Bereich Multi Asset. Diesen Bereich steuert Anja Hochberg als Head Multi Asset Solutions. Von den 40 Mrd. Franken entfallen etwa ein Drittel auf Fondslösungen und etwa zwei Drittel auf Mandate für Pensionskassen, Stiftungen und vermögende Privatkunden.

„Wir legen viel Wert auf Nachhaltigkeit“, erläutert Hochberg im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Nicht nur passive ETFs seien gefragt, mit einem nachhaltigen Ansatz seinen auch aktive Mischfonds sehr gefragt. „Das ist schon bemerkenswert, dieses starke Interesse an Nachhaltigkeit.“ Die zunehmende Ausrichtung von Portfolios in Richtung Nachhaltigkeit sei eine langfristige Angelegenheit und nicht etwas Taktisches. Bei nachhaltigen Investments seien bei Swisscanto natürlich Anlagen in Gas, fossile Energie überhaupt und in Atomkraft ausgeschlossen. Hier habe Swisscanto einen klaren Ansatz, der neben Ausschlusskriterien beispielsweise den Fokus auf Firmen legt, die einen Lösungsbeitrag zu Nachhaltigkeitsthemen liefern.

Bei Mischfonds gelte es gewählte Anlagestrategien grundsätzlich beizubehalten, aber sehr genau in der Portfoliokonstruktion zu sein. „Wir machen bei Mischfonds Stresstests für verschiedene Szenarien, um Er­kenntnisse für verschiedene Marktentwicklungen zu gewinnen“, erklärt Hochberg.

Schweiz steht für Qualität

Nur wie ist Swisscanto positioniert? „Wir waren bei Aktien und Obligationen lange untergewichtet“, sagt Hochberg. „Grundsätzlich bleiben wir vorsichtig, nutzen nun aber Bärenmarktrallys taktisch.“ Bei Aktien wie Anleihen gebe es Gelegenheiten. Bei Anleihen seien dies ausgewählte Emerging Markets, sowohl in Lokalwährung als auch in Dollar oder Euro.

„Bei Aktien haben wir eine Präferenz für den Schweizer Markt“, erklärt Hochberg. Denn bei Schweizer Aktien gebe es viel Qualität, attraktive Dividenden und ein hohes Maß an Finanzstabilität. Global könnten nach Auffassung von Swiss­canto Engagements im chinesischen Aktienmarkt durchaus Sinn machen. Die Frage sei, welches die Regionen seien, die von der hohen Inflation nicht betroffen seien.

Bei europäischen Aktien ist Swiss­canto derzeit untergewichtet. „Aber wenn erst einmal ein Boden gefunden ist, ist Europa attraktiv“, meint Hochberg. Denn etliche Investoren seien in Europa untergewichtet. Und das Cash-Niveau von institutionellen Investoren sei so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Für eine Bodenbildung der Aktienmärkte reiche es, wenn sich die Einkaufsmanagerindizes wieder verbesserten, sie müssten dazu nicht Werte über 50, also Expansionsniveau erreichen.

Mit der veränderten Geldpolitik gehe ein deutliches Risiko einher. Die Leitzinserhöhungen würden die Realwirtschaft klar beeinflussen. „Der Fokus der Notenbanken ist jetzt eindeutig die Inflation“, sagt Hochberg. „Es geht jetzt um die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik.“ Insofern werde der Ton der Notenbanken weiterhin sehr harsch bleiben. Die Gefahr eines Überschießens der Geldpolitik sei durchaus gegeben.

Weitere Leitzinserhöhungen

Swisscanto erwartet, dass die USA im ersten Halbjahr 2023 ihren Leitzins bis auf etwa 4,7% erhöhen werden, auch die EZB werde weiterhin den Leitzins erhöhen, aber nicht in demselben Ausmaß wie die Fed.

Darüber hinaus berücksichtigt Swisscanto auch Rohstoffe und Gold, wobei Gold sich in einer Handelsspanne zwischen 1650 und 2000 Dollar je Feinunze bewege. Ein größerer Ausbruch nach oben sei hier nicht zu erwarten. Gold sei auch grundsätzlich Bestandteil der strategischen Allokation. Auch bei Immobilien gebe es selektive Gelegenheiten. So habe man in der Schweiz gerade begonnen, Immobilien höher zu gewichten.

„Auf der Währungsseite mögen wir den Dollar und den Schweizer Franken“, erklärt Hochberg. „Wir empfehlen auch Dollar-Cash, hier gibt es einen relativ hohen Zins mit beschränktem Währungsrisiko.“ Ge­genüber dem Euro spreche der Zinsunterschied­ weiterhin für den Dollar. Der Schweizer Franken könne zwar gegenüber dem Euro noch aufwerten, habe aber den größten Teil der Aufwertung wohl schon hinter sich.

Insgesamt sei die Bepreisung von Risiko ganz anders, seit es wieder signifikante Zinsen gebe. Dies gelte es insbesondere bei Unternehmensanleihen und bei Aktien zu berücksichtigen. Hochberg wörtlich: „Die Finanzwelt hat sich dadurch erneut grundlegend verändert.“

Auf der Aktienseite präferiert Swisscanto aktuell auch Energietitel. „Energie mögen wir“, erklärt Hochberg. „Denn die Bewertung dieser Aktien ist attraktiv, sie bieten viel Cashflow und eine hohe Dividendenrendite.“

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