Großbritannien

Hasta la vista, Boris!

Boris Johnson wird Interesse an einem Comeback nachgesagt. Er selbst hält sich alle Optionen offen. Ein Parlamentsausschuss könnte einer Rückkehr in die Downing Street einen Riegel vorschieben.

Hasta la vista, Boris!

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Boris Johnson (58) hat sich im Juli mit den Worten „Hasta la vista, baby!“ im britischen Unterhaus von seinem Amt als Premierminister verabschiedet. „I’ll be back“, den anderen Satz, für den Arnold Schwarzenegger als „Terminator“ bekannt wurde, fügte er zwar nicht hinzu. Doch seine Parteifeinde fürchten jetzt schon, dass er zum Comeback ansetzt.

Als er im Carlton Club im Londoner Stadtteil St. James’s ein nahezu lebensgroßes Porträt von sich in Öl enthüllte, wurde er von rund 100 Anhängern gefeiert wie ein Rockstar. Dabei beschwor er die Einheit der Regierungspartei und forderte, sie müsse für ein globales Großbritannien mit niedrigen Steuern kämpfen. Mit dem Steuerthema müsse die Partei auch in den kommenden Wahlkampf gehen. Manche sahen darin den Beginn einer Pro-Boris-Kampagne vor den Kommunalwahlen im Mai, bei denen die Tories den Verlust zahlreicher Mandate fürchten müssen.

Steuersenkungen sind nicht gerade das, wofür Premierminister Rishi Sunak und Schatzkanzler Jeremy Hunt stehen. Beide waren am Sturz von Johnson beteiligt. Ihnen kommt gelegen, dass der parlamentarische Ausschuss, der klären soll, ob Johnson das Unterhaus über Feiern während der pandemiebedingten Ausgangssperren belogen hat, in die Gänge gekommen ist.

Nun sagen Politiker bekanntermaßen nicht immer die Wahrheit. Man denke an die Massenvernichtungswaffen, die Ex-Premier Tony Blair von der Labour-Partei einst dem irakischen Diktator Saddam Hussein andichtete. Der von der Labour-Veteranin Harriet Harman geführte Ausschuss kann Johnson zu öffentlichen Befragungen vorladen, die im Parlamentsfernsehen übertragen werden. Das könnte angesichts der Vorgänge an seinem Amtssitz während der Lockdowns durchaus peinlich für ihn werden. Sollte ihn der Ausschuss, in dem die Konservativen die Mehrheit haben, der Missachtung des Parlaments für schuldig befinden, kann er Johnson suspendieren. Dauert die Suspendierung mehr als zehn Sitzungstage, könnten seine Gegner beginnen, in seinem Wahlkreis Uxbridge für seine Abberufung zu trommeln. Unterschreiben mehr als 10 Prozent der Wähler eine entsprechende Petition, wird eine Nachwahl fällig. Johnson könnte sein Mandat verlieren.

Vielleicht vermied er das „I’ll be back“ bei seinem Abschied, weil er sich daran erinnerte, dass Charaktere, die diesen Satz in Horrorfilmen sagen, nie zurückkommen.