Eurozone

Gemischte Inflationssignale für die EZB

Der EZB-Rat kommt am Donnerstag zu seiner ersten Zinssitzung im neuen Jahr zusammen. Von Inflationsseite gibt es zuvor gemischte Signale. Das erhöht die Spannung vor dem Treffen.

Gemischte Inflationssignale für die EZB

ms Frankfurt

Zwei Tage vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag hat es von Inflationsseite gemischte Signale für die Euro-Notenbanker gegeben. In Deutschland nährten eine neuerliche Abschwächung des Preisdrucks bei den Importen und eine Ifo-Umfrage zu geplanten Preiserhöhungen der Unternehmen die Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden ist. In Frankreich dagegen zog die Teuerungsrate zuletzt wieder an. Bereits am Montag hatte Spanien mit einem unerwarteten Anstieg negativ überrascht. Am heutigen Mittwoch gibt es eine erste Schätzung für die Euro-Inflation im Januar.

Der EZB-Rat kommt am Donnerstag zu seiner ersten Zinssitzung im neuen Jahr zusammen. Eine neuerliche Anhebung der Leitzinsen um 50 Basispunkte gilt nahezu als ausgemachte Sache. Spannender ist aber die Frage, wie es danach weitergeht. Für die März-Sitzung hatte der EZB-Rat ebenfalls 50 Basispunkte avisiert. Einige Euro-Notenbanker liebäugeln aber mit einer Drosselung des Zinserhöhungstempos. Hintergrund ist nicht zuletzt, dass die Euro-Inflation Ende 2022 bereits deutlich nachgegeben hat – von 10,6% im Oktober auf 9,2% im Dezember.

In Deutschland verstärkten nun neue Daten die Zuversicht in Sachen Inflation. Die Einfuhrpreise erhöhten sich im Dezember zum Vorjahresmonat um 12,6%, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. In den Monaten zuvor waren teils Raten von mehr als 30% erreicht worden. Seit September geht es aber tendenziell nach unten. Der Preisauftrieb verharrt aber auf hohem Niveau. Im Gesamtjahr 2022 verzeichneten die Importpreise mit 26,3% den stärksten Anstieg seit 1974.

Das Ifo-Institut meldete derweil am Dienstag, dass immer weniger Unternehmen in Deutschland ihre Preise erhöhen wollen. Das Barometer für die Preiserwartungen für die nächsten drei Monate sank demnach im Januar auf 35,4 Punkte, nach 40,1 im Dezember. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als anderthalb Jahren. „Dies bestätigt einmal mehr, dass wir den Scheitelpunkt der Inflationswelle hinter uns gelassen haben“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Allerdings werde die Inflationsrate in den kommenden Monaten weiter hoch bleiben und sich nur allmählich abflachen.

In Frankreich zog die Teuerung zu Jahresbeginn sogar wieder etwas an. Die nach EU-Methode berechneten Verbraucherpreise (HVPI) erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,0%, wie das Statistikamt Insee am Dienstag mitteilte. Im Dezember war die Rate leicht auf 6,7% gefallen. Analysten hatten mit der aktuellen Entwicklung gerechnet. Insee begründete die wieder höhere Inflation mit steigenden Preisen für Lebensmittel und Energie.

Am heutigen Mittwoch legt Eurostat eine erste Schätzung für die Inflation im Januar vor. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten zuletzt im Mittel einen neuerlichen Rückgang auf 9,0% prognostiziert. Die Prognosen gehen aber durchaus auseinander. Einige erwarten sogar wieder eine spürbar höhere Rate.